Bildung : In Manderscheid sind Fake-Profile und Nacktfotos Thema im Schulunterricht

Beim Umgang mit Smartphones und in sozialen Netzwerken werden Kinder oft mit problematischen Inhalten konfrontiert. Die Realschule plus in Manderscheid macht dafür fit.

Von Pauschalierungen hält Rektor Karl Weins von der Realschule plus Manderscheid ja so gar nichts. Deshalb hat ihn die Kritik, die der stellvertretende Elternbeirat der Region Trier, Patrick Schenk, im TV geäußert hat, etwas auf die Palme gebracht. Schenk hatte in einen TV-Bericht vom 15. Mai zum Fall des von Jugendlichen verschickten Kinderporno-Videos im Raum Wittlich/Trier (der TV berichtete) den Schulen in der Region Mängel bei der Prävention vorgeworfen. „Wir ermöglichen unseren Kindern, die Handys zu kaufen, zeigen ihnen aber nicht, wie man damit umgeht“, hatte Schenk gesagt. „Ich kann nicht verstehen, weshalb wir unsere Kinder damit so alleine lassen und ihnen nicht helfen!“ Seiner Meinung nach  müsse die Prävention, Aufklärung und Kompetenz im Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken ein fester Bestandteil im Lehrplan sowie im Stundenplan werden, hatte der stellvertretende Elternbeirat im TV-Bericht geäußert. Diese Worte waren an die Schulen in der Region adressiert.

Rektor Karl Weins sieht seine  Realschule plus Manderscheid damit jedoch zu Unrecht ins falsche Licht gerückt. „Kommen Sie vorbei und überzeugen Sie sich bitte davon, wie wir den Umgang mit sozialen Netzwerken im Unterricht thematisieren“, hatte Weins dem TV-Reporter am anderen Ende der Telefonleitung deshalb vorgeschlagen. Ein Angebot, das man nicht abschlagen kann.

An einem Montagmorgen im Konferenzraum der Realschule plus in Manderscheid: Bevor es in den Unterricht geht, erklären Konrektorin Christine Brenner, Schulsozialarbeiterin Ramona Eiserloh und Kai Sonnemann, Lehrer für Medienerziehung, die Strategie der Schule, was den Umgang der Schüler mit Smartphones und den sozialen Netzwerken betrifft. „Die klassischen Konflikte und Probleme, die sich durch die Benutzung von Smartphones und soziale Netzwerke wie bei WhatsApp ergeben, thematisieren wir bereits in der fünften Klasse“, sagt Schulsozialarbeiterin Eiserloh.

An der Realschule plus Manderscheid werde in Einzelfällen auch mit Handys im Unterricht gearbeitet, sagt Konrektorin Christine Brenner. „Aber nur, wenn es Sinn macht. Ansonsten dürfen die Schüler hier keine Handys benutzen, damit sie hier nicht wild ihren Kontakten nachgehen.“

Dennoch würden Probleme  wie Beleidigungen und Nacktfotos in WhatsApp-Gruppen, die Kinder und Jugendliche mit ihren Handys in Chatgruppen verschicken würden, in die Schulen hineingetragen, erklärt Brenner.

Damit so etwas möglichst selten passiert und die Schüler wissen, wo die Grenzen liegen, habe die Schule bereits vor Jahren ein Konzept zur Prävention entwickelt, sagt  Eiserloh. Im Unterricht von Kai Sonnemann, Lehrer für Medienerziehung und informatische Bildung, der dem TV  Einblicke in seinen Unterricht gewährt, werden die Schüler über die Gefahren und Risiken in sozialen Netzwerken und Nachrichtengruppen aufgeklärt. So auch die Schüler der sechsten Klasse, die Sonnemann am Montagmorgen in der dritten Unterrichtsstunde unterrichtet. „Was stelle ich selbst von mir ins Netz und was lasse ich dahingehend besser sein?“, fragt Sonnemann die Schüler, mit denen er die Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken besprechen will.

Ein Junge antwortet: „Ich würde keine Bilder von mir ins Netz stellen oder posten, weil die ein Leben lang online stehen.“ Wie das denn sein könne, hakt Sonnemann nach. „Kann man  die Bilder denn nicht selbst wieder löschen?“ Es könne trotzdem ewig im Internet oder in sozialen Netzwerken zu sehen sein, meint eine Schülerin, weil jemand einen Screenshot (Bildschirmfoto) machen könne und das Bild weiter verbreiten könne.

Mit Sonnemann lernen die Kinder im Alter zwischen elf und zwölf Jahren unter anderem noch, welche Arten von Bildern, Videos und Informationen der Privatsphäre eines Menschen zuzurechnen sind und keinesfalls in die Öffentlichkeit gelangen sollten.

Dabei geht es auch um Nacktbilder, Partybilder und andere intime Details, mit denen man sich beispielsweise im Netz erpressbar machen könnte oder die potenzielle Arbeitgeber im Bewerbungsverfahren besser nicht im eigenen Facebook-Profil sehen sollten. „Wir haben schon öfters darüber gesprochen“, verrät ein Schüler dem TV-Reporter nach dem Pausengong.

Risiken und Gefahren für Kinder und Jugendliche in  sozialen Netzwerke werden an der Realschule plus Manderscheid also nicht tabuisiert und unter den Teppich gekehrt, wie der Unterrichtsbesuch beweist. Sonnemann: „Deshalb haben wir auch nur geringe Probleme mit Handys, was auf unsere gute präventive Arbeit zurückzuführen ist.“

Meinung

Christian Moeris

Vorbildliches Muster für den Lehrplan

Elternabende in Zusammenarbeit mit der Polizei, Schulstunden mit der Verbraucherzentrale und dazu  Unterricht zur Medienkompetenz sowie präventive Maßnahmen der  Schul­sozialarbeit: Die Realschule plus Manderscheid hat ein überzeugendes Konzept zur Prävention erarbeitet, das Schüler in Bezug auf die Risiken der sozialen Netzwerke und der Smartphone-Nutzung  sensibilisiert.  Dennoch wird es Zeit, dass das Bildungsministerium die Thematik im Lehrplan verankert und zu diesem Themenfeld flächendeckend eine Fortbildung für die Lehrkräfte anbietet. Die Vermittlung dieses heute für den Lebensalltag eines jeden Kindes und Jugendlichen wichtige Wissen darf nicht vom Engagement einzelner Schulen und Lehrer abhängen, sondern muss flächendeckend an jeder Schule gleichermaßen gelehrt werden. c.moeris@volksfreund.de