Zum Jubiläum das pralle Leben

Zum Jubiläum das pralle Leben

TRIER. Der Friedrich Spee Chor feiert in diesem Jahr mit besonderen Veranstaltungen sein 40-jähriges Bestehen. An den Beginn der Konzertreihe stellte der Chor die Carmina Burana von Carl Orff und gestaltete einen Abend, der dem Jubiläum angemessen war.

Trier ist eine Stadt der Musik, insbesondere der Chormusik. Eine tragende Säule dieses Kulturzweiges ist seit nunmehr 40 Jahren der Friedrich Spee Chor, 1964 von Karl Berg gegründet. Dass dieser Chor etwas Besonderes darstellt, zeigt schon die Tatsache, dass die Übernahme der Chorleitung durch Martin Folz vor elf Jahren keinen qualitativen Einbruch brachte. Unverändert auf hohem Niveau tritt der Spee Chor immer wieder im Trierer Konzertleben in Erscheinung. Mit Recht also feiert der Chor in diesem Jahr ausgiebig die vier Dekaden seines Bestehens. Der Auftakt des Freudenjahres sollte natürlich etwas Besonderes sein. Folz und seine Sänger hatten sich die "Carmina Burana" von Carl Orff ausgesucht.Martin Folz, wegen seiner teilweise sehr unkonventionellen Interpretationen von manchem als das Enfant terrible der Trierer Chorszene angesehen, hatte natürlich nicht die Orffsche Originalversion für das Konzert in St. Maximin vorgesehen. Er setzte vielmehr eine Fassung für sinfonisches Blasorchester auf das Programm, eingeleitet durch eine sinfonische Bühnenmusik mit Kompositionen von Guy Woolfenden, Michael Praetorius und Jan van der Rost, in die er den mittelalterlichen Sängerspruch "Wohlauf, wir heben mit Singen an" einfließen ließ.Dass der Spee Chor allen Grund zum Feiern hat, zeigte sich bereits von der ersten Note an. Konzentriert gingen sie Orffs Beschreibung des prallen Lebens an, zeigten kaum einmal intonatorische Schwächen, waren vom einleitenden bis zum beschließenden "O Fortuna" fixiert auf das klare und eindeutige Dirigat von Folz. Mit Leichtigkeit erklang das Werk, hinterließ den Eindruck der Mühelosigkeit. Was die Auswahl der Ausführenden anging, muss man konstatieren, dass alle(s) vorzüglich zusammenpasste. Wer jemals geringschätzig von Blasorchestern gesprochen hat, musste Abbitte leisten. Was die Musiker aus dem saarländischen Wemmetsweiler hier leisteten, hätte jedem professionellen Klangkörper zur Ehre gereicht.Die Sopranpartie hatte Eva Leonardy übernommen, bei der man sich immer wieder fragen muss, wie gut sie noch werden will. Thomas Kiessling (Tenor) und der Bariton Benoît Giaux standen dieser Qualität nicht nach - ein optimales Trio, wie für diese Aufführung geschaffen.Den letzten musikalischen Schliff erhielt das Konzert durch das Männerquartett "Cräme Fresch". Versehen mit mittelalterlicher Kostümierung fügten sie dem Abend einen gehörigen Schuss Humor bei, der auch dem Zuhörer, der sich mit der behandelten Geschichte nicht auskannte, verdeutlichte, worum es ging. Ein großer Abend, dem Jubiläum eines großen Chores angemessen.

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