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Ein bunter Streifzug

Ein bunter Streifzug

TRIER. Vor elf Jahren zeigte Arte eine Reihe zum 100. Geburtstag des Kinofilms. Berühmte Filmemacher aus aller Welt warfen einen Blick zurück. Jetzt gibt es die "Filmgeschichte weltweit" auf sieben DVDs.

Kennen Sie den Film "Crime Wave" von Andre De Toth? Wahrscheinlich nicht, auch wenn er schon mal im dritten Fernsehprogramm gelaufen ist. Aber wenn Sie Martin Scorsese von diesem kleinen B-Picture schwärmen hören, bekommen Sie Lust, den alten Streifen zu sehen. Was kann man Besseres über eine Geschichte des Films sagen, als dass sie Lust macht, die jeweiligen Filme zu sehen? Scorsese erfüllt den Anspruch in seiner "Reise durch den amerikanischen Film". Entstanden ist eine Mammutschau auf das Hollywood-Kino vor elf Jahren, als das British Film Institute und der Sender Channel Four Filmemacher aus aller Welt einluden, eine persönliche Sicht auf die Filmgeschichte ihres Landes zu werfen. In Deutschland liefen diese Filme bei Arte, jetzt sind sie (fast) alle in einer DVD-Box vereinigt, die Arte mit Absolutmedien Deutschland herausbringt. Die meisten Regisseure hielten sich an die Vorgabe von 52 Minuten und hetzten ein bisschen schnell durch die Jahrzehnte, wobei es beim russischen Kino eher schade ist als beim kaum existenten irischen. Man kann sich fragen, warum manche Länder dabei sind, andere, wie Spanien, dagegen fehlen. Aber auch die kurzen Überblicke machen Lust aufs Kino. Man erwischt sich beim Sehen immer wieder, dass man diesen Film doch gern einmal in voller Länge genießen würde. Selbst im ziemlich akademischen deutschen Beitrag von Edgar Reitz ("Die Nacht der Regisseure") faszinieren die Filmausschnitte - sei es ein Klassiker wie Fritz Langs "Der müde Tod" oder ein verdrängter Nazistreifen wie Veit Harlans "Opfergang". Scorsese überzeugt nicht nur durch den Reichtum des Hollywood-Kinos sondern vor allem, weil er zu fast jedem Film einen persönlichen Zugang findet. Da erzählt er, dass er mit vier Jahren King Vidors "Duell in der Sonne" sah, den Film nicht verstand, aber von den Technicolor-Farben fasziniert war. Als Fremdkörper ist in der Sammlung auch Scorsese gleichermaßen faszinierende "Reise durch den italienischen Film" enthalten, die nicht im Zusammenhang mit diesem Projekt entstand. Godard wieder der große Außenseiter

Der große Außenseiter ist natürlich mal wieder Jean-Luc Godard, der keine Filmausschnitte zeigt, sondern nur Standbilder und weniger nach der Geschichte als nach ihrer Wirkung nach 100 Jahren fragt. Was ist geblieben? Er fragt einen Hotelpagen, ob er Jacques Becker kenne, den berühmten Regisseur der 50er-Jahre. Einen Becker kenne er schon, antwortet der junge Mann, aber das sei Boris Becker, "Bumbum Becker" fügt er noch dazu. Godard ist pessimistisch oder vielleicht auch nur realistisch. Michel Piccoli, der Vorsitzende des Komitees "100 Jahre Kino", wird da ganz kleinlaut. Einen Wermutstropfen hat diese Edition. Außer Godards Folge, die keinen Kommentar hat und nur aus Dialogen besteht, und der deutschen Folge natürlich, gibt es nicht die (untertitelten) Originalfassungen der Filme, sondern nur die Version mit deutschem Voice-Over. Was vor allem beim manisch redenden Martin Scorsese sehr sehr schade ist. "Filmgeschichte weltweit", Sieben DVDs, Anbieter: Absolutmedien (Arte-Edition)