Gastronomie: Dehoga-Kläger legen Vorstandsposten nieder

Gastronomie : Dehoga-Kläger legen Vorstandsposten nieder

Der Streit um die Amtszeit von Gastro-Präsident Gereon Haumann hat in der Region Trier erste personelle Konsequenzen.

Der Hickhack um die vorzeitige Amtszeitverlängerung des rheinland-pfälzischen Gastro-Präsidenten Gereon Haumann geht weiter. In einer Sitzung des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga traten am Montag drei der 32 Kreisverbandsvorsitzenden zurück. Das erfuhr unsere Zeitung aus Teilnehmerkreisen. Am Donnerstagnachmittag bestätigte auch Haumann selbst die Information.

Die Betroffenen, darunter der Trier-Saarburger Dehoga-Vorsitzende Markus Schröder, der Bernkastel-Wittlicher Vorsitzende Manfred Schmitz, wollten sich auf Volksfreund-Anfrage nicht über Inhalte und Verlauf der internen Sitzung äußern. Außer den beiden Gastronomen aus der Region Trier trat auch der Altenkirchener Dehoga-Chef Markus Wortelkamp zurück.

Die drei zurückgetretenen Gastrofunktionäre gehören zu der Gruppe von 20 Unternehmern, die den Dehoga-Landesverband verklagt haben, weil sie die vorzeitige Amtszeitverlängerung des Präsidenten bis zum Jahr 2029 für unwirksam halten (der TV berichtete mehrfach). Die Kläger argumentieren, dass dies der Satzung des Verbands widerspreche. Der Hotel- und Gaststättenverband hat in Rheinland-Pfalz nach eigenen Angaben 4500 Mitgliedsbetriebe; bundesweit sind es 65 000 (siehe Extra).

Der Mitte Dezember beim Landgericht Bad Kreuznach eingereichten Klage haben sich so namhafte Betriebe wie das Landhaus St. Urban, das Mertesdorfer Weingut Weis, das Hotel Molitorsmühle, das Weinromantikhotel Richtershof in Mülheim oder der Deutsche Hof in Trier angeschlossen. Sie wollen erreichen, dass die vorzeitige Amtszeitverlängerung Haumanns für nichtig erklärt wird. Bis darüber entschieden werde, könne ein halbes Jahr vergehen, sagte im Dezember ein Gerichtssprecher.

Beim Hotel- und Gaststättenverband sieht man der Klage gelassen entgegen. Die Wahl sei „satzungsrechtlich einwandfrei und vom Verfahrensablauf ordnungsgemäß zustandegekommen“, sagte Dehoga-Geschäftsführerin Anna Roeren-Bergs unter Verweis auf Anwälte, die den Sachverhalt geprüft hätten. Ihr Credo: Die Klage dürfte keinerlei Aussicht auf Erfolg haben. Das neunköpfige Dehoga-Präsidium stellte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe geschlossen hinter den Präsidenten.

Einigen namentlich nicht genannten Kritikern wurde danach verbandsschädigendes Verhalten vorgeworfen und mit „Ordnungsmaßnahmen bis hin zum Ausschluss“ gedroht. Ob inzwischen bereits Sanktionen beschlossen worden sind, ist unklar.

Am Montag gab es am Stammsitz in Bad Kreuznach jedenfalls eine Sitzung von Dehoga-Präsaidium und den Kreisvorsitzenden. Eines der Top-Themen des sogenannten Großen Vorstands war dabei die Klage gegen den Landesverband und der daraus angeblich resultierende Imageschaden. Teilnehmer berichten, dass unter anderem ein Dehoga-Justiziar berichtet habe, warum die Klage nach seiner Einschätzung keine Erfolgsaussichten hat. Den anwesenden drei Klägern sei im Verlauf der Sitzung dann von einzelnen Teilnehmern nahegelegt worden, die Klage zurückzuziehen oder andernfalls zurückzutreten.

Eine Information, die am Donnerstagnachmittag auch Gereon Haumann selbst bestätigte. Die drei Kreisvorsitzenden seien von ihren Kollegen „einstimmig und eindringlich aufgefordert“ worden, ihre Ämter niederzulegen oder sie ruhen zu lassen, sagte Haumann unserer Zeitung. Nach einer kurzen Beratung sollen Manfred Schmitz, Markus Schröder und Markus Wortelkamp dann ihren Rücktritt erklärt haben. „Das war ein konsequentes Verhalten“, kommentierte Haumann gegenüber unserer Zeitung die Entscheidung. Die Betroffenen selbst wollten sich am Donnerstag nicht dazu äußern.

Nach den jüngsten Rücktritten haben alle drei Dehoga-Kreisverbände in der Region Trier derzeit keinen Vorsitzenden mehr. Der Posten des Dehoga-Kreisvorsitzenden Südeifel (umfasst die Kreis Bitburg-Prüm und Vulkaneifel) ist schon seit einigen Jahren unbesetzt; der mit über 300 Betrieben mitgliederstärkste rheinland-pfälzische Verband Bernkastel-Wittlich und der Kreisverband Trier-Saarburg (zuständig fürt die Stadt und den Kreis) kamen jetzt diese Woche dazu.

Wie es dort weitergeht, ist unklar. Die für Mitte Februar angesetzten Mitgliederversammlungen wurden nach Informationen unserer Zeitung von der Landesgeschäftsstelle abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben.

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