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Kommunalpolitik
Rascheid statt Hermeskeil: Gemeinde steigt bei Aussichtsturm-Projekt ein

 So könnte der Aussichtsturm aussehen, den die Karl-Heil-Stiftung statt in Hermeskeil nun bei Rascheid bauen will. Ortsbürgermeister Andreas Ludwig zeigt einen Entwurf.
So könnte der Aussichtsturm aussehen, den die Karl-Heil-Stiftung statt in Hermeskeil nun bei Rascheid bauen will. Ortsbürgermeister Andreas Ludwig zeigt einen Entwurf. FOTO: Herbert Thormeyer
Rascheid. Weil es politischen Widerstand gab, hat die Karl-Heil-Stiftung ihre Pläne für den Bau einer Aussichtsplattform in Hermeskeil aufgegeben. Nun soll das Projekt an anderer Stelle verwirklicht werden – mit geänderten Dimensionen. Von Herbert Thormeyer

Die Königsfeldschleife am Saar-Hunsrück-Steig ist bald um eine Attraktion reicher. Denn der Aussichtsturm, den die Hermeskeiler Karl-und-Katharina-Heil-Stiftung ursprünglich in der Hochwaldstadt errichten wollte, soll statt am Hermeskeiler Waldstadion nun in der Nähe des Rascheider Sportplatzes und des Wanderwegs gebaut werden. Der Gemeinderat hat dem am Donnerstagabend grundsätzlich zugestimmt.

 Anders als für Hermeskeil geplant, soll der Turm jedoch in einer kleineren Version errichtet werden. Die Rede ist nicht mehr von 35, sondern etwa 15 Metern Höhe. Die reichen laut Ortsbürgermeister Andreas Ludwig jedoch aus, um Besuchern einen schönen Blick über die Hochwald-Landschaft zu bieten. „Wir haben das mit der Drehleiter der Feuerwehr ausprobiert. In 15 Metern Höhe hat man eine wunderbare Sicht“, sagte Ludwig im Rat. Knapp 600 Wanderer seien zwischen Mai und Mitte Juni dort vorbeigekommen, habe er an einer Zähleinrichtung am Wanderweg abgelesen.

Dass die Stiftung sich von ihrem ursprünglich angedachten Standort für den Aussichtsturm verabschiedet hat, liegt an politischen Diskussionen, die das Vorhaben in Hermeskeil ausgelöst hatte (der TV berichtete zuletzt am 29. März). Vorstandsmitglieder der Stiftung hatten sich über fehlende Rückendeckung der Stadt beklagt und insbesondere dem Stadtbürgermeister Mathias Queck vorgeworfen, das Projekt verhindern zu wollen (siehe Info). Queck hatte Bedenken wegen der nicht geplanten Barrierefreiheit des Turm geäußert und auf ein Landesgesetz verwiesen, das von Gemeinden verlange, ihre Neubauten nach aktuellem Stand der Technik barrierefrei zu bauen. Die Stadt sollte nach dem Bau Eigentümerin des Turms werden, den ihr die Stiftung kostenlos übergeben wollte.

Die Stiftung hatte aufgrund dieses politischen Widerstands bereits angekündigt, ihr Projekt möglicherweise an anderer Stelle umzusetzen – und hat nun offenbar in der Gemeinde Rascheid ihren Partner gefunden. In der Ratssitzung ging es auch darum, den genauen Standort für den Turm festzulegen. Dabei war zu beachten, dass eine Richtfunkanlage eines Telekommunikationsunternehmens durch das neue Bauwerk nicht gestört werden dürfe, wie der Ortschef berichtete. Anhand von Luftaufnahmen des Sportplatzes entschieden sich die Ratsmitglieder letztlich dafür, den Turm auf einem Feld zu errichten, wo in der Nähe bereits eine Bank für Wanderer steht und ein Weg zum Sportplatz führt. Für die künftigen Besucher soll ein Zugang zu den Sportplatztoiletten ermöglicht werden. Martina Eiden-Marx schlug außerdem vor: „Damit das alles schöner aussieht, sollte auch das direkte Umfeld des Turms gestaltet werden.“

Bislang gibt es noch keinen fertigen Plan, nur einen Vorentwurf. „Wir beauftragen die Verbandsgemeindeverwaltung mit einem Vertragsentwurf für die Übergabe des Turms“, empfahl Ludwig vor dem Ratsbeschluss. In dem Vertrag sollen die Kosten für die Instandhaltung, Pflege und technische Überwachung des Bauwerks geklärt werden, das die Stiftung der Ortsgemeinde nach dem Bau übergeben wird.

„Was jetzt noch fehlt, ist die Baugenehmigung von der Kreisverwaltung“, sagt Günter Weber, Mitglied im Vorstand der Karl-Heil-Stiftung, am Freitag auf TV-Nachfrage. Dass in Rascheid eine geringere Turmhöhe gebraucht werde, wirke sich sehr positiv auf die Kosten aus, die jedoch noch nicht genau ermittelt worden seien. Für Hermeskeil waren die Kosten auf etwa 500 000 Euro geschätzt worden. Dort hatte die Stiftung noch weitergehende Pläne, etwa die Integration des Turms in das Wanderwegenetz und in einen neuen Baumwipfelpfad sowie visuelle Hinweise und Infotafeln zum in der Nähe entdeckten ältesten Römerlager Deutschlands.

„Wir haben die Planung jetzt ein wenig geändert. Die Außenkonstruktion wird aus Holz sein, die Treppenstufen aus Sicherheitsgründen aus Stahl“, sagt Weber. Der Hermeskeiler Turm war als reine Metallkonstruktion geplant gewesen.

Die Entscheidung für Rascheid begründet Weber folgendermaßen: „Als abzusehen war, dass sich der Bau in Hermeskeil schwierig darstellt, haben wir uns nach einem anderen Standort umgesehen.“ Die Königsfeldschleife in Rascheid sei ein attraktiver Standort, und die Gespräche mit der Ortsgemeinde seien sehr harmonisch abgelaufen. Über die Entscheidung in Hermeskeil sei er schon ein wenig enttäuscht, aber dieses Kapitel sei jetzt abgeschlossen.

Dennoch sei die Stiftung immer für Gespräche mit der Stadt offen. Zukünftig würden sicher weitere Projekte in Hermeskeil entwickelt, die den Menschen der Region dienen sollen. Für das Turmprojekt hofft Weber auf eine Baugenehmigung noch in diesem Jahr. Baubeginn könne dann im Frühjahr 2019 sein.