Konzert : Klassik in der Neon-Lounge

Das Team vom Mosel Musikfestival und Schüler des Peter-Wust-Gymnasiums haben gemeinsam ein Klassikkonzert veranstaltet. Mit neuen Ideen haben sie eine ungewöhnliche Atmosphäre geschaffen.

Tobias Scharfenberger geht auch in seinem zweiten Jahr als Intendant des Mosel Musikfestivals neue Wege. Wie jetzt in Wittlich. Denn dort haben die Schüler des Peter-Wust-Gymnasiums die Organisation für das Konzert mit dem Vision String Quartett aus Berlin übernommen. Rund 80 Schüler haben sich an der Ausrichtung beteiligt und ein Ambiente geschaffen, das bei einem klassischen Konzert nur selten anzufinden sein dürfte.

So hat sich die Turnhalle des Gymnasiums in eine riesige Neon-Lounge verwandelt, in der es sich viele der etwa 250 Konzertbesucher auf Sofas und Sitzkissen im wahrsten Sinne des Wortes gemütlich machen. Von den Schülern gestaltete Folienbahnen und Schwarzlicht tragen ebenfalls maßgeblich zu einer besonderen Konzertatmosphäre bei. „Uns interessiert, wie Jugendliche Musik hören wollen“, sagt Scharfenberger zu der Entscheidung, den Schülern die Gestaltung des Konzerts zu überlassen. Entstanden sei ein Konzert in einem Format, das „es bisher so noch nicht gegeben hat“, sagt der Intendant.

„Es war mehr Arbeit, als ich erwartet habe“, sagt Jenny Schweisthal aus der 10. Klasse, die das Plakat entworfen und anschließend in der Dekogruppe mitgewirkt hat. Josefine Hayer aus dem 13. Schuljahr hat in der Orga-Gruppe mitgewirkt. Am schwierigsten sei es gewesen, die Kommunikation zwischen den Arbeitsgruppen zu halten und den Überblick über die Kosten und die anstehenden Arbeiten zu behalten. „Jetzt bin ich aufgeregt, weil wir sehen, was wir alles geschafft haben und ob wir an alles gedacht haben“, sagt sie wenige Minuten vor dem Konzert.

Die vier Musiker des Vision String Quartetts, die kurz darauf in Jeans mit Cello, Violine und Viola die Bühne betreten, bieten den Zuschauern, darunter viele Schüler, alles andere als ein übliches klassisches Konzert. In der ersten Hälfte spielen sie jazzig, mit Stücken von Benny Goodman, Oliver Nelson und George Gershwin. Nach der Pause führt das Quartett ausschließlich selbst komponierte Stücke vor, die weniger an typische klassische Stücke, sondern mehr an moderne Popsongs erinnern.

Einmal erzeugen sie auf ihren Streichinstrumenten Klänge, wie sie ein geübter Beatboxer mit seinem Mund hervorbringt, ein anderes Mal versetzen sie die Zuschauer in eine skandinavische Umgebung, um die Zuschauer dann mit „Samba“ nach Südamerika zu entführen. Besonders eindrucksvoll ist die Zugabe, als das String Vision Quartett, begleitet von Stroboskopblitzen, die Turnhallenlounge für Momente in einen Technotempel verwandelt. Lang anhaltender Applaus belohnt die vier Musiker für eine formidable Vorstellung.

„Das ist spannend und nicht das, was man sich unter einem klassischen Konzert vorstellt“, sagt Paul Siegemund aus dem 13. Schuljahr bereits zur Pause.

In der Technikgruppe hat er an Ton – die Instrumente des Vision-String Quartetts werden in diesem Konzert elektronisch abgenommen – und Licht mitgewirkt. Gegenüber Schulfesten und Abibällen seien die Anforderungen an die 20 Personen starke Technikcrew des PWG ganz andere gewesen als sonst. Siegemund: „Spannend und anspruchsvoll.“

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