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Neue Ladestationen für E-Autos kosten Geld, nicht nur den Eigentümer

Merschbach : E-Mobilität sorgt für Ärger in Merschbach

Neue Ladestationen für E-Autos benötigen ausreichend starke Leitungen. Möglicherweise kostet das auch Hausbesitzer ohne eigene Station Geld. Und das kann auch in anderen Kommunen der Fall sein.

Der Energieversorger Westnetz bringt die Ortsgemeinde Merschbach bezüglich ihrer Stromversorgung auf den neuesten Stand. Eigentlich ein Grund zur Freude. Aber in dem rund 70 Einwohner zählenden Dorf sorgt dies für Ärger, weil die Bürger dafür selbst in ihre Geldbörse greifen müssen. Doch ist das wohl nur ein Vorgriff darauf, was auch Bürger in anderen Dörfern und Gemeinden betreffen könnte.

Um was geht es? Der Merschbacher Witold Bogacki will seine sechs Ferienwohnungen auch für Gäste mit E-Autos attraktiv machen. Dafür hat er beim Energieversorger Westnetz drei Ladesäulen zu 22 Kilowatt geordert. Allerdings werden die Merschbacher Häuser bisher über Freiluftleitungen mit Strom versorgt, die nicht in der Lage sind, die erforderlichen Strommengen zu transportieren. Deshalb wird die Stromversorgung von den freiliegenden Kabeln auf neue Leitungen umgelegt, die künftig unter der Erde verlaufen.

Durch einen kontinuierlich wachsenden Leistungsbedarf in den örtlichen Versorgungsnetzen sei es in vielen Gemeinden notwendig, ältere Freileitungsnetze durch deutlich leistungsstärkere Erdkabelnetzanlagen auszutauschen, sagt David Kryszons von Westnetz. „Dieser Zuwachs führt auch in der Gemeinde Merschbach dazu, dass Teile des Freileitungsnetzes den technischen Anforderungen nicht mehr genügen“, sagt er. Aktuell liege dem Energieversorger ein Antrag zur Installation einer Ladeeinrichtung für Elektrofahrzeuge in Merschbach vor. „Als örtlicher Verteilnetzbetreiber sind wir nach dem Energiewirtschaftsgesetz dazu verpflichtet, unserer Versorgungspflicht nachzukommen und die technischen Voraussetzungen zum Anschluss zu schaffen“, sagt Kryszons. 

Das hat Konsequenzen für eine Reihe von Merschbachern. Denn Straßen, deren Asphaltdecke laut einem Anwohner erst 15 Jahre alt sind, müssen aufgebaggert werden, um die Kabel zu verlegen und in allen anliegenden Immobilien die Stromversorgung über einen sogenannten Hausanschlusskasten umzustellen. Diese Kosten trägt Westnetz. Alle Hausbesitzer, deren Anschlüsse so umgelegt werden, müssen jedoch die Arbeiten selber zahlen, mit denen ihre jeweilige Stromversorgung dann vom neuen Anschluss im Keller oder im Erdgeschoss zum Zählerkasten geführt wird. Westnetz habe alle betroffenen Anwohner sowie Vertreter der Orts- und der Verbandsgemeinde schriftlich und mündlich mehrfach über das Vorhaben informiert, sagt Kryszons.

Ortsbürgermeisterin Iris Hornberg kritisiert das Vorgehen des Investors Bogacki. „Ich hätte mir gewünscht, dass der Bürger den Gemeinderat kontaktiert hätte“, sagt sie. Zumal dieser auch Mitglied in dem Gremium sei. Dann hätte man dort über das Vorhaben sprechen können. „Jetzt läuft es hintenrum“, sagt sie. Andere Einwohner hätten Bogacki auf seine Pläne angesprochen, aber er habe sich „weggeduckt“, sagt sie.

Bogacki sagt, er möchte seinen Gästen Ladesäulen anbieten und so seinen Kundenstamm erweitern. „Das ist die Zukunft“, sagt er. Die Ladegeräte, sogenannte Wallboxen, würden derzeit vom Staat mit jeweils 900 Euro gefördert. Seine Ladesäulen seien der Tropfen, der kapazitätsmäßig das Fass in Merschbach zum Überlaufen bringe. Das Kabel sei dafür nicht ausreichend dimensioniert. „Ich will den Leuten nicht schaden, aber soll ich auf Anschlüsse verzichten?“ fragt er.

In den kommenden Jahren würden diese Arbeiten sowieso kommen, wenn sich mehr Merschbacher ein E-Auto zulegten, sagt er. Auch Mieter hätten ein gesetzliches Anrecht darauf, dass ihre Vermieter Ladestellen für E-Autos anbieten.

Und auch bei Neubauten müssten entsprechende Anschlüsse einplant werden.