Polizei schnappt immer mehr Straftäter

Polizei : Polizei schnappt immer mehr Straftäter

Die Aufklärungsquote hat im Kreis fast überall zugelegt und übersteigt den Landesdurchschnitt. Einen deutlichen Ausreißer nach oben gibt es im Bereich der PI Morbach. Und das liegt an einer einzigen Person.

Die beste Nachricht vorab: „In Wittlich und Umgebung lebt es sich sehr sicher. Das Risiko, hier Opfer einer Straftat zu werden, ist statistisch gesehen deutlich geringer als im Landes- und Bundesdurchschnitt.“ Diese Bilanz ziehen Dominik Sienkiewicz, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Wittlich, und Bernd Rehm, Leiter der Kriminalinspektion (KI) Wittlich, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2018. Diesem Fazit können sich die Verantwortlichen in den anderen Polizeiinspektionen durchaus anschließen.

Wittlich Die Anzahl der Straftaten im Bereich der PI Wittlich ist mit 2941 im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr (3080) leicht gesunken. Es wurden 139 Straftaten weniger registriert. Gleichzeitig ist das Entdeckungsrisiko für die Täter hoch. Fast drei Viertel der Straftaten werden aufgeklärt. Die Quote stieg um 0,3 auf 72,4 Prozent. Diese Zahl liegt erheblich über dem Landesdurchschnitt von 63,7 Prozent.

Die Anzahl der Körperverletzungen insgesamt (419 registrierte Fälle; im Vorjahr 437), hat leicht abgenommen. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 auf 94,4 Prozent (2017: 93) angewachsen. Die Mehrzahl der Vorkommnisse habe sich entweder im Zusammenhang mit öffentlichen Veranstaltungen oder in engen sozialen Beziehungen ereignet. Auf die Delikte bei öffentlichen Veranstaltungen reagiere die Polizei unter anderem mit gezielter Präsenz. Menschen, die bereits als „Schläger“ in Erscheinung getreten seien, würden im Vorfeld kontaktiert. Wenn nötig, werde ein Platzverweis oder ein Aufenthaltsverbot erlassen.

74 Fälle von registrierter Gewalt in engen sozialen Beziehungen gab es 2018 (im Vorjahr: 72). Insbesondere in diesem Bereich geht die Polizei von einer hohen Dunkelziffer aus. Die stetig wachsenden Fallzahlen könnten, so vermuten die Beamten, auf ein verändertes Anzeigeverhalten der Opfer zurückzuführen sein. Wie bereits im Jahr 2017 sei 2018 ein Rückgang bei den Diebstählen zu erkennen, wie die beiden Polizeichefs bilanzieren. Bei schweren Diebstahlsdelikten sank die Zahl der Straftaten von 265 auf 241. Aufgeklärt werden konnten 24,1 Prozent (Vorjahr:17,2 Prozent). Auch bei leichten Delikten gingen die Zahlen um 1,45 Prozent von 413 auf 407 zurück. Die Rauschgiftkriminalität bleibe mit 483 Delikten auf hohem Niveau. Dies bedeute gegenüber dem Vorjahr (2017: 509) einen leichtes Minus von 26 Fällen.

Bernkastel-Kues Mehr Delikte, eine stabile Aufklärungsquote – so lässt sich die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues bilanzieren. 2018 kam es nach Angaben von PI-Leiter Klaus Herrmann zu 1025 Straftaten gegenüber 991 Delikten im Jahr 2017, was einer Steigerung von 34 Fällen entspricht. Von den registrierten Straftaten blieben 69 im Versuchsstadium. Täter seien oft deshalb nicht erfolgreich gewesen, weil sie beispielsweise durch Alarmanlagen abgeschreckt wurden. Die Aufklärungsquote aus dem Vorjahr von rund 66 Prozent sei 2018 gehalten worden.

Die Befürchtung, dass durch den starken Tourismus auch vermehrt Diebe auf die Straßen der Region gelockt werden könnten, hält der PI-Leiter für unbegründet. Es wurden weder vermehrt Fahrrad- (17 Fälle) noch Taschendiebstähle (ein Fall) registriert. Den Ermittlern sei es gelungen, eine Serie von Einbrüchen in Gaststätten zu klären. Gefasst worden sei eine Bande aus dem Raum Trier, die vier Einbrüche in Lokale und Hotels unter anderem in Neumagen-Dhron und Bernkastel-Kues verübte. Erfreulich sei der Rückgang bei den Körperverletzungen (21 Fälle).

Morbach Auf den ersten Blick fällt die PI Morbach mit ihren Zahlen völlig aus dem Rahmen. Die Zahl der Straftaten in ihrem Bereich hat von 736 auf 1073 zugenommen. Das bedeutet eine erhebliche Steigerung zum Vorjahr von 337 Fällen und 45,8 Prozent. Das klingt besorgniserregend, doch Polizeihauptkommissar Thorsten Schöneck hat eine einfache Erklärung: Auf das Konto eines einzigen Tatverdächtigen im Bereich der Internetkriminalität gingen mehrere hundert Delikte. Da der Mann ermittelt wurde, schnellt parallel dazu auch die Aufklärungsquote von 66,7 auf 82,4 Prozent hoch. Das bedeutet ein Plus von 15,7 Prozentpunkten. Nur ein Teil der Straftaten wird in Morbach bearbeitet, den anderen übernehmen Beamte der Kriminalinspektion Idar-Oberstein. Schönecks Analyse befasst sich ausschließlich mit den Fällen, die in Morbach bearbeitet wurden. Einen Zuwachs gab es bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (+ zwei Fälle), Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (+ sechs Fälle). Zurückgegangen seien Diebstähle ohne erschwerende Umstände (– neun Fälle), Diebstähle unter erschwerenden Umständen (– sechs ) sowie Vermögens- und Fälschungsdelikte (– ein Fall). Mit deutlich mehr Körperverletzungen als 2017 hatten die Beamten zu tun. Die Zahl ist von 82 auf 92 (plus 19,3 Prozent) gestiegen. 86 von ihnen konnten aufgeklärt werden. Im Vergleich zu 2017 wurden 13 Menschen mehr beleidigt. In sieben Fällen seien Polizeibeamte die Leidtragenden gewesen.

Zell/Traben-Trarbach 2018 gab es mehr „verletzte, betrogene, gestalkte oder gedemütigte Personen“ als im Vorjahr gab es laut PI-Chef Lothar Schneider im Bereich der Polizeiinspektion Zell, zu der Traben-Trarbach gehört. Die Zahl der Ermittlungsverfahren wuchs um 83 auf 1391 Fälle an. Es wurden mit 71,7 Prozent insgesamt 1,7 Prozent mehr Fälle aufgeklärt als 2017. Mit zwei Straftaten gegen das Leben – ein versuchter Totschlag und ein vollendetes Tötungsdelikt – hatten die Beamten 2018 laut Schneider zu tun. Beide Fälle seien geklärt.

Mit einem Plus von drei Fällen steigt die Zahl der Rohheitsdelikte auf 239. 2018 sei es zu zwei räuberischen Erpressungen gekommen. Deutlich zugenommen hat die Zahl der registrierten Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Statt mit 38 (2017) hatten die Beamten im vergangenen Jahr mit 68 dieser Straftaten zu tun. Alle Fälle wurden aufgeklärt.

Beunruhigend ist die Entwicklung im Bereich der Rauschgiftkriminalität: Innerhalb von zwei Jahren registrierte die Zeller Polizei mit 237 Fällen einen Anstieg um 141 Vorkommnisse.

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