Interview: Weißwein, Karl Marx und eine Sauna

Interview : Weißwein, Karl Marx und eine Sauna

In-Extremo-Gitarrist Kay Lutter im TV-Interview vor dem Auftritt beim Amphitheater Open Air in Trier.

Musik aus einer anderen Zeit: das bietet In Extremo. Die kommerziell erfolgreichste Formation im Bereich des Mittelalter-Rock/Mittelalter-Metal spielt am Freitag, 26. Juli, beim Amphitheater Open Air. Im Interview spricht der Bassist der Band, Kay Lutter (genannt „Die Lutter“), über die römische Kampfarena, Kopfschmerzen wegen zu viel Met und darüber, was er nach 25 Jahren Bandgeschichte nicht mehr tun möchte.

Auf der Burgentour kommt ihr nach Trier. Genau genommen ist das Amphitheater natürlich keine Burg. Was macht es trotzdem zu einem besonderen Veranstaltungsort?

Die Lutter: Nein, das Amphitheater ist natürlich keine Burg, aber irgendeinen einprägsamen Namen mussten wir dem Kind ja geben. Wir legen Wert auf besondere Orte – und das ist das Amphitheater natürlich allemal.

Nennt doch mal spontan drei Dinge, die ihr mit Trier verbindet.

Lutter: Da kann ich nur für mich persönlich sprechen: Weißwein, Karl Marx und die fantastische Sauna in unserem Duschhotel. Da versuchen Boris und ich immer möglichst viel Zeit zu verbringen. Bisher hat das auch ganz gut geklappt.

Habt ihr das Gefühl, dass eure Musik in manchen Städten angesagter ist als in anderen? Sozusagen „In-Extremo-Hochburgen“. Habt ihr dafür Beispiele?

Lutter: Ja, das ist doch bei jeder Band so. Bei uns ist es natürlich der Osten und hier ganz speziell Sachsen und Thüringen. Dann Köln, Frankfurt, Stuttgart, München … ach, eigentlich können wir nirgendwo über zu wenig Interesse klagen!

Klar, eure Musik ist Mittelalter-Rock. Aber wie viel Mittelalter steckt eigentlich in euch als Bandmitgliedern? Verfolgt euch eure Musik auch im Alltag?

Lutter: Das ist ganz verschieden und hängt natürlich auch vom jeweiligen Instrument und dem Background jedes Einzelnen ab. Als Musiker sollte man aber ganz generell offen für Inspirationen sein, egal von welcher Seite sie kommen. Von daher will ich den Einfluss der Musik des Mittelalters auf In Extremo auch gar nicht überbewerten.

Vier Fragen, was ihr bevorzugt, und wieso. Met oder Bier?

Lutter: Ganz klar Bier. Met macht nur böse Kopfschmerzen.

Rea Garvey oder Katie Melua?

Lutter: Rea Garvey ist ein sehr alter Freund der Band.

Herr der Ringe oder der Hobbit?

Lutter: Weder noch!

„In Extremo“ (1997) oder „Quid Pro Quo“ (2016)?

Lutter: „Quid Pro Quo“, denn die letzte Platte ist für jeden Musiker das wichtigste Werk.

Ihr habt damals mit Verehrt und Angespien euren großen Durchbruch geschafft. Wann und wie realisiert man eigentlich, was da gerade passiert?

Lutter: Was ist denn „der große Durchbruch“? Wir haben vorher schon viele Jahre – jeder in einer anderen Band – Musik gemacht und waren auch mit diesen Bands nicht unerfolgreich. Von daher ist das alles entspannt.

12 Studioalben habt ihr bislang veröffentlicht. Wann können wir uns auf Nummer 13 freuen? Habt ihr schon genaue Ideen, die ihr berichten könnt?

Lutter: Könnten wir, aber das ist echt noch etwas früh. Ab November können wir mehr dazu sagen.

Fällt es schwer, nie nachzulassen und sich neu zu probieren und weiterzuentwickeln, aber gleichzeitig nie seine Fans dadurch zu enttäuschen, dass man sich zu sehr ändert? Wie schwer ist dieser Spagat?

Lutter: Ich empfinde das nicht als Spagat, und wir haben auch nie im Hinterkopf, dass wir mit irgendeiner Idee die Fans verprellen könnten. Jeder entwickelt sich weiter, auch unser Publikum natürlich. Und niemand hat Lust, stets und ständig dieselben Nummern zu hören. Das ist doch in jedem Beruf auch so: Wer stets das Gleiche machen muss, stumpft irgendwann ab. Davon sind wir weit entfernt.

2017 habt ihr als Vorgruppe von Kiss gespielt. Nicht selbstverständlich für eine so erfolgreiche Band wie euch. Für wen würdet ihr mal gerne als Vorband spielen?

Lutter: Ganz ehrlich: Ich möchte bei niemandem mehr als Vorband auftreten, weil das oftmals ein undankbarer Job ist. Bei Kiss war das natürlich etwas entspannter, aber nach 25 Jahren als In Extremo möchte ich irgendwann nicht mehr der Support sein. Für uns war das auch mehr ein großer Spaß. Falls du mit deiner Frage aber meinst, mit wem wir gern mal zusammenarbeiten würden, ist die Liste natürlich ellenlang.

Im Rahmen der Kampagne iChance setzt ihr euch mit dafür ein, dass Analphabetismus bekämpft wird. Wieso ist das wichtig?

Lutter: Ich verstehe die Frage nicht, und könnte sie dir als Analphabet wohl auch kaum beantworten …

Glaubt ihr, dass Musik einen wichtigen Teil dazu beitragen kann, Analphabetismus zu bekämpfen? Wie?

Lutter: Ich weiß gar nicht, ob Musik dabei ein so wichtiger Teil ist. Als Analphabet hat man nur einen geringen Zugang zur Bildung, das ist das Hauptproblem. Und Lesen und Schreiben gehören da eben zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen.

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