Karl Marx als Bildershow

Karl Marx als Bildershow

Die Entwicklung des Karl-Marx-Bildes im Lauf der Geschichte zeigt die Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Simeonstift zum 130. Todestag des berühmtesten Trierers. Zu sehen ist eine Bilderfolge, die interessant, aber nicht unbedingt erhellend ist. Wichtigster Kooperationspartner bei der Erarbeitung war die Friedrich-Ebert-Stiftung.

Trier. In einem Punkt widersprechen die Bilder der Ausstellung im Trierer Simeonstift Karl Marx ganz entschieden. Der Philosoph war davon überzeugt, dass Gesellschaften nicht über Bewusstseinsprozesse zu verändern sind, sondern einzig über die Neuordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Ein großer Teil der Karl-Marx-Darstellungen im Simeonstift wurde hingegen geschaffen, um Bewusstsein zu erzeugen und zu verändern. Ähnlich wie die Glaubensbilder der christlichen Lehre setzen sie Marx als Gründer einer philosophischen und später politisch vereinnahmten Heilslehre ins Bild. "Uns ist es um eine Geschichte in Bildern gegangen", sagt Museumsdirektorin Elisabeth Dühr. Von Gemälden, Fotografien, Abbildungen in Lehrbüchern bis zu Karl-Marx-Vasen und Wandbehängen reichen die 150 Objekte aus neun Ländern. Dazu kommen einige Videosequenzen. Geordnet sind die Darstellungen chronologisch. . Die Schau beginnt mit (allerdings nicht gesicherten) Porträts des Studenten. Etwas weiter hängt das von Friedrich Engels autorisierte Karl-Marx-Foto von John Mayall aus dem Jahr 1875, das unzähligen späteren Marx-Bildern als Grundlage diente. Es gibt Bilder zum Thema "Karl Marx und die Arbeiterbewegung", Historienbilder (Szenen aus dem Leben von Karl Marx), Karl Marx als Ikone und ideologisches Andachtsbild, als gestürztes Bild sowie als Karikatur und als Werbemittel. "Alles, was sich vermarkten lässt, wird vermarktet", stellt dazu treffend Kuratorin Beatrix Bouvier fest. Alles in allem hat die Schau ein konsequent durchgezogenes Programm mit etlichen eindrucksvollen Leihgaben. "Wir wollten eine Ausstellung mit Karl-Marx-Bildern unabhängig von seiner Theorie machen", erklärt Dühr. Genau da liegt allerdings die Schwäche der Schau. Ohne Kenntnis der Marx\'schen Ideen und ihrer Wirkungsgeschichte ist ein Teil der Bilder nicht oder nur schwer zu verstehen. Etwa jene Darstellungen aus dem Leninismus, der Karl Marx zum Andachtsbild erhob und die irdische Umsetzung seiner Ideen einer politischen Elite überließ. Die monumentalen Formate des Stalinismus hängen eng zusammen mit den Machtdemonstrationen des Diktators Stalin. Wer den Marx-Kopf in Frida Kahlos Gemälde zuordnen will, muss etwas über das Leben der Künstlerin zwischen Folklore, Revolution und Selbstfindung wissen. Kahlos Bild gehört zur Abteilung "Karl Marx zwischen Politisierung und Ästhetisierung". Gerade dort sind einige sehr eindrucksvolle Arbeiten zu sehen. Die Trierer Schau vermittelt zweifellos eine Reihe neuer interessanter Eindrücke, allerdings kaum Einsichten.Die Ausstellung ist bis zum 18. Oktober zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr. Extra

Stadtmuseum Simeonstift: 19. März, 20 Uhr: Film "Karl Marx und seine Erben". 24. März, 10 Uhr: Rundgang "Raus in die Stadt - Rein ins Museum: Auf den Spuren von Karl Marx". 26. März, 20 Uhr: Vortrag "World Wide Marx - Karl Marx im Web 2.0". 14. April, 11.30 Uhr: Familienführung "Marx und Mäuse". 19. Mai, 11.30 Uhr: Familienführung "Marx und Mäuse". 21. Mai, 20 Uhr: Vortrag "Denkmal und Denkmalsturz". 26. Mai, 10 Uhr: Rundgang "Raus in die Stadt - Rein ins Museum: Auf den Spuren von Karl Marx". 16. Juni, 11.30 Uhr: Stadtrundgang "Durch die Stadt mit Marx und Valdenaire". 20. Juni, 18 Uhr: Live Feature "Auf die Barrikaden mit den Waffen der Poesie. Richard Wagners Ideen zur Revolution". 21. Juli, 11.30 Uhr: Vortrag "Marx in der Historienmalerei". 29. September, 11.30 Uhr: Vortrag "Marx. Macht. Reklame. Das Bild von Karl Marx in der Werbung". 8. Oktober, 19 Uhr: Vortrag "Literatur - Utopie - Marxismus". 20. Oktober, 11.30 Uhr: "Die Gedanken sind frei!" - Musikalischer Bilderbogen zu Revolution und Romantik. Führungen durch die Ausstellung am 12. Mai, 11.30 Uhr, 4. Juni, 20 Uhr, 9. Juni, 11.30 Uhr, 13.Oktober, 11.30 Uhr. Museum Karl-Marx-Haus 5. Mai, 10 bis 18 Uhr: Sonderprogramm zum 195. Geburtstag. 15. Mai, 19 Uhr: Podiumsdiskussion "Karl Marx, die Sozialdemokratie und die Gesellschaft heute". 5. September, 19.30 Uhr: Lesung "Literaturpanorama(rx): Karl Marx und der zeitgenössische Roman als Spiegel von Lebens- und Arbeitswelt". 15. Oktober, 20 Uhr: Vortrag "Jens Birkholm - Arbeitermaler". Volkshochschule Trier: 6. bis 31. Mai: Ausstellung "Karl-Marx in der Karikatur". Extra

Begleitend zur Ausstellung schafft der Konzeptkünstler Ottmar Hörl (Foto: dpa) eine Installation im Umfeld Porta Nigra. Dort werden 500 einen Meter hohe Marx-Skulpturen aufgestellt. Seine Skulpturen sollten zum "Nachdenken und Innehalten anregen", erklärt der Künstler. Zur Installation gibt es einen Informations-Pavillon. Zu sehen sind die Skulpturen vom 5. bis 26. Mai. Eröffnung am 5. Mai um 11.30 Uhr im Stadtmuseum Simeonstift. Der Künstler ist anwesend.

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