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Die Wehlener Brücke ist die Golden Gate Bridge der Mosel

Landmarke : Die Golden Gate Bridge der Mosel

In Bernkastel-Wehlen gibt es die einzige Hängebrücke über die Mosel. Sie ist schon die dritte, die an dieser Stelle gebaut wurde. Weil sie Ähnlichkeit mit der Golden Gate Bridge in San Francisco hat, wird sie so genannt.

Von ihrer Bauweise hat sie tatsächlich etwas von der Golden Gate Bridge in San Francisco. Nur erstrahlt sie nicht in Rot, sondern sie ist grün gestrichen. So fügt  sich die Wehlener Brücke sehr gut in die Landschaft des Weinbauortes ein. Dabei hatte Wehlen nicht besonders viel Glück mit seinen Brücken. Die „Golden Gate“ ist schon die dritte an dieser Stelle.

Vor dem Ersten Weltkrieg 1912 hat sich eine Brücke wegen des zunehmenden Kraftfahrzeugverkehr als nötig erwiesen. Sie wurde 1915 fertiggestellt. Aber schon fünf Jahre später stürzte sie bei Hochwasser ein. Als Gründe wurden dafür „ein großes Missgeschick, das wohl in dem Zusammenwirken einer Reihe ungünstiger Umstände zu suchen ist“, angegeben.

1925 war Baubeginn der zweiten Brücke, die einen eisernen Oberbau hatte, um Pfeiler im Fluss zu vermeiden. 800 Tonnen war sie schwer. Im November 1926 konnte man sie bereits befahren. Bei einer Verkehrszählung zwischen 1930 und 1931 fuhren 11 797 Kraftwagen mit mehr als zwei Sitzen über die Brücke, 5566 Motorräder und 4442 Lastkraftwagen. Am 12. März 1945 wurde das Bauwerk bei Rückzugskämpfen der deutschen Truppen zerstört.

 Die „Golden Gate“, wie sie heute in Wehlen steht, war nur möglich, weil die Winzer und Weinbaubetriebe die Brücke mitfinanziert haben. 1949 konnte sie eingeweiht werden. Schwierig war es damals, die Materialien und Arbeitskräfte zu bekommen, damit ein solches Bauwerk überhaupt entstehen konnte. Zahlreiche Entwürfe gab es. Wichtig war, dass möglichst wenig Stahl verbraucht wurde, denn den gab es kaum. So entschied man sich für einen Hängebrückenentwurf, bei dem man die Tragkabel aus Resten der großen Hängebrücke über den Rhein bei Köln-Rodenkirchen besorgen konnte, die ebenfalls im Krieg verstört worden war.

Planer der Brücke war Regierungsbaumeister Dr. Fritz Leonhardt, einer der einflussreichsten deutschen Bauingenieure, der unter anderem den Stuttgarter Fernsehturm und das Zeltdach des Münchener Olympiastadions geplant hat.

Streusalz und Korrosionsschäden haben der Brücke in den folgenden Jahrzehnten zugesetzt –  zusätzlich zum zunehmenden Verkehr. Anfang der 90er Jahre „ertüchtigt“ man sie: Die Tragseile, die Widerlager und die Fahrbahnplatte mit den Versteifungsträgern wurden erneuert. Die Pfeiler und Fundamente blieben erhalten, wurden aber verstärkt.

Der heutige Leiter des Bauhofs der Stadt Bernkastel-Kues, Markus Ruf, war damals bei der Firma IG Müller Bauleiter der Baumaßnahme. Der Stahl kam aus Wien, dort wurden auch die Einzelteile gefertigt. Mit dem Schiff kamen sie nach Wasserliesch, wo sie zusammengebaut wurden, um schließlich mit Schiff und Ponton nach Wehlen zu gelangen. Mit Hebezügen wurden die Teile hochgezogen.

Markus Ruf erinnert sich: „Die Teile wurden nach und nach eingesetzt und bis das letzte Teil drin war, hatte die Brücke die merkwürdigsten Formen. Unter den Seilen, von Pylon zu Pylon, war ein Steg aus Holz gebaut, bei dem manchmal Teile weggeflogen sind, aber es wurde niemand verletzt.“ 18,5 Millionen D-Mark hat die Baumaßnahme damals gekostet.

 Die zweite Brücke Wehlens, die Hindenburg Brücke, ist Ende des Zweiten Weltkriegs im März 1945 zerstört worden.
Die zweite Brücke Wehlens, die Hindenburg Brücke, ist Ende des Zweiten Weltkriegs im März 1945 zerstört worden. Foto: Christina Bents

Im Nachhinein sagt Ruf: „Es hat damals sowohl baulich als auch finanziell alles gut geklappt. Und wenn ich mir die Arbeit nach 26 Jahren ansehe, kann ich feststellen, dass unsere Arbeit eine gute Qualität hat.“ Das kann der Landesbetrieb Mobilität bestätigen. Diplom Ingenieur Guido Bauer sagt: „Das Bauwerk befindet sich in einem so guten Zustand, so dass Sanierungsarbeiten derzeit nicht vorgesehen sind.