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Trittenheim kämpft um seine Schule

Trittenheim kämpft um seine Schule

Die drohende Schließung schweißt Eltern, Lehrer, Schulträger und Gemeinde noch mehr zusammen.

Trittenheim. 41 Grundschulen im Land droht die Schließung, weil sie nach dem Schulgesetz zu klein sind. Auch Trittenheim steht auf der Kippe. Bei aktuell 29 Schülern werden in dem Moselort zwei gemischte Klassen vom ersten bis vierten Schuljahr unterrichtet. Das Gesetz schreibt jedoch vor, dass mindestens eine Klasse pro Klassenstufe gebildet werden muss. "Wir werden niemals vier Klassen hinkriegen, aber zwei stabile Klassen", sagt Christiane Horsch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Schweich.
Die VG als Schulträger und die Ortsgemeinde Trittenheim wollen die Trittenheimer Schule erhalten. Das haben Horsch und Ortsbürgermeister Franz-Josef Bollig bei einem Infoabend am Dienstag im Jugendheim deutlich gemacht. Und auch Eltern, Schüler und Lehrer stehen voll und ganz hinter der Schule.

Nicht nur die Zahlen sollten bei den politisch Verantwortlichen zählen, bemerkt Ortschef Bollig. "Wir wollen ein offenes Ohr finden für die pädagogischen Vorteile, die unsere Schule hat." Demnächst werde ein Baugebiet mit 34 Baustellen im Ort entwickelt, kündigt Bollig an. Laut einer Gemeindestatistik wird angenommen, dass durch das Baugebiet vier Kinder mehr in die Grundschule gehen. Im Schuljahr 2010/21 wird das Maximum mit 42 Schülern erwartet. Doch auch diese Zahl reicht nur für zwei gemischte Klassen. Danach geht die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2023/24 auf 31 zurück.

Noch ist unklar, ob das Land aus wirtschaftlichen Gründen Zwergschulen aufgibt, wie es der Rechnungshof gefordert hat, oder ob es weiterhin Ausnahmen bei der Mindestgröße geben darf. Kürzlich wurde in Mainz eine Petition mit 26 000 Unterschriften an Bildungsministerin Stefanie Hubig übergeben.
Die Schulträger sollen nun bis zum September ein Konzept vorlegen - unter Berücksichtigung der örtlichen Situation und der demografischen Entwicklung. Was Trittenheim angeht, hat sich bereits der Gemeinderat eindeutig für den Erhalt der Schule ausgesprochen. Bürgermeisterin Horsch geht davon aus, dass dies der Verbandsgemeinderat Schweich in seiner Sitzung am 29. Juni ebenso tun wird. Der jahrgangsgemischte Unterricht biete viele Vorteile, sagt die Verwaltungschefin.

Das bestätigen Eltern und Lehrer. "Die Kinder müssen sich in kleinen Gruppen mehr mit den Dingen auseinandersetzen als an großen Schulen, sie werden als Individuum gesehen und gefördert", sagt Schulelternsprecherin Vera Döhrn. Schule und Dorf seien eine Einheit, bei Projekten und anderen Gelegenheiten bekomme man immer Hilfe, unterstreicht Anett Mantzel, die Vorsitzende des Schulfördervereins. Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler (Temmels) glaubt nicht, dass die Schließung von kleinen Schulen unter dem Strich den erhofften Spareffekt bringt. Im ersten Moment spare zwar das Land Geld, aber es könne teurer werden für Schulträger und Kommunen.

Auch Schulleiterin Silke von Juterzenka bricht eine Lanze für die kleine Trittenheimer Schule. Ihre Argumente: zufriedene Kinder, Eltern und Lehrer, aufwendige Unterrichtsvorbereitung (um dem verschiedenen Alter und Entwicklungsstand der Kinder entgegenzukommen), individuelles Arbeiten, gute Unterrichtsatmosphäre und individuelle Betreuung ("Wir kennen jedes Kind genau"). Sie verweist auf den geringen Krankenstand im Kollegium und den geringen Unterrichtsausfall.
Juterzenkas positive Erfahrungen entsprechen in weiten Teilen den Ergebnissen einer Studie, in der Hochschulen in der Schweiz und Österreich "kleine Schulen im alpinen Raum" unter die Lupe genommen haben ( www.schulealpin.org )Meinung

Trittenheim kämpft um seine Schule
Foto: (h_tl )

41 Konzepte und eine merkwürdige Logik
Das Wohl und Wehe der 41 Zwergschulen, die auf der Schwarzen Liste des Landes stehen, hängt nun also von Konzepten ab, die bis zum Herbst erstellt werden sollen. So weit, so schlecht. Was erwartet man sich eigentlich in Mainz von diesem Arbeitsauftrag? Etwa eindeutige Aufschlüsse darüber, wo nachher der Daumen hoch oder runter geht? Jedes Dorf und jede Schule wird gute und nachvollziehbare Argumente für den Erhalt finden. Und ob unter dem Strich tatsächlich gespart wird, wenn eine Einrichtung dicht macht und eine Schulimmobilie automatisch der Gemeinde zufällt, womöglich noch mit Turnhalle, ist eine äußerst gewagte Rechnung. Auch ist es eine merkwürdige Logik, als Grund für eine Schulschließung den demografischen Wandel anzugeben. Wer so denkt, hat die kleinen Dörfer tatsächlich schon abgeschrieben. a.follmann@volksfreund.de