Kinderhaus droht erneut das Aus

Dem Kinderhaus Mandala droht ab August erneut die Schließung. Aufgrund des Rechtsanspruchs der Zweijährigen auf einen beitragsfreien Kita-Platz und des geplanten Betreuungskonzepts der Gemeinde Morbach blieben Mandala dann die Kinder aus, fürchten die Verantwortlichen.

Das Kinderhaus Mandala steht nach 2007 wieder vor dem Aus. Vor knapp drei Jahren hatten Landkreis und Gemeinde die klaffende Finanzierungslücke des Kinderhauses geschlossen (der TV berichtete).

Nun bedroht der Rechtsanspruch zur Betreuung Zweijähriger das Projekt. Hinzu kommt das geplante Betreuungskonzept der Gemeinde Morbach, das für Kinder bis 14 Jahre nach den Sommerferien eine nahtlose Betreuung bis 19 Uhr sicherstellen soll. Damit bleiben Mandala, das Kinder zwischen zwei und elf Jahren betreut, die Kinder aus, fürchtet Leiterin Christine Backes.

War das Mandala in den vergangenen Jahren stets Anlaufstelle für Eltern, die ihre Kinder unabhängig von den Öffnungszeiten der kommunalen Kindergärten und Schulen dort betreuen lassen konnten, so scheint sich der Bedarf ab August erledigt zu haben. "Wer würde denn für einen Betreuungsplatz bezahlen, wenn sein Kind einen kostenlosen Kindergartenplatz bekommen könnte", sagt Bürgermeister Gregor Eibes. Ein wenig Hoffnung gibt es dennoch für Mandala, denn die Gemeinde ist bis zum Ablauf der Frist nicht gänzlich gewappnet.

Ab dem 1. August muss die Einheitsgemeinde Morbach den rechtlichen Anspruch von Zweijährigen auf einen beitragsfreien Kindergartenplatz gewährleisten. Die bestehenden Kapazitäten reichen allerdings nicht in jedem Kindergarten aus, um alle Zweijährigen in den Krippengruppen unterzubringen.

Kita-Erweiterungen bis August nicht fertig



So hatte der Rat der Einheitsgemeinde Morbach geplant, die Kitas in Morscheid-Riedenburg und Gonzerath durch einen Anbau zu erweitern. In Hundheim steht die Entscheidung noch aus, ob saniert oder neu gebaut wird. Ein neuer Kindergarten wird derweil in Morbach entstehen. Doch bis dato ist noch kein Spatenstich für die insgesamt drei Millionen Euro teuren Bauarbeiten erfolgt. "Wir werden mit den Arbeiten bis August auf keinen Fall fertig", sagt Gregor Eibes, Bürgermeister der Einheitsgemeinde. Bis August 2011 soll jedoch dann alles endgültig unter Dach und Fach sein.

Die Einheitsgemeinde muss den Rechtsanspruch erfüllen. und sie wird es auch, versichert Eibes, allerdings nicht in jedem Fall in der Wunsch-Einrichtung. So müssten Gonzerather Kinder unter Umständen in den Kindergarten nach Morbach gehen, bis die neu geschaffenen Plätze vorhanden seien. Bis dahin könne das Kinderhaus Mandala durchaus die fehlenden Kapazitäten für die Zweijährigen überbrücken.

Bei der Übergangslösung soll Mandala im Konzept der Gemeinde weiter eine Rolle spielen. Und danach? "Wir werden versuchen, Mandala irgendwie zu integrieren. Wir müssen sehen, ob es dafür Raum und Nischen gibt." Erschwerend kommt hinzu, dass durch die derzeitige Umstrukturierung der Arge (Arbeitsgemeinschaft der Bundesagentur für Arbeit mit kommunalen Mitarbeitern) die Ein-Euro-Jobs für die Aushilfskräfte im Kinderhaus Mandala nur bis Ende Juli gelten. Neben zwei ausgebildeten Erzieherinnen und der Projektleiterin sind bei Mandala auch Ein-Euro-Jobberinnen über die Arge beschäftigt. Da könne man derzeit nur abwarten, wie es weitergeht, meinen Backes wie auch Eibes.

Christine Backes überlegt derzeit bereits, was sie mit den Räumlichkeiten des Kinderhauses anfangen könnte. "Ich kann mir hier ein Bewerbertraining vorstellen für die zu vermittelnden Hartz-IV-Empfänger."

Träger des Kinderhauses ist die Lernen und Arbeiten GmbH. Finanziert wird es Kreis und Arge der Kommune.

EXTRA Mandala: Im Kinderhaus Mandala werden bis zu 15 Kindern zwischen zwei und elf Jahren ergänzend zu Schulen und KIndergärten betreut. Der Gründung 2003, damals unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo), lag die Idee zugrunde, dass viele Frauen Sozialhilfe beziehen (müssen), weil sie Kinder betreuen. Mandala bietet seitdem modellhaft flexiblere Öffnungszeiten an und gleichzeitig Beschäftigung für Menschen, die Leistungen nach dem Sozialhilfegesetz beziehen. Inzwischen ist die Lernen und Arbeiten gGmbH aus Neuwied der Träger, eine Einrichtung für die Förderung von Projekten für Lebenshilfe. Sie setzt sich für die Wiedereingliederung Arbeitsloser ein. (iro)

Meinung Mandala mit ins Boot holen
Das Vorzeigeprojekt Mandala ermöglicht es Eltern schon seit Jahren, ihre Kinder morgens, tagsüber und abends abzugeben und betreuen zu lassen. Das Kinderhaus hat über Jahre die Lücken geschlossen, die die kommunalen Kindergärten offenließen. Auf diese Weise konnten vor allem Frauen, die ansonsten auf Leistungen aus dem Sozialhilfegesetz angewiesen waren, wieder selbst den Lebensunterhalt für sich und die Kinder bestreiten. Ab August will die Gemeinde allen Kindern bis 14 Jahre eine nahtlose Betreuung zuteilwerden lassen. Zum Nulltarif! Da kann das Kinderhaus Mandala nicht mithalten. Das Betreuungskonzept der Gemeinde Morbach steht nun zwar auf dem Papier, doch die Kapazitäten für Zweijährige werden bis August nicht aus dem Boden gestampft sein. Da könnte das Kinderhaus in die Bresche springen und zumindest teilweise den Mangel an kommunalen Betreuungsplätzen überbrücken. Die Übergangslösung ist für Mandala daher eine Chance, zu zeigen, dass Mandala einfach nicht wegzudenken ist und/oder in der Zwischenzeit nach anderen Aufgaben zu suchen. d.zapp@volksfreund.de