"Mät dem fieschten Fouß em Komp"

"Mät dem fieschten Fouß em Komp"

KELL AM SEE. Rund tausend Gäste und Freunde der dörflichen Vergangenheit trafen sich am Wochenende zum "Brutscheln und Bratscheln" im Dorfpark "Dumpert" und ließen gemeinsam die vergangenen Zeiten wieder aufleben. Für Auge, Ohr und Gaumen gab es dabei die köstlichsten Leckereien.

Der Dorfpark "Dumpert" in Kell am See ist ein Flecken der Idylle, aber auch ein Anziehungspunkt bei dort veranstalteten Festivitäten. Das wurde am vergangenen Wochenende wieder einmal unter Beweis gestellt. Alles in Allem war "Brutscheln" (Kochen) und "Bratscheln" (sich unterhalten) eine Reise zurück in die Vergangenheit, die Begeisterung nicht nur in der Keller Bevölkerung hervorrief. Neben einer reichhaltigen Speisekarte mit Hochwälder Hausmannskost wie "Hädeknepp met Späck", "Deppenlappes", Groperenzopp" und "Saloot" erwartete die Gäste ein abwechslungsreiches Programm, musikalisch umrahmt von Musikverein und Männergesangverein. Auch Technik aus der alten Zeit wurde präsentiert. Ein Lanz-Bulldog und weitere 24 Traktoren aus vergangenen Jahren standen im Blickpunkt des Interesses. Eine historische Modenschau zog das besondere Interesse der Gäste auf sich. Nach Schautänzen der Kindergarten Kinder, der "Young Generation" und der Showgirls mit Elke Jungblut gab es Mundartvorträge und Mundartgesang zur Begeisterung der vielen Festbesucher in Hülle und Fülle. Anna Schmitz und Klaus Marx ließen die Sage vom "Millen Matz" wieder aufleben, Klothilde Grundhöfer trug selbst verfasste Gedichte vor und Alois Stüber fragte in seinem Vortrag immer wieder "Wat?" All das natürlich im Keller Dialekt, der in den so genannten Erklärungen zum Wortspiel immer wieder erläutert werden musste. Nicht jeder der Gäste war in der Lage, auch bei den Vorträgen von Rüdiger Schausen, Sanni Kahn und Anna Schmitz mitzuhalten. Bürgermeister Werner Angsten setzte dazu mit seinem Cochemer Heimatdialekt einen Kontrastpunkt. Oswald Willger, der Leiterwagen, Pflüge und viele historische Geräte in seiner Freizeit nachbaut und diese auch im Dumpert aufgestellt hatte, gab jedem, der es wollte, Kostproben seines Dialektes, den keiner so beherrscht wie er. Das gab Mitstreiter Klaus Marx gerne zu. "Wenn dou so weider mähs, kriest dou noch et läscht vom Lankoo" oder "Dou stehs mät dem fieschten Fouß em Komp", sind dialektische Redewendungen, die noch lange nicht jeder Keller Bürger deuten kann.Worträtsel für Mundartfreunde

In einem Worträtsel konnten die Gäste ihre Fähigkeiten in der Palette des Dialektes dann testen. Dass eine Schnur die Schwiegertochter ist, Wehlen dasselbe wie Heidelbeeren sind, keimen ganz einfach stöhnen heißt oder dass kriweln gleich kitzeln ist und beim Umzug in ein anderes Haus geplennert wird, waren einige der richtigen Antworten. Die älteste Teilnehmerin mit 87 Jahren war Anna Koltes, ein Keller Original. Sie ist, wenn es um Keller Platt geht, immer dabei. Außerdem trug sie die Verse vom schwarzen Pitter vor: "De Pitter war e Räwer, e besen schroen Mann. De war so bes on rosen, wie änen bloß sein kann. So dunkel wie sein Aen hen in der Seel drön war, em Kopp nur schwarz Gedanken, so schwarz wie Boart on Hoar." (Der Pitter war ein Räuber, ein böser schlimmer Mann. Der war so bös und wütend, wie einer nur sein kann. So dunkel wie seine Augen war er auch in der Seele drin. Im Kopf nur schwarze Gedanken, so schwarz wie Bart und Haar). "Wir als Karnevals-Verein müssen Mundart weiter tragen und uns den moselfränkischen Wortschatz bewahren, sonst geht der Dialekt mit der Zeit verloren. Das Interesse daran ist immer noch vorhanden", verkünden Klaus Marx und Alois Stüber vom Karnevalsclub "Callida", der das Fest ausrichtete.