Römische Legionäre in Vindriacum

Römische Legionäre in Vindriacum

WINTRICH. In Wintrich beginnt am 2. März die Passionsspielzeit. Darsteller und Sänger bereiten sich intensiv auf ihren Einsatz vor. Auch römische Besatzungslegionäre haben ihren Platz bei den Passionsspielen.

Die Römer waren vor 2000 Jahren im Moseltal präsent, allerorten stößt man noch heute auf römische Funde. Auch der Ort Wintrich, zur Römerzeit "Vindriacum" genannt, bildet da keine Ausnahme. Oder doch? Denn hier findet die Begegnung mit römischer Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes noch "leibhaftig" statt. Denn in Wintrich hat die "Epoche" der Passionsspielzeit begonnen. "Die Römer kommen gleich, die müssen nur noch den Barrabas festnehmen", ruft die Kinderschar, die auf ihren nächsten Bühnenauftritt in der Kirche wartet. Dann erscheinen die vier römischen Besatzungslegionäre Andreas Wiens, Carsten Schneider, Florian Auler und Matthias Engelhardt in ihren blankpolierten Rüstungen und Helmen und stellen sich fürs Gruppenfoto in Position. In ihrem originalgetreuen, aufwändig gearbeiteten "Maßanzug" machen sie eine imposante Figur. Insgesamt sind es acht Römer, denn die Rollen beim Passionsspiel sind doppelt besetzt. Und wie fühlt man sich unter soviel Metall? "Sehr erhaben", gibt Engelhardt schnunzelnd zu. Der Schienenpanzer (Segmentata) sei ziemlich schwer und die Bewegung daher sehr eingeschränkt. Dagegen haben die nackten Füße in den ledernen Riemensandalen umso mehr luftige Bewegungsfreiheit. Klaus Gietzen, der bei der Wintricher Passion den Anas verkörpert, hat nach Vorlagen aus dem Römisch-Germanischen Museum in Mainz die Ausstattung der Römer aus Wintrich handgefertigt. "Bei der Wiederaufnahme der Wintricher Passionsspiele 1997 hatten wir nur eine einzige ausgeliehene Segmentata", berichtet Gietzen. Da aber sechs Stück benötigt wurden, kam dem früheren Maschinenschlosser die Idee, selbst tätig zu werden. Nach genauer Vermessung der Originalrüstung ging er ans zeitaufwändige Werk. Der Panzer besteht aus zahlreichen, ein Millimeter dicken Blechsegmenten, die mit Lederriemen verbunden und vernietet sind. Die Römer kannten weder Edelstahl noch Zink, und so muss die Segmentata nach jeder Aufführung aufs neue blitzeblank geputzt werden. Zur Ausrüstung gehören auch der Gürtel (Kingulum) aus Messingplatten und Leder. Den Helm hat Gietzen nach dem im Rhein bei Mainz-Weisenau entdeckten Originalfundstück (Mainzer Museum) gefertigt. Der Messinghelm mit Schlagschutz und Wangenklappen ist aus einem Stück geklopft. Fehlt noch die Hauptwaffe eines Legionärs, der Wurfspeer (Pilum), gefertigt aus einem Holzstab und einer geschmiedeten, 60 Zentimeter langen Metallspitze. Schutz bot dem römischen Legionär das Schild (Scuta) aus Holz und Messingblech, das außen mit Leder beklebt und mit typischen Legionärszeichen bemalt ist. Die Rüstung mit allem Zubehör ist wahrlich kein Leichtgewicht: rund 35 Kilogramm hat der Römer zu tragen.Was trägt der Römer unterm Panzer?

Bleibt noch die Frage: "Was trägt der Römer unterm Panzer?" Früher war es eine Tunika aus rauhem Leinen. Heute trägt der Legionär eine Tunika aus rotem Wollstoff und eine Untertunika aus weißem Leinen - genäht von den fleißigen Wintricher Näherinnen. Rund 100 Stunden benötigt Gietzen für die Herstellung einer römischen Ausrüstung. Und arbeitslos wird er wohl nie. Denn auch für die Römergruppe "vigilia romana vindriacum", bei der er selbst als Römer aktiv mitwirkt, ist immer etwas zu tun. Die Gruppe aus zwölf Legionären, 14 Frauen und einem Weinhändler hat sich 1997 aus der Römergruppe der Passionsspiele gebildet. Die Gruppe in originalgetreuer Ausstattung ist mittlerweile über die Landesgrenzen hinweg bekannt und von Xanten über Wien bis Rom für entsprechende historische Veranstaltungen sehr gefragt.