Bescheidene Freude

KONZ/PALZEM. Wem ist noch nicht aufgefallen, dass in Reiseführern Kirchen immer stehen, Kapellen aber fast nie? Es ist an der Zeit, dies zu ändern, dachte sich der Kreis Trier-Saarburg: Gleich vier Gemeinden wurden für die Pflege ihrer Kapellen ausgezeichnet.

Zum 14. Mal hat der Landkreis Trier-Saarburg seine Denkmalplaketten für besonders gelungene Restaurierungen und Instandsetzungen von Denkmälern vergeben. "Kapellen haben es im Wettbewerb mit Winzerhäusern immer schwer", erläutert Wolfgang Karthäuser von der Unteren Denkmalschutzbehörde bei der Kreisverwaltung. Aus diesem Grund konzentrierte sich die Jury dieses Mal auf die kleine Schwester des Kirchenbaus. Bei der Restaurierung packten zumeist die Bürger an Ort und Stelle an, finanzielle Unterstützung leisteten die Städte.Gemeinde zunächst nicht erfreut

Einer der Gewinner ist der Moselgrenzort Palzem. Eine neugotische Kapelle, erbaut 1890/1891 hoch auf dem Helfanter Berg, wird demnächst an ihren Mauern die braune, runde Plakette zieren. Mächtig wirkt der Quaderbau, dabei ist es "nur" eine Kapelle. Genauer gesagt: eine "Kreiskapelle", wie Palzems Ortsbürgermeister Florian Wagner bei der Preisverleihung anmerkte. Als man die Straße auf dem Berg - vor zehn oder zwölf Jahren - verlegt habe, erklärten die Kreisplaner die Kapelle und den Grund für "geschenkt" an die Gemeinde. Die, erinnert sich Wagner, war darüber zunächst nicht erfreut, denn der Bau war stark renovierungsbedürftig. Zwölf Jahre später erstrahlt die Kapelle aber in voller Pracht. So wie auch die von Irsch: "Bildchen" heißt sie, erbaut wurde sie um 1838. "Sehr einfach, mit einem spitzförmigem Eingangsportal und - kurios - einem Viehunterstand mit spitzbogigen Öffnungen", beschreibt Karthäuser das Bauwerk. Vor Ort erweist sich "Bildchen" als Teil der Landschaft: Sie fügt sich harmonisch ein, was nicht zuletzt ihrem mattgelben Anstrich zu verdanken ist. "Im Sommer machen hier Pilger auf dem Weg in Richtung Beurig Rast", sagt Hildegard Kirchen. Die Dame kümmert sich seit über 20 Jahren um die Pflege des Kapellen-inventars und schmückt das Innere regelmäßig mit frischen Blumen. Irsch betreibt die Erhaltung seiner Denkmäler mit Hochdruck. Ein Arbeitskreis ist eigens zu diesem Zweck gegründet worden. "An der Behrenskapelle sind wir bereits am Werkeln", sagt Initiator Friedel Leinen. Schrifttafeln liefern Hintergrundwissen. "Mit der Denkmaltopographie verbinden wir auch eine Mahnung an die Jugend: nicht zu vergessen, für was die Kapellen stehen." Auch die Konzer polierten ihre "Kleinode" mächtig auf. Die Stadt gewann gleich zwei Plaketten, eine für die Wegekapelle in Krettnach mit deren flankierenden Bäumen - und eine für die Marienkapelle im Konzer Tälchen unweit des Schützenhauses. Malerisch am Weg gelegen, leuchtet sie mit ihren Farben den Besucher von weitem an. Die Kapelle umgibt ein kleiner Garten. Franz Menke errichtete im Jahr 1910 im Gedenken an die Marienerscheinung im französischen Lourdes die Kapelle. Innen leuchten vier Kerzen, die weiße Madona blickt zum Tor hinaus. Zwei Gebetsbänke stehen vor ihr - mehr Platz ist in einer Kapelle nicht. Draußen ist es still. Kapellen fallen ihrer Größe wegen nicht auf. Auf den zweiten Blick aber merkt man: Hingucker sind sie allemal.