1. Region

Politiker gegen Verbot von militärischen Übungsflügen über der Region.

Militär : „Piloten müssen gut ausgebildet sein“

Nach dem Absturz von zwei Bundeswehr-Kampfjets: Politiker gegen Verbot von militärischen Übungsflügen über der Region.

Über die Köpfe der Menschen und die Häuser der Region fliegen viele Flugzeuge. Neben den zivilen Maschinen sind vor allem Militär-Jets, die häufig für Lärm und auch Angst sorgen. Im Vergleich zu anderen Regionen sind es deutlich mehr Militärflugzeuge, die hier in der Luft sind und üben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des saarländischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Markus Tressel hervor. Regelmäßig fragt der Politiker die Flugbewegungen in der militärischen Übungszone namens TRA Lauter ab. Diese erstreckt sich von der Südeifel über Wittlich, das Moseltal, den Hochwald, die Pfalz und das Saarland. Vier solcher Übungszonen gibt es in Deutschland. 2017, so heißt es in der Antwort der Bundesregierung, habe es noch eine „ungefähre Gleichverteilung“ der militärischen Übungsflüge auf die vier Zonen gegeben. Aufgrund „veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen“ sei der Übungsbetrieb der Luftwaffe und der US-Streitkräfte gestiegen, und zwar zuungunsten von TRA Lauter. 634 Flüge wurden im vergangenen Jahr in der Zone registriert (der TV berichtete), insgesamt 821 Stunden lang wurde geübt.

Nach dem Absturz zweier Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern wächst aber die Angst, dass sich so etwas auch innerhalb der Übungszone ereignen könne.

Die Trierer Grünen-Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer fordert eine Reduzierung der Flüge. „Wer noch nie in Spangdahlem oder in der Nähe einer anderen Airbase war, hat keine Ahnung, welch enorme Belastung militärische Übungsflüge für die Menschen vor Ort darstellen – vor allem durch den unterträglichen Fluglärm“, sagt die Politikerin. Es müsse eine kritische Abwägung „von Notwendigkeiten, Risiken und Belastung der Menschen stattfinden“, sagt ihr Fraktionskollege Tobias Lindner. Die Sicherheit aller Menschen in der Luft wie auf dem Boden müsse stets im Vordergrund stehen.

Auch in der Region hat es in der Vergangenheit Abstürze von Kampfjets gegeben. Etwa 2011 bei Lauffeld (Kreis Bernkastel-Wittlich), als eine US-Maschine in ein Feld stürzte. Stationiert war sie auf der Airbase Spangdahlem. Er sei empört, wie selbst­verständlich beispielsweise in der Nähe der Airbase Spangdahlem „über Leben und Gesundheit der Menschen hinweggegangen“ werde, sagt der Trierer Friedensaktivist Markus Pflüger.

„Ich halte alle Militär-Übungsflüge in der Region für gefährlich und auch schädlich.“ Abstürze, wie die in Mecklenburg-Vorpommern, führten die „immensen Gefahren, Schäden und Kosten solcher Kampfflugzeuge“ vor Augen.

Weniger kritisch sehen Landespolitiker die Übungsflüge. „Glücklicherweise sind Unfälle mit Militärflugzeugen in Deutschland ein seltenes Ereignis“, sagt die Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion, Cornelia Willius-Senzer. Militärpiloten müssten gut ausgebildet sein. Gleichzeitig müssten auch Einsatzszenarien trainiert werden. „Daher sind wir der Auffassung, dass die Übungsflüge, unter der Einhaltung strenger Sicherheitsrichtlinien, auch weiterhin durchgeführt werden müssen.“ Diese Ansicht vertritt auch der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen: „Es ist wichtig, dass trainiert wird, damit man im Fall des Falles einsatzbereit ist.“ So argumentiert auch der rheinland-pfälzische AfD-Chef Uwe Junge. „Die Trainings- und Ausbildungsübungen dienen der Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsfähigkeit und sind erforderlich.“ In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland ließen sich Flüge über bewohntem Gebiet trotz vermehrter Übungen über dem Meer nicht verhindern.

Das sagt auch der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Martin Haller. Aus gutem Grund gebe es in Deutschland die Bundeswehr. „Und dementsprechend auch Luftstreitkräfte, die üben müssen. Es gilt also, der Luftwaffe auch Übungsmöglichkeiten einzuräumen“, sagte Haller unserer Zeitung.