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Kommunalpolitik
Kommunalwahl 2019: 18 Orte brauchen einen neuen Chef

 Die Kommunalwahl 2019 ist für den 26. Mai terminiert.
Die Kommunalwahl 2019 ist für den 26. Mai terminiert. FOTO: vetter friedemann
Konz/Saarburg/Kell/Hermeskeil. Die Mehrheit der Bürgermeister in den 54 Orten der Verbandsgemeinden Saarburg-Kell, Konz und Hermeskeil tritt bei der Kommunalwahl im Mai wieder an. Doch was passiert an den anderen Stellen? Von Marion Maier, Christa Weber und Christian Kremer
Marion Maier

E-Mail-Adresse: m.maier@volksfreund.de

Auch im Kreis Trier-Saarburg wird es immer schwieriger, Menschen zu finden, die bereit sind die Amtsgeschäfte von Ortsgemeinden zu übernehmen. Drei Beispiele belegen das: So hat hat sich nach der Kommunalwahl 2014 in Aach (VG Trier-Land) ein Jahr lang kein Ortsbürgermeister gefunden. Erst die Androhung der Eingemeindung in einen Nachbarort brachte Bewegung in die Sache: Eine Kandidatin meldete sich bei einer Einwohnerversammlung. Auch Taben-Rodt (VG Saarburg) war ein Jahr lang kopflos. Dort hatte Ortschef Klaus Neuses vor dem Hintergrund der Debatte um die Asphaltmischanlage im Taben-Rodter Steinbruch (der TV berichtete mehrfach) sein Amt niedergelegt. Erst nachdem die Kreisverwaltung mit Eingemeindung gedroht hatte, erklärte sich Stellvertreter Hans-Joachim Wallrich bereit, Ortschef zu werden. Das dritte Beispiel: Köwerich (VG Schweich). Dort musste 2014 drei Monate lang nach einem Ortsbürgermeister gesucht werden.

Professor Waldemar Vogelgesang, Soziologe an der Universität Trier, sagt: „Früher war der Bürgermeister im Dorf das Amt schlechthin. Heute fehlt die Zeit, das Geld und das Wissen um die Kompetenzen des Amts.“ Das Ehrenamt stünde zwar hoch im Kurs, allerdings werde der Handlungsspielraum des Ortsbürgermeisters immer kleiner. Vogelgesang rechnet damit, dass sich die Situation zur Kommunalwahl am 26. Mai 2019 verschärfen wird, wenn viele aktuelle, in den 1950ern und 1960ern geborene, Ehrenamtler nicht mehr zur Wahl antreten würden.

Stellt sich also die Frage: Trifft das auch auf den Raum Konz/Saarburg/Hochwald zu? Der TV hat vier Monate vor der Wahl in den 54 Orten und drei Städten nachgefragt, ob die amtierenden Ortschefs wieder antreten. Er hat auch nachgehakt, ob gegebenenfalls schon Nachfolger in Sicht sind, auch wenn es dafür noch etwas früh sein dürfte. Das Ergebnis: 29 Ortschefs treten wieder an. 16 wollen nicht mehr kandidieren. Neun wissen es noch nicht oder waren nicht zu erreichen.

 

Ein Überblick:

Verbandsgemeinde Saarburg-Kell

Zehn der 29 Ortschefs in der VG Saarburg-Kell treten nicht mehr zur Wahl an.

 

Sie hören auf: Willi Emser aus Baldringen, Josef Wagner (FWG) aus Heddert, Bernd Gödert (SPD) aus Freudenburg, Josef Krug aus Kirf, Bernd Gard aus Mannebach, Martin Lutz (CDU) aus Merzkirchen, Andreas Pauly aus Schoden, Michael Lauer (FWG) aus Schömerich, Adam Egbert (CDU) aus Serrig und Josef Maier aus Vierherrenborn.

Die häufigste Begründung lautet: Jahrzehnte in der Kommunalpolitik sind genug. so sagt Willi Emser: „Nach nunmehr 30 Jahren als Ortsbürgermeister bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es an der Zeit ist für eine(n) Jüngere(n) Platz zu machen.“ Genauso argumentiert der 73 Jahre alte Josef Krug nach 30-jähriger ehrenamtlicher politischer Tätigkeit in der Ortsgemeinde Kirf, davon fünf Jahre als erster Beigeordneter und zehn Jahre als Ortsbürgermeister. Er ergänzt: „Auch spielen hierbei meine Familie und meine Gesundheit eine wichtige Rolle.“

Bernd Gödert will nach 20 Jahren im Amt mehr Zeit für sich und seine Familie haben. Ebenfalls 20 Jahre sind es beim Merzkirchener Ortschef. Der Mannebacher Bernd Gard sagt nach zehn Jahren: „Das Dorf wurde in 10 Jahren sozial, ökologisch und ökonomisch neu ausgerichtet und zukunftsfähig gemacht.“ Die Ortsbürgermeister von Schoden und Serrig geben an, dass sie das Amt zeitlich nicht mehr mit ihrem Beruf vereinbaren können. Pauly sagt: „Manchmal habe ich das Gefühl,  Ortsbürgermeister zu sein ist ein Vollzeitjob.“

Von den Genannten kann nur Gard einen Nachfolger präsentieren: Thomas Lellig. Er ist bislang nicht im Rat vertreten.

 

Sie machen weiter: Bei der Wahl im Mai werden diese Ortschefs wieder kandidieren: Siegfried Büdinger (Ayl), Otmar Wacht (Fisch), Edmund Schmitt (Greimerath, FWG) Jürgen Haag (Irsch), Martin Marx (Lampaden), Tim Kohley (Mandern, CDU), Gerd Benzmüller (Ockfen), Jürgen Dixius (Saarburg), Markus Franzen (Schillingen, CDU), Hans-Joachim Wallrich (Taben-Rodt), Manfred Rauber (Waldweiler), Elmar Schömann (Wincheringen) und Dieter Engelhardt (Zerf, SPD).

 

Unklar: Einige der Ortsbürgermeister haben sich noch nicht endgültig entschieden, ob sie wieder antreten. Dies sind Michael Marx (Hentern), Markus Lehnen (Kell, CDU), Florian Wagner (Palzem), Maurice Meysenburg (Paschel, SPD), Roland Konter (Trassem). Der Ortschef von Kastel-Staadt Hubert Schommer hat sich trotz mehrfacher Bitten um Rückruf und um Antwort per E-Mail nicht gemeldet.

 

 

Verbandsgemeinde Konz

Fast alle Ortschefs in der Verbandsgemeinde Konz kandidieren bei der Kommunalwahl 2019 weiter.

 

Sie treten wieder an: Joachim Weber, der ohnehin Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz ist, kandidiert wieder als Bürgermeister der Stadt Konz. Auch Johann Peter Mertes (Kanzem), Peter Leo Hein (Nittel, CDU), Andreas Beiling (Oberbillig, CDU), Nikolaus Fuchs (Onsdorf, SPD), Thomas Müller (Tawern, CDU), Herbert Martin Schneider (Temmels, SPD), Thomas Thelen (Wasserliesch, CDU) und Hans Dostert (Wellen) wollen noch mal antreten bei der Wahl. Der dienstälteste Ortsbürgermeister, Lothar Rommelfanger (SPD), aus Wiltingen will ebenfalls weitermachen. Er übt sein Amt seit 1989 aus.

Die drei FWG-Ortsvorsteher der großen Konzer Stadtteile Könen, Oberemmel und Tälchen wollen ebenfalls eine weitere Legislaturperiode dranhängen. Eine positive Rückmeldung auf eine TV-Anfrage gibt es auch aus Nittel-Köllig: Dort will die einzige Frau in der Riege der Ortschefs, Lotta Oittinen, noch einmal Ortsvorsteherin werden.

 

Sie hören auf: Ihre Ämter niederlegen wollen hingegen Peter Greif (CDU), Ortsvorsteher Tawern-Fellerich, sowie Horst Hoffmann (CDU) aus Pellingen. Greif will altersbedingt aufhören. Hoffmann hat dem TV eine ausführliche Begründung geschickt, warum er das Amt nach zehn Jahren aufgeben möchte. Er verweist auf die fast abgeschlossene Vermarktung des Neubaugebiets Höthkopf, die konkrete Planung eines weiteren Baugebiets und wichtige Schritte zur Realisierung des Pellinger Windparks, die unter seiner Führung realisiert wurden. „Letzteres dürfte dann unsere defizitären Haushalte in Zukunft nachhaltig entlasten“, sagt er und lobt die gute Zusammenarbeit im Pellinger Rat. Die Gemeinde sei in der Zeit um 100 Einwohner gewachsen.

„Damit einhergehend gilt es den neuen Herausforderungen im Bereich der Kita und der Grundschule gerecht zu werden, hier sind jeweils innovative Erweiterungen notwendig“, schreibt Hoffmann. „Dies gilt es, mit neuem Elan und frischem Wind an der Gemeindespitze anzugehen.“ Ob es Interessenten für die Nachfolge gibt, ist bisher noch nicht bekannt.

 

 

Unklar: Der Ortsbürgermeister mit der kürzesten Amtszeit in der VG Konz kommt aus Wawern. Dort ist der langjährige Ortschef Franz Zebe (SPD), der 2014 erneut ins Amt gewählt worden war, im September 2015 gestorben. Der amtierende Ortsbürgermeister Karl-Peter Binz war zu diesem Zeitpunkt erster Beigeordneter. Er wurde im März 2016 ins Amt gewählt. Ob er erneut kandidiere, stehe noch nicht fest, sagt er. Das entscheidet sich voraussichtlich im nächsten Monat. Keine Rückmeldung hat der TV aus den Konzer Stadtteilen Filzen/Hamm und  Kommlingen bekommen.

 

Verbandsgemeinde Hermeskeil

In der Verbandsgemeinde Hermeskeil halten sich die Amtsinhaber, die aufhören und diejenigen, die wieder antreten wollen die Waage. Es sind jeweils sechs.

 

Sie machen weiter: Nastia Raabe (Bescheid), Petra Adams-Philippi (Beuren), Joachim Wellenberg (Damflos), Theo Palm (Geisfeld, CDU), Mario Leiber (Hinzert-Pölert), Andreas Ludwig (Rascheid, CDU).

 

Sie hören auf: Franz-Josef Weber (Grimburg), Werner Weber (Naurath/Wald), Peter Kretz (Neuhütten), Rainer Spies (Reinsfeld, SPD), Hermann Bernardy (Züsch, SPD), Mathias Queck (Hermeskeil, CDU). Häufigste Begründung auch hier: Jahrzehnte im Amt sind genug. Reiner Spies sagt: „Ich bitte, ja ich fordere jüngere Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, sich zu engagieren und für den Gemeinderat und andere Gremien zu kandidieren. Jüngere müssen jetzt ran, damit die Zukunft der Gemeinde weiterhin positiv gestaltet wird.“ Vor 20 Jahren habe es in Reinsfeld sieben Bewerber für das Amt des Ortsbürgermeisters gegeben. Er rechne in diesem Jahr mit drei Bewerbern.

Ob es in den übrigen Orten Bewerber für die Nachfolge gibt, ist nicht bekannt – mit einer Ausnahme. In der Stadt Hermeskeil steht zumindest ein Kandidat schon fest: Willi Auler (CDU). Gerüchte zufolge wird es drei weitere Bewerber geben von SPD, Die Linke und Bürger für Bürger, was diese aber bislang noch nicht bestätigt haben.

Der Neuhüttener Peter Kretz teilt nach 30 Jahren im Ortsgemeinderat (davon knapp die Hälfte als Ortschef) mit: „Nach meiner Auffassung ist das sehr viel und ehrlich gesagt auch genug. Es ist nicht so, dass ich keine Ideen mehr hätte, wie sich Neuhütten weiterentwickeln könnte. Viel mehr sind mir in meinem Hauptberuf größere Verantwortlichkeiten zugewachsen, die mich zunehmend fordern. Ich möchte nicht, dass darunter mein Amt als Ortsbürgermeister leidet.“

 

Unklar: Josef Barthen aus Gusenburg (FWG) hat sich noch nicht entschieden, ob er noch einmal zur Wahl antritt.