1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Schulessen: In VG Wittlich-Land wird an zwei Schulen frisch gekocht

Schule : Für Mutige gibt’s ein Schälchen extra

In der Verbandsgemeinde Wittlich-Land wird an zwei Schulen frisch gekocht. Alle anderen bekommen das Essen von Caterern geliefert. Das soll sich ändern, doch die meisten Gemeinden müssten dafür investieren.

Hannes holt sich gleich noch einen Nachschlag. Die mit Käse und Bacon gefüllten Kartoffelnester schmecken dem Hasborner Grundschüler. Und da ist er nicht der Einzige. Einige lassen sich eine zweite Portion geben, von dem Gericht, dass Hauswirtschafterin Pia Schmitz heute zum ersten Mal auf den Tisch gebracht hat. Seit etwa zwei Jahren, seitdem das Bürgerhaus, dass an die Grundschule grenzt, fertig gestellt ist, kann die Schule die professionell eingerichtete Küche nutzen und es wird frisch gekocht. Vorher hat Pia Schmitz das Essen vom Caterer ausgegeben.

Schulleiterin Christine Hahn erklärt: „Wir haben den Wunsch schon länger an die Gemeinde und Verbandsgemeinde herangetragen, und schließlich hat es funktioniert. Die Kinder sind das vom Kindergarten her gewohnt und es ist eine wertvolle Erfahrung für sie.“

Die Vorteile sieht die Hauswirtschafterin darin, dass man das Essen individueller gestalten und auf den Punkt genau zubereiten kann. Außerdem können die Speisepläne abwechslungsreicher sein.

Damit möglichst viele Grundschüler diese Erfahrung machen können, soll an vielen Grundschulen der Verbandsgemeinde ein frisch gekochtes Essen in der Schule umgesetzt werden. Aktuell ist das in Hasborn und in Sehlem der Fall. Dazu Carina Alt-Linden, von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land: „Uns ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung unserer Schulkinder sehr wichtig. Die Caterer haben dabei strenge Auflagen zu erfüllen, wobei sie ihre Standards hier sogar freiwillig höhergeschraubt haben. Sie verwenden beispielsweise in vielen Bereichen regionale Produkte, in Teilen auch Bioprodukte.“

Der Anstoß, in der Schule frisch gekochtes Essen anzubieten kam aus der Ortsgemeinde Sehlem, weil sie noch freie Kapazitäten in der Küche der Kita hatte und die Grundschule direkt gegenüber liegt. Umsetzbar wäre es in weiteren Gemeinden, die gleichzeitig Grundschul- und Kitastandort sind.

Mit Binsfeld ist die Verbandsgemeinde aktuell im Abstimmungsprozess. An den anderen Schulen müsste angebaut werden, mit einer Komplett- Einrichtung von Gewerbeküchen, Lagerräumen. Dazu müsste Personal eingestellt werden. Carina Alt-Linden erklärt: „Da die Baukosten nicht auf das Essen umgerechnet werden können, es dürfen nur die Kosten für die Lebensmittel zur Herstellung des Mittagessens berechnet werden, wird man hier nie eine kostendeckende Maßnahme umgesetzt bekommen.“

Aktuell liegen die Preise für ein Mittagessen, dass vom Caterer angeliefert wird bei 2,85 Euro beziehungsweise 2,95 Euro, der Preis für in den Schulen zubereitetes Essen bei 3,50 Euro. Diesen Betrag pro Mahlzeit zahlen die Eltern komplett. Insgesamt essen 377 Grundschüler von 1125 an ihren Schulen. Das sind 34 Prozent. Maximal werden 255 Essen an einem Tag ausgegeben, mindestens 169, je nachdem wie viele Kinder an den jeweiligen Tagen angemeldet sind.

Einen Zeitplan, wann die Kinder flächendeckend in der Grundschule Gekochtes essen können, gibt es nicht. Carina Alt-Linden stellt klar: „Ohne Synergieeffekte vor Ort ist das nicht zu finanzieren, denn es sind freiwillige Leistungen, an denen sich die Ortsgemeinden beteiligen würden.“

Die Hasborner Schüler, die sich heute neben frischer Gemüserohkost auch auf einen Joghurtnachtisch freuen können, ist das kein Thema mehr. Sie essen gerne, was Pia Schmitz ihnen kocht, ganz oben steht Pizza Margarita, Fischburger und auch Linsenlasagne. Und für die ganz „Mutigen“ gibt es zudem ein Schälchen mit Lebensmitteln, die etwas außergewöhnlicher sind, beispielsweise Oliven. „So werden die Kinder dazu angeregt, auch mal was zu probieren, was sie sonst kategorisch ablehnen würden“, sagt Christiane Hahn.