Punkrock unterm Kreuz: Konzert gegen rechts in der evangelischen Kirche in Konz

Musik : Punkrock unterm Kreuz: Konzert gegen Rechts in Konz (Video)

In der evangelischen Kirche in Konz-Karthaus haben Rock- und Punkbands gegen Rassismus und für Demokratie gespielt. Der Kritik daran im Vorfeld setzt Pfarrer Christoph Urban klare Worte entgegen.

Man erlebt es nicht so oft, dass Punker in einer Kirche Pogo tanzen. Am Freitagabend, dem sehr symbolischen 9. November, war in Konz-Karthaus genau das zu sehen. Unter dem Motto „Konz wird laut – Demokratie statt Rechtsruck“ traten zwei Rockbands und zwei Punkbands in dem evangelischen Gotteshaus auf. Der überschaubare Raum war mit ein paar Dutzend Gästen gut gefüllt. Vorher hatte Sozialarbeiter Bastian Drumm einen Vortrag über rechte Symbolik in Musik und Mode gehalten.

Im Vorfeld hatte es Kritik gegeben, es kam die Frage auf, ob Punk und Kirche zusammenpassen. Ja, findet Pfarrer Christoph Urban: „Von diesem Abend geht ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Demokratie aus. Und das passt gut zusammen mit dem Verein, den ich vertrete. Da passt kein rechtes Gedankengut rein. Jesus sagte: ‚Geht in alle Völker!‘, nicht: ‚Bleibt weg von denen.‘“

Dass Punks sich gegen Rechtsextremismus engagieren, liegt in ihrer Natur, aber es ist nicht selbstverständlich, dass sie auch für die Grundwerte des Staates demonstrieren – gelten Punks doch oft als Anarchisten.

„Rechte Meinungen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Annabelle von der Band Stevie‘s 7, eine der Sängerinnen des Abends in Konz. „Gerade die negativen Reaktionen im Vorfeld haben gezeigt, wie wichtig es ist, besonders hier auf dem Land laut zu werden gegen den Rechtsruck, der im Moment durch Deutschland geht.“ Gibt es einen Rechtsruck in Deutschland? Der Sozialarbeiter Bastian Drumm denkt ebenfalls so. „Wer sich gegen Intoleranz und Rassismus engagiert, wird als linksextrem abgestempelt.“

Konzert gegen Rechts in Konz

Auslöser für den Konzertabend in der Kirche waren mehrere rechte Aktionen in Konz. So wurden am Konzer Schulzentrum Dutzende Sticker von der rechten Identitären Bewegung aufgeklebt. Im Juni tauchte am Temmelser Sportplatz ein Hakenkreuz auf dem Rasen auf und im vergangenen Jahr rassistische Parolen auf Bänken am Konzer Moselufer. „Dazu muss man Stellung beziehen“, sagt Florin von der Band Dorfterror, die die Idee zum Punkkonzert hatte.

Über Dominik Schnith, der für das Haus der Jugend das Bundesprogramm „Demokratie leben“ in Konz koordiniert, kam der Kontakt zu Pfarrer Urban zustande. Bob von der Band Freidenkeralarm ist es wichtig, mit dem Auftritt Stellung zu beziehen gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und Anti-Ziganismus. Nicolas von First Men on Mars sagt, bezogen auf den Vortrag von Drumm: „Wir wollen unsere Generation darauf aufmerksam machen, wie man rechte Sticker und Hetze erkennt.“ Denn das ist heute gar nicht mehr so einfach, wie Drumm zeigt: Nazis sehen nicht mehr aus wie Nazis. Sie tragen nicht mehr per se Springerstiefel und hören Rechtsrock. „Man kann als Nazi herumlaufen, wie man will“, sagt Drumm.

Alternative Outfits würden heute von Nazis ebenso übernommen wie linke Symbolik, um sie völkisch neu zu besetzen. „Es gibt keine Musikrichtung mehr, die sicher ist vor Rechten.“ Es gibt rassistischen Hardcore, Metal, Dark Wave, Hip Hop und sogar Reggae. Man erinnere sich an den Protest von Tote-Hosen-Sänger Campino gegen die Echo-Auszeichnung des HipHop-Duos Farid Bang und Kollegah. In einem Lied der Rapper ist von einem Körper die Rede, der „definierter“ sei als der von „Auschwitzinsassen“.

„Man muss immer gegen rechte Hetze aufstehen“, sagt Konzertgast Aghimar. Auch Pascal gefällt der Abend, weil er „für eine gute Sache, die richtige Sache“ sei. Johannes sagt: „Es ist wichtig, dass jeder Mensch so angenommen wird, wie er daherkommt.“