Auf Grönemeyers Spuren

BERNKASTEL-KUES. Ein Tourismus-Team soll Ideen für eine neue Marketing-Linie entwerfen. Die Ziele: mehr Qualität, bessere Außendarstellung, mehr Kommunikation, bessere Vernetzung.

"Zeit, dass sich was dreht". Herbert Grönemeyers offizielle Fifa-WM-Hymne wird sicher noch längere Zeit in den Köpfen der Menschen bleiben. Zu schön waren die vier Wochen, um solch eine Melodie zu vergessen. "Zeit, dass sich was dreht". Diese Worte warf Sylvia Westermann, Leiterin des Mosel-Gäste-Zentrums Bernkastel-Kues, auch in der Sitzung des Ausschusses für Tourismus, Stadtentwicklung, Kultur und Kur in den Raum. "Wir müssen uns aufstellen, um mindestens die Vorrunde zu überstehen", blieb sie im WM-Jargon. 2007 werden die Aufgaben noch wachsen

Ein Hintergrund: Zum 1. Januar 2007 kommt die Kultur & Kur GmbH, die derzeit noch von Stadt und Verbandsgemeinde geführt wird, in Alleinregie der Stadt (der TV berichtete). Sylvia Westermann warf einige allgemeine Zukunftsgedanken der Industrie- und Handelskammer Koblenz und des Deutschen Tourismusverbandes auf. Bei rund 700 000 Übernachtungen pro Jahr und einer Million Tagestouristen werden solche Gedanken in Bernkastel-Kues aber aufmerksam gehört. "Der deutsche Tourismus ist überorganisiert"; "Erforderlich ist die Reduzierung der Hierarchie-Ebenen"; "Überalterte Betriebe und Betriebe ohne vernünftige Standards können heute nicht mehr ohne weiteres vermarktet werden, ohne das eine Imageschädigung eintritt"; "Die Kräfte touristisch relevanter Organisationen müssen unter einem Dach gebündelt werden." Wer diese Feststellungen und Forderungen nicht nur hört, sondern darüber nachdenkt, erkennt schnell, welcher Einschnitt bevorsteht. Als Touristenort von Bedeutung müsse die Stadt auch der Rheinland-Pfalz-Touristik und der Deutschen Zentrale für Tourismus mit Forderungen entgegen treten, sagte Westermann. "Es besteht Handlungsbedarf", sagte Ausschuss-Mitglied und Gastronom Dieter Kettermann. Die Entscheidungsträger in der Stadt wüssten immer noch zu wenig über die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus. Die Politiker hätten manches "kaputt geredet". Es mangele an Kommunikation, Vernetzung und Absprachen. "Einige Leute werden zwischen den Fronten zerrieben", sagte er. Man ziehe zwar an einem Strang. "Aber dieser Strang hat zehn Enden. Deshalb ist es Zeit für einen Strukturwandel. Wir müssen ein Dach schaffen", fordert Kettermann. Bisher gebe es nur eine Veranstaltung, die dem Ideal nahe komme: den Weihnachtsmarkt. Kettermann fordert, den Tourismus von politischen Entscheidungen frei zu stellen und diese den Fachleuten zu überlassen. "Es gibt zu viele Organisationen und zu wenig Außenmarketing", stimmte Stadtbürgermeister Wolfgang Port einigen Aspekten zu. "Kaputt geredet haben die Politiker aber zumindest in den vergangenen fünf Jahren nichts", fügte er an. Renate Willkomm bezeichnete es als "Skandal", dass so viele touristische Organisationen nebeneinander arbeiteten. Damit gemeint sind die Mittelmosel-Touristik, die zur VG gehört, und die Mosellandtouristik, die dem Land unterstellt ist. Die Mittelmosel-Touristik sei zwar ein "Auslaufmodell", binde aber immer noch erhebliche finanzielle Mittel, sagte Frank Hoffmann. Die Übernahme der Kultur & Kur GmbH biete die "historische Chance" für einen Neuanfang, lautete der Tenor im Ausschuss. "Obenhin einen Geschäftsführer, darunter verschiedene Abteilungen", forderte Guido Lotz. Ein Tourismus-Team (Vertreter von Werbekreis, Gastronomie, Weinbranche, Politik, Tourimsus) soll nach Lösungen suchen.

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