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Bernkastel-Kues verliert 20 Altenheimplätze. Es ist aber Ersatz geplant.

Altenheim : Ein Zahlenspiel mit noch offenem Ende

Durch die angekündigte Schließung des Klösterchens verliert die Stadt Bernkastel-Kues mehr als 20 Altenheimplätze. Ob der Verlust wettgemacht werden kann, hängt auch von Entscheidungen ab, die im Cusanusstift getroffen werden.

In diesen Tagen bezieht eine Reihe von Bewohnern des St. Nikolaus Altenzentrums in Bernkastel-Kues einen mehrstöckigen neuen Anbau mit 33 Zimmern. Mit Corona hat dies nichts zu tun. Grund sind Modernisierungsmaßnahmen.

Bisher verfügte das größte Altenheim der Stadt hauptsächlich über Doppelzimmer. Im Anbau entstanden nun Einzelzimmer, im Gegenzug wird in den meisten Räumen im Altbau ein Bett entfernt. Im Ergebnis gibt es damit deutlich mehr Einzelzimmer.

Und das ist noch nicht alles: Nach Abschluss dieser Arbeiten wird im hinteren Teil des Gebäudes noch ein Stockwerk draufgesattelt. In einem dritten Abschnitt wird dann noch die Seite, an der sich der Eingang befindet, saniert. Auch wenn der Neubau große Dimensionen aufweist, steigt die Bettenzahl „nur“ auf 98 – bisher gibt es 87 Betten. Ende 2022 sollen die etwa zehn Millionen Euro teuren Arbeiten abgeschlossen sein.

Die Zahl der in der Stadt zur Verfügung stehenden Plätze steigt trotz der Investitionen nicht. Im Gegenteil: Zu diesem Zeitpunkt, Anfang 2023, wird das ebenfalls von der St. Raphael  Caritas Alten- und Behindertenhilfe GmbH (CAB) getragene Haus zur Heiligen Familie im Stadtteil Bernkastel, überall nur Klösterchen genannt, geschlossen (der TV berichtete). Im Klösterchen stehen derzeit noch 35 Plätze zur Verfügung. Die Rechnung ist schnell aufgemacht. Die CAB bietet dann in Bernkastel-Kues mehr als 20 Betten weniger an.

Was heißt das für Bernkastel-Kues und die Region? In den vergangenen Jahren seien in Kröv, Piesport und St. Paul große Altenzentren hinzugekommen, sagt Manfred Kappes, Leiter von St. Nikolaus und dem St. Wendelinus Seniorenheim in Wittlich.

Und das Klösterchen sei baulich, von der Einrichtung her – zum Beispiel keine Nasszelle im Zimmer – und von der Erreichbarkeit einfach nicht mehr attraktiv. Die CAB habe in der Vergangenheit viel Geld in den seit 2009 von ihr betriebenen historischen Bau aus dem 17. Jahrhundert gesteckt, sagt Kappes. Der Sanierungsbedarf werde aber immer größer, heißt von Seiten der CAB. Auf Dauer sei das finanziell nicht mehr zu stemmen.

„Wenn der Zeitpunkt der Schließung näher rückt, werden wir mit den Senioren im Klösterchen beziehungsweise ihren Angehörigen über eine Alternative reden“, sagt Manfred Kappes.

Zum Altenzentrum Mittelmosel gehört auch noch das Haus St. Josef in Ürzig. Die Klösterchen-Mitarbeiter sollen Angebote für eine Weiterbeschäftigung im Haupthaus bekommen.

Wie bewertet die Stadt Bernkastel-Kues, Eigentümerin  der Immobilie, die verkündete Schließung des Klösterchens? „Es war klar, dass es in der Innenstadt keine günstigen Rahmenbedingungen für ein Altenheim gibt“, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. „Überrascht waren wir, dass jetzt so schnell eine Entscheidung getroffen wurde.“

Der Stadtrat werde sich über die zukünftige Nutzung Gedanken machen. „Denkbar wäre eine Umnutzung als Studentenwohnheim oder Wohnraum generell“, sagt das Stadtoberhaupt.

Und wie sieht die Zukunft des Pflegestandortes Bernkastel-Kues aus? Wie berichtet soll die Kapazität im zweiten großen Altenheim, dem Cusanusstift, erhöht werden. Ursprünglich war geplant in der benachbarten ehemaligen Seniorenakademie zusätzliche Zimmer einzurichten.

Nun wird auch nach Möglichkeiten geschaut auf dem eigentlichen Gelände des Stifts weitere Plätze zu schaffen.

„Anfang Januar werden wir uns mit den Planern zusammensetzen“, sagt Leo Hofmann, der Rektor des Cusanusstifts. Das macht der Stadt Hoffnung. „Wir hoffen damit den ein oder anderen Platz auffangen zu können“, sagt Stadtbürgermeister Port.