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Abschied von Reinhold Schneck: Ein Musiker räumt die Wittlicher Emporen

Kirche : Abschied von Reinhold Schneck: Ein Musiker räumt die Wittlicher Emporen

Der langjährige Wittlicher Organist Reinhold Schneck wird künftig nicht mehr an den Orgeln zu hören sein. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Dennoch bleibt sein Platz nicht frei.

„Mein Herz hängt an der Orgelmusik“, sagt Reinhold Schneck, der seit 1978 in Wittlich Organist und Chorleiter ist. Im Laufe seines Berufslebens kamen noch die Aufgaben als Dekanatskantor und Orgelsachverständigem dazu. Jetzt, mit 61 Jahren, geht er in die Freistellungsphase der Altersteilzeit und räumt seinen Platz auf der Empore, wo er zahllose Gottesdienste musikalisch begleitet hat. „Einen Gottesdienst angemessen musikalisch gestalten, war mir immer ein Anliegen. Es ist ein sehr kreativer Beruf, bei dem man sich in das Thema der Messe oder der Andacht reindenkt und die Menschen mit der Musik, darauf einstimmt“, sagt Schneck.

In seinen Anfangsjahren hat er an jedem Wochenende zwei Messen am Samstag und drei am Sonntag gespielt, aber mit den verschiedenen Pfarreienreformen sind es deutlich weniger geworden. „Dieses Jahr hatte ich sogar an Pfingstsonntag frei. Das gab es noch nie.“ Besondere Erlebnisse hatte er in seinem Berufsleben sehr viele. Da waren beispielsweise Chorjubiläen, bei denen eine Antonín-Dvorák-Messe auf dem Programm stand, Konzerte bei denen Thomas Siessegger zu Gast war und Fahrten, bei denen man mit dem Chor im Trierer Dom einen Gottesdienst mitgestaltete.

Die Einweihung der Klausener Orgel ist ihm in Erinnerung geblieben, hinzu kamen viele Gottesdienste in Maria Grünewald und die Freitagsmusik im Advent. Sehr bewegend war für ihn die Beerdigung von Pastor Günther Weber im Jahr 1991, der plötzlich starb. „Als der Sarg aus der Kirche getragen wurde, habe ich die F-Dur Toccata von Charles-Marie Widor gespielt. Das war ein sehr eindringlicher Moment“, so der Organist.

Es gab aber auch Erlebnisse zum Schmunzeln. Einmal war er auf der Empore, als zwei Jungen in der Kirche über und zwischen den Bänken gelaufen und gesprungen sind. Er hat sie dann vom Chor aus mit seiner sonoren, tiefen Stimme ermahnt. Die Kinder konnten sich nicht erklären, wo die Stimme herkam, denn sie haben ja niemanden gesehen. Schließlich meinte einer der beiden: „Das ist bestimmt Gott gewesen“ – und rannte aus der Kirche.

Länger als geplant war ein Aufenthalt in St. Markus, als Reinhold Schneck in der Kirche eingeschlossen war. Er hatte seinem Sohn seinen Schlüsselbund gegeben und wollte nachkommen, aber der Küster war schneller und schloss ihn in der Kirche ein. Schließlich bemerkte sein Sohn aber, dass der Vater fehlte und befreite ihn.

Neben seinen vielen Stunden an der Orgel hat er viele an seinem Schreibtisch verbracht, unter anderem mit dem Zusammenstellen von Programmen oder dem Erstellen von Orgelgutachten. Er hat auch etliche Nachwuchskräfte an seinem Instrument ausgebildet. Geschätzt hat er an seinem Beruf, dass es kein festes Schema gab und keine Stechuhr, obwohl er jedes Wochenende und fast jeden Abend beruflich unterwegs war, bei Messen, Unterricht oder Chorproben.

Er hat keine Angst, dass es ihm nun langweilig werden könnte. Er freut sich auf mehr Zeit für seine Familie, zu der neben den vier Kindern auch zwei Enkel gehören. Dazu hat er ein Faible für die Familienforschung. Sehr stolz ist er auf seine Schneckenfiguren, zu denen eine linksgedrehte Weinbergsschnecke gehört. Einen „Schneckenkönig“ hat er natürlich auch. Zudem will er ausgiebig Orgel spielen.

Während seines Studiums hat er bis zu acht Stunden am Stück gespielt und das möchte er wieder machen. „Im Berufsleben kommt man nicht dazu, so viel zu üben, wie man gerne möchte.“ Einen Lieblingskomponisten hat er eigentlich nicht, obwohl er sehr gerne Bach spielt.

Auf den Orgeln in St. Markus, St. Bernhard und in Plein werden, bis ein fester Nachfolger für ihn gefunden ist, Sven Schlax und Christopher Schmitt spielen. Die Chorarbeit wird Reinhold Schneck vorerst weiter machen, bis die Chöre neue Leiter gefunden haben.