Schlechte Aussichten fürs Bioenergiedorf

Schlechte Aussichten fürs Bioenergiedorf

Muss die Gemeinde Grimburg ihr ehrgeiziges Vorhaben, ein Nahwärmenetz für den ganzen Ort zu schaffen, endgültig begraben? Die Grimburger CDU gibt dem Projekt Bioenergiedorf keine Chance mehr. Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber glaubt weiter daran, dass es sich verwirklichen lässt.

Grimburg. "Für uns ist das Thema Bioenergiedorf erledigt", meint Jürgen Mayer, Sprecher der Grimburger CDU. Sein Parteifreund, Hermeskeils Verbandsgemeindebürgermeister Michael Hülpes, sieht es genauso. "Die Chancen sind mittlerweile gleich null."

Dem widerspricht Grimburgs Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber (Freie Wählergruppe). Er räumt zwar ein, "dass die Sache nicht leichter geworden ist", fügt aber gleich hinzu: "Wir geben nicht auf. Ein gutes Projekt lässt man nicht fallen, nur weil es Probleme gibt."

Kein Protest vom Gemeindechef



All diese Aussagen hängen mit einer Entwicklung zusammen, die jeder bemerkt, der durch Grimburg fährt. Dort hat der Kreis nun den Ausbau der Ortsdurchfahrt (K 76) vornehmen lassen. Es wurde dort also die oberste Asphaltdecke aufgetragen.

Das sollte bereits vor einem Jahr gemacht werden. Weil Weber damals aber den Vorwurf erhoben hatte, der Kreis wolle das Projekt Bioenergiedorf "zuteeren", wurde der Endausbau verschoben (der TV berichtete).

Diesmal kam kein Protest vom Grimburger Gemeindechef, weil sich die Ausgangslage geändert habe: "Beim letzten Mal hatten wir ja noch einen konkreten Investor. Jetzt konnte ich aber nicht mehr sagen, dass das Projekt vor der Realisierung steht", so Weber.

Zur Erinnerung: Im Februar hatte die Pfalzwerke AG ihren Ausstieg aus dem Vorhaben erklärt (der TV berichtete). Ursprünglich hatte der Ludwigshafener Energiekonzern vor, für fünf Millionen Euro am Grimburger Sportplatz eine mit nachwachsenden Rohstoffen (zum Beispiel Mais oder Gras-Silage) gefütterte Biogasanlage zu errichten und von dort ein Nahwärmenetz aufzubauen, an das sich alle Haushalte im Ort freiwillig anschließen konnten.

Zwei mögliche Investoren haben abgelehnt



Der mit dem jetzt vollzogenen Endausbau der K 76 entscheidend zusammenhängende Punkt ist: Wenn nun doch noch ein Nahwärmenetz installiert werden soll, müsste die Straße wieder komplett aufgerissen werden. Einen neuen Investor würde der Bau des Nahwärmenetzes also deutlich mehr kosten als es noch bei den Pfalzwerken der Fall gewesen wäre. "Wirtschaftlich ist dieses Projekt einfach nicht mehr darstellbar", so die Einschätzung von Hülpes. Deshalb hätten zwei angesprochene Energieunternehmen auch schon abgewinkt. Die Beschlüsse des Grimburger Gemeinderats und des VG-Rats, der wegen der Änderung seines Flächennutzungsplanes gefragt war, sind jedenfalls klar. Kein Investor darf sich darauf beschränken, nur eine Biogasanlage zu errichten und sie zu betreiben. Baurecht gibt es vielmehr nur dann, wenn er gleichzeitig auch das Nahwärmenetz in Angriff nimmt.

Das stellt auch Weber deutlich heraus: "Es ging nie darum, einem Investor eine Biogasanlage hinzustellen, mit der er Geld verdienen kann. Sie soll nur der Ofen dafür sein, dass wir die Grimburger mit ökologisch erzeugter Wärme und Energie zu günstigen Preisen versorgen können". An diesem Ziel wolle er weiter festhalten und suche deshalb nach wie vor nach einem Nachfolger für die Pfalzwerke. Mayer hält das für aussichtslos: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jetzt noch ein neuer Investor dafür findet". Der CDU-Sprecher hat zudem den Eindruck, "dass unter den Grimburger Bürgern kaum noch Interesse daran besteht, bei diesem Projekt überhaupt mitzumachen."

Meinung

Das Ziel verschwindet

Erst springen den Grimburgern die Pfalzwerke ab, jetzt führt die Fertigstellung der Kreisstraße dazu, dass jeder neue Investor für den Bau eines Nahwärmenetzes viel tiefer als vorher in die Tasche greifen müsste. Unter diesen Bedingungen erscheint es in der Tat fast ausgeschlossen, dass das Bioenergiedorf und die Zentralheizung für ganz Grimburg doch noch kommen. In der seit 2005 andauernden Debatte um das Prestige-Projekt wurde Franz-Josef Weber schon einmal öffentlich an die Weisheit der Dakota-Indianer erinnert, die da lautet: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig' ab!" Der Ortsbürgermeister zeigt sich aber unverdrossen. Er bleibt weiter im Sattel sitzen, obwohl sein Ziel statt näherzukommen immer weiter in der Ferne verschwindet. a.munsteiner@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund