Theaterpädagogik geht in Trier neue Wege

Theater : Was das Theater Schülern jetzt alles bietet

Hinter die Kulissen gucken, mit Profis über die Werke sprechen oder selbst auf der Bühne stehen und spielen: Das Trierer Theater baut sein pädagogisches Programm derzeit stark aus.

Knapp 20 000 Kinder hatten sich vor Spannung an die Sessellehnen geklammert, vor Vergnügen gequietscht und gebrüllt, als es darum ging, ihren Helden im Zauberland von Oz zu helfen. Das Kindermärchen der vorigen Spielzeit war ein voller Erfolg. Für jenes der nahenden Saison – „Aladin und die Wunderlampe“ – hat das Trierer Theater sich nun das Ziel gesteckt, die 20 000er-Marke zu knacken. Fast täglich meldet sich bei der Theaterkasse derzeit eine neue Schulklasse an.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass Theaterpädagogin Nina Dudek den Kontakt zu den Schulen der Region stark ausgebaut hat – und dass manches nun anders organisiert wird als früher. Bereits vor den Ferien flatterten den Schulen Flyer ins Haus, mit denen Lehrer ihre Wunschtermine reservieren können – fürs Weihnachtsmärchen oder auch für einen Klassiker wie „Nathan der Weise“. „Wir wollen die Hürde so niedrig wie möglich halten“, sagt Dudek. Ein Risiko gehen die Lehrer nicht ein: Bei einem Sichttermin (siehe Info) können sie vorab testen, ob das Stück sich für ihre Schüler eignet. Wer nicht überzeugt ist, kann einfach stornieren. Oft passiert sei dies allerdings nicht.

Klassen mit einem besonders großen Interesse am Theater können sich in ein Werk ihrer Wahl einführen lassen. Dudek hält dann – oft gemeinsam mit Schauspielern, Dramaturgen oder Tänzern – eine Unterrichtsstunde, die die Schüler auf den Besuch der Vorstellung vorbereitet. Auch eine einstündige Entdeckungsreise hinter den Kulissen  gehört zum pädagogischen Programm.

Noch viel intensivere Einblicke in den Theateralltag bekommen Patenklassen. Sie erleben live, wie ein Stück entsteht. Für sämtliche Produktionen der Spielzeit können Lehrer ein bis zwei Patenklassen anmelden. Diese besuchen dann Proben, nehmen an einem Theater-Lehrgang in der Schule teil und sprechen nach der Vorstellung mit den Profis über das Erlebte. Auch mehrere Workshops sollen dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche den Weg ins Theater finden: Da die Nachfrage zuletzt so groß war, gibt es nun vier Improtheater-Workshops für Jugendliche ab zwölf Jahren, bei denen schnelles Agieren gefragt ist. Kinder ab acht können in den Ferien mit dem Ballettensemble das Zusammenspiel von Tanz und Musik erforschen. Und Lehrer, die schon immer mal wissen wollten, wie man Schauspielern Warzen, Buckel und buschige Brauen verpasst, sind im Wochenendkurs „Masken schminken“ richtig.

In Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Hermeskeil bringt der Jugendclub das gesellschaftskritische Drama „Frühlings Erwachen“ nach Frank Wedekind auf die Bühne – mal in Trier, mal in Hermeskeil. Ein Projekt, an dem sich auch die Rockband des Gymnasiums beteiligt. „Wir wollen Kultur überall hintragen“, sagt Dudek. Daher organisiert sie Infoveranstaltungen nicht nur in Trier, sondern auch in Konz, Schweich oder Wittlich.

Auch für die ganz Kleinen ist nun, nachdem zahlreiche Eltern angefragt hatten, etwas im Angebot: In einem Workshop können Theaterzwerge ab vier Jahren sich szenisch mit dem Kinderbuch „Irgendwie anders“ befassen.

Dudeks Ziel: Sie will Kinder und Jugendliche mit dem Theater verbinden. Spätestens wenn die sich vor Spannung in die Sessel klammern und vor Vergnügen quietschen, dürfte ihr Ziel als erreicht gelten.

Nina Dudek kümmert sich am Trierer Theater um die Pädagogik und das Programm „für Mutbürger“. Foto: Theater

Lehrer, die sich ein Bild von den Stücken machen möchten, können nach Anmeldung mit ihren eigenen Kindern zur Hauptprobe kommen. Die nächsten Sichttermine: „Aladin und die Wunderlampe“ (5. November, 17 Uhr), „Nathan der Weise“ (23. September, 19 Uhr), „La Bohème“ (11. September, 19 Uhr). Weitere Infos unter www.theater-trier.de, Anfragen und Anmeldungen im Bereich Theaterpädagogik an nina.dudek@theater-trier.de

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