Berufsanfänger stehen unter hohem Druck

Berufsanfänger stehen unter hohem Druck

Der Nachwuchs in rheinland-pfälzischen Unternehmen lässt sich deutlich öfter krankschreiben als ältere Kollegen. Das ist das Ergebnis einer Gesundheitsstudie. Unter den Arbeitnehmern insgesamt ist der Krankenstand in der Region aber leicht zurückgegangen.

Trier. Der Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) birgt eine Überraschung: Junge Mitarbeiter rheinland-pfälzischer Betriebe melden sich deutlich öfter krank als ihre älteren Kollegen. "Wir erwarten eigentlich, dass jüngere Menschen besonders gesund und leistungsfähig sind. Trotzdem melden sie sich öfter krank als andere Mitarbeiter", sagt Dietmar Wagner, Chef der DAK Trier, während der Präsentation der Studie im Gesundheitsamt Trier.
Oft spielt die Psyche nicht mit


Die DAK hat bundesweit Fehlzeiten von 15 bis 29 Jahre alten Arbeitnehmern mit denen aller bei der DAK versicherten Beschäftigten verglichen. Am häufigsten stellen die Ärzte Krankheiten im Atmungssystem, Verdauungstrakt und Infektionen fest. Wegen dieser Beschwerden fehlen die jungen Leute um bis zu 50 Prozent häufiger als die älteren.
Warum das so ist, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. "Wir stellen aber fest, dass der Nachwuchs in den Unternehmen unter sehr hohem Leistungsdruck steht. Auch Burnout wird schon diagnostiziert", sagt Wagner. Neben dem Rücken ist es oft die Psyche, die nicht mitspielt. Es treten etwa Anpassungsstörungen, also Reaktionen auf belastende Ereignisse, Depressionen oder körperliche Beschwerden ohne organische Ursache (somatoforme Störungen) auf.
Ein Hinweis auf Ursachen könnten die Beschäftigungsverhältnisse sein: Fast ein Drittel der 15- bis 29-Jährigen haben einen befristeten Anstellungsvertrag oder sind Zeitarbeiter. Und fast 40 Prozent schieben Schicht- oder Bereitschaftsdienst. "Junge Arbeitnehmer schätzen ihre Gesundheit schlechter ein als etwa gleichaltrige Schüler oder Studenten", sagt Wagner.
Die vielen Fälle sind für Wagner besorgniserregend. Trotzdem: Der Großteil an Fehlzeiten geht auf das Konto der Älteren. Die Jungen fehlen zwar häufiger, dafür aber nur wenige Tage. Ältere dagegen sind oft chronisch krank und fallen dann über viele Tage oder gar Wochen aus.
Insgesamt fehlen die Arbeitnehmer in der Region weniger in den Betrieben als im Vorjahr. Der Krankenstand ging von 3,7 auf 3,5 leicht zurück (prozentualer Anteil der Fehltage an den Versichertentagen). Die Region liegt damit unter dem Landesdurchschnitt von 3,6 Prozent. 2010 waren es in ganz Rheinland-Pfalz ebenfalls 3,6 Prozent. Die Region Pirmasens und Südwestpfalz nimmt bei den Krankmeldungen mit 4,3 Prozent den Spitzenplatz ein. Keine Region in Rheinland-Pfalz liegt unter dem Bundesdurchschnitt von 3,4 Prozent.
Die häufigsten Krankheiten in der Region Trier: Muskel- und Skelettschäden (Verspannungen, Rückenbeschwerden), Verletzungen, psychische Probleme und Belastungen des Atmungssystems (etwa Grippe). Diese Krankheiten sind für zwei Drittel der Fehlzeiten verantwortlich.
Die Beschwerden am Muskelapparat oder dem Skelett - etwa Bandscheibenvorfälle - haben in der Region zugenommen. Erfreuliche Entwicklung in der Region: Die Fehlzeiten bei psychischen Erkrankungen und Atemwegserkrankungen dagegen sind kürzer geworden.
Begründen kann die Studie das nicht. Doch Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes Trier, gibt Anhaltspunkte: "Wir haben gezielt geimpft, um Grippefälle zu vermeiden. Außerdem haben wir einen gut funktionierenden sozialpsychiatrischen Dienst."