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Serie Kunstwerk der Woche: Klaus Maßem

Serie Kunstwerk der Woche: Klaus Maßem : Menschen im Strom

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich gerade, während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Heute: Klaus Maßem.

Wohl  kaum ein Künstler  der Region ist so lange und so unbeirrt seiner Technik treu geblieben wie Klaus Maßem. Seit nunmehr Jahrzehnten setzt sich der 1955 geborene Künstler aus Schillingen im Hunsrück mit der Tuschzeichnung auseinander. Nur gelegentlich hat er in den letzten Jahren Pinsel und Tusche mit dem Laserstrahl getauscht. Für Maßem ist die bisweilen obsessiv anmutende Auseinandersetzung mit der Zeichnung existenziell. „Was kann die Zeichnung heute noch leisten?“ Das immer neu  auszuloten ist er unermüdlich unterwegs.

Auch sein während der Pandemie entstandenes Video „Strom“ beruht auf Tuschzeichnungen, die fotografiert und digitalisiert wurden (Video-Sound Krischan Kriesten, Fotografie Lukas Huneke).

Die Arbeit entstand im Rahmen eines Projektstipendiums  des rheinland-pfälzischen Förderprogramms „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“, das Künstler in den mageren Zeiten der Pandemie unterstützen will. „Ein guter Zeichner muss jeden Tag üben“: Die alte Regel beherzigt auch Klaus Maßem konsequent. „Es geht schließlich darum, im Flow  und schlüssig zu bleiben“, sagt der Künstler. Dabei erfordert der Umgang mit der flüssigen Tusche neben dem gekonnten Strich viel Erfahrung mit den Eigenschaften des liquiden Materials.

Mit der Zeit hat  Maßem  eine unverwechselbare dynamische, stark rhythmisierte Bildsprache in nuancenreichen Schwarz-Weiß-Tönen entwickelt. Auch in seinem „Strom“ bleibt, wie der Name erwarten lässt, alles im Fluss, gleichermaßen als Bewegtbild, wie als fließende Linie, in deren treibendem Netz Gesichter, Körperformen und Gliedmaßen auftauchen und verschwinden.

Als Bild des Menschen, der im Strom der Zeit und ihrer Wirrnisse treibt, mag man Maßems Video-Arbeit lesen. Ein Sinnbild, das durchaus auch die menschliche Hilflosigkeit gegenüber der sich rasant verbreitenden gefährlichen Seuche symbolisieren kann. Der Künstler selbst lässt die Deutung offen. „Die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen, sagt Maßem.

Eva-Maria Reuther

Kontakt: klausmassem.com, Link zum Video: https://www.youtube.com/channel/UCmrOgU5P50yKJU_I83xRzWg