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Im Thalfanger Gewerbegebiet Vorwald lagern Holzstämme. Anwohner beschweren sich

Wirtschaft : Käfer, Staub und Lärm sorgen für Ärger

Im Thalfanger Gewerbegebiet Vorwald werden seit diesem Jahr Holzstämme gelagert. Doch Anlieger wehren sich gegen die damit verbundenen Belästigungen.

Wohin mit den vielen Fichtenstämmen? Das fragen sich derzeit die Forstbehörden. Denn aufgrund des Befalls der Nadelbäume durch den Borkenkäfer und den dadurch bedingten hohen Baum­einschlag muss mehr Holz aus dem Wald entfernt werden als vorgesehen. Im Gewerbegebiet Vorwald in Thalfang haben deshalb Landesforsten und das Forstamt Dhron­ecken bis 2030 Flächen von der Gemeinde gepachtet, um dort die nur teilweise entrindeten Stämme zu lagern.

Doch das bringt für die Anlieger – im Gewerbegebiet befinden sich auch einige Wohnhäuser - zahlreiche Unannehmlichkeiten mit sich. Und das wollen sie nicht mehr akzeptieren. „Bis zu 30 Container werden dort pro Tag verladen“, sagen Armin Oettel, ehemals Inhaber der Oettel Maschinen GmbH, der im Gewerbegebiet wohnt, und Thomas Kopper, Inhaber von Kopper Verfahrenstechnik. Hinzu kommen die LKW, die das Holz anliefern.

„Die Rinde muss entsorgt werden, da sind Käfer drin“, sagt Oettel über die vielen Rindenstücke, die sich bei den Ladevorgängen von den Stämmen lösen. Das größte Ärgernis für die Anlieger seien allerdings die Immissionen. Zum einen haben die LKW in diesem trockenen Sommer sehr viel Staub aufgewirbelt. „Der dringt in die umliegenden Betriebe ein“, sagt Oettel. Insbesondere ein Unternehmen, das feinmechanische Produkte herstelle, habe dadurch viele Probleme.

Auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Gewerbehalle erzeuge weniger Strom. „Man kann nicht jeden Tag die PV-Anlagen säubern“, sagt Oettel. Hinzu komme die Lärmbelästigung beim Be- und Entladen der LKW, insbesondere dann, wenn die Bäume in Container hineingewuchtet würden.

„Der Lärm übersteigt die zulässigen Werte von 65 Dezibel im Gewerbegebiet“, sagt Oettel. „Selbst wenn diese Anlage genehmigungsfrei betrieben werden darf, müssen Immissionsvorgaben eingehalten werden“, sagt er. Kopper zeigt mittels eines Videos, wie er mit einem eigenen Gerät – allerdings ungeeicht – einen stärkeren Lärmpegel als die erlaubten 65 Dezibel ermittelt.

Neben Käfer, Staub und Lärm bemängeln die Anlieger auch weitere Punkte, wie eine mangelnde Verkehrssicherheit der nicht eingezäunten Lagerplätze und Rindenstücke, die bei Regen auf umliegende Grundstücke und in die Kanalisation geschwemmt werden. Beschwerden bei Behörden hätten bisher nichts gebracht, sagen die beiden. Die Verwaltungen ließen sie im Regen stehen. „Wir hören nichts“, sagen sie.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich kann keine Zuständigkeit für sich erkennen. Sprecher Manuel Follmann sagt aber, dass es für Lagerplätze durchaus typisch sei, dass Ein- und Ausgänge der gelagerten Ware regelmäßig erfolgen. Vera Höfner, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Thalfang sagt, dass das Ordnungsamt die Lautstärke kontrolliert habe, der Lärm aber unter der tagsüber geltenden Höchstgrenze von 65 Dezibel geblieben sei.

Matthias Urmes vom Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten in Hermeskeil geht auf die zahlreichen Vorwürfe dezidiert ein. So hält Landesforsten die Lagerplätze aufgrund der Lage im Gewerbegebiet auch ohne Einzäunung für verkehrssicher. Die Plätze seien beschildert, die Zufahrt abgesperrt. Auch bei wochenlanger Beobachtung seien keine Kinder gesehen worden, die das Gelände als Spielplatz genutzt hätten.

Zu den Imissionen sagt er, diese würden diese Woche durch die Gewerbeaufsicht geprüft. Die Staubentwicklung sei durch die Niederschläge der vergangenen Tage obsolet geworden. „Wenn die Prüfung ergibt, dass Handlungsbedarf besteht, werden wir etwas tun“, sagt er mit Hinblick auf die möglicherweise kommenden trockenen Sommer, eventuell mit einem anderen Belag der Fahrstreifen. Bei solchen Plätzen würden immer Dinge hin- und hergefahren, sagt er zu den zahlreichen LKW-Bewegungen. „Es ist keine Deponie“, sagt Urmes. Die Kunden handelten nicht illegal, wenn sie Holzstämme in Container verladen. Zwar besagt eine Richtlinie des Bundesministeriums für Verkehr, dass diese nicht geeignet seien und Stämme deshalb auf andere Art transportiert werden sollen. Doch dies sei eben eine Richtlinie, kein Gesetz. „Die Kunden handeln nicht illegal“, sagt er.

Die Richtlinie werde derzeit von einer Arbeitsgruppe in Nordrhein-Westfalen konkretisiert. Die Tendenz gehe dahin, dass die bisherige Praxis der Verladung von unabhängigen Gutachtern als verkehrssicher eingestuft wird, sagt Urmes. Auch das Verbleiben der abfallenden Rinde vor Ort sei in Ordnung. „Es gibt keine gesetzliche Grundlage, dass Mulch entfernt werden muss“, sagt er. Auch sei eine erhöhte Aktivität von Schwalben, bedingt durch Käfer im Holz, nicht festgestellt worden.

Volker Schmidt von der SGD Nord sagt, seine Behörde hätte bereits mit den Betreibern der Lagerplätze sowie mit den Beschwerdeführern Kontakt gehabt. So sei zur Beseitigung der Staubbelästigung für die nächste Trockenphase eine Befeuchtung der Fahrwege zugesagt worden. Trotz der bereits erfolgten Kontrolle des Lärms durch das Ordnungsamt Thalfang und einer Einstufung als „nicht erheblich belästigend“ will seine Behörde diesen selbst noch mal messen.