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Mach' die blöde Glotze aus

Mach' die blöde Glotze aus

Ich würde so gerne 'ne Fernsehkolumne schreiben. Aber ich habe kein Fernsehen. Ich will auch kein Fernsehen. Mir fehlt nichts. Außer vielleicht 'nem Urlaub auf den Kanaren, 1000 Euro und Schwenkbraten.

Weil, wenn Frühling ist, dann krieg' ich Lust auf Grillen, und dann will ich plötzlich Schwein, auch wenn's in stinkigen Ställen ein mieses Leben hatte. Und dann muss mein Gewissen mit den Frühlingsgefühlen kämpfen. Ich wette, der Frühling gewinnt.

Aber fernsehen? Tierdokus würde ich wohl gucken, besonders über Kakapos. Die Vögel rühren mich. Und über Scheltopusike (ich glaube, das sind dicke Schleichen), weil ich noch nie welche gesehen habe und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass ich das jemals tun werde, da die Kerlchen mindestens genauso ausrottungsgefährdet sind wie die armen Kakapos. Diese dussligen Papageien haben ihr Balzverhalten der Moderne nicht angepasst. Damals, ehe die Einwanderer Füchse und andere fiese Vierbeiner mit nach Neuseeland brachten, konnte man als Kakapo noch seelenruhig monatelang auf 'nem Berg hocken und nach einer Kakapo-Frau rufen. Doch statt der Frau kommt nun der Fuchs. Und Kakapos sind pummelig und können nicht fliegen.

Bei den Menschen ist es mit dem Fernsehen ganz ähnlich, nur umgekehrt. Seit es das Fernsehen gibt, werden die Menschen immer pummliger und vergessen, auf den Berg zu gehen, um zu rufen. Deshalb kommen in Fernsehländern kaum noch Babys zur Welt, und weil Fernsehen (außer bei Tierdokus und Mac Gyver) dumm und lethargisch macht, sinkt das Bruttosozialprodukt. Und Heidi Klum (ich hab' mir sagen lassen, wer das ist) macht die Sache auch nicht besser. Macht doch jede Klum-Sendung pummliger, während die Dinger da im Fernsehen (ich hab's mir sagen lassen) immer dünner werden und die Zuschauerinnen immer unglücklicher. Da lob' ich mir den Peter Lustig. Abschalten! Hat er mir immer gesagt, als ich noch klein war und noch 'nen Fernseher hatte und recht hat er. Das echte Leben wartet doch da draußen! Schon seit Jahrzehnten sitzt es auf dem Berg und ruft so verzweifelt wie ein liebes toller Kakapo. Lieb mich! Leb mich! Und mach' die blöde Glotze aus. hpl/dr

Katharina Hammermann