Millionenspritze, Bau-Offensive mit Holz und mehr Förster sollen Bäume in Rheinland-Pfalz retten.

Umwelt : Land stemmt sich mit Pakt gegen das Waldsterben

Millionenspritze, Bau-Offensive mit Holz und mehr Förster sollen Bäume in Rheinland-Pfalz retten.

„Der Wald stirbt“ titelte das Magazin „Der Spiegel“ schon im November 1981 und untermalte die Horror-Überschrift mit Bäumen, die in den Dunstwolken von Kohlekraftwerken untergingen. Fast 38 Jahre später sorgt sich die Politik erneut um den Wald, dem der Klimawandel arg zusetzt. In nackten Zahlen: 84 Prozent aller Bäume in Rheinland-Pfalz waren im vergangenen Jahr beschädigt, angeschlagen von Dürre, Stürmen oder dem rindefressenden Borkenkäfer.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat nun mit Kommunen und privaten Besitzern ein Sofortpaket verabschiedet, das den Wald retten soll.  „Die Erde hat Fieber, der Wald hat Atemnot. Das darf niemanden kaltlassen“, sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin in Mainz. Um Waldbesitzern zu helfen, stockt das Land Hilfen für 2019 und 2020 um je 3,5 Millionen Euro auf, um Schäden zu beseitigen. Die Millionenspritze hatte das Land bereits im Mai wenige Tage vor der Europawahl mitgeteilt. Der Staatswald bekommt – so die Pläne im Doppelhaushalt – ohnehin je sieben Millionen Euro pro Jahr. In einer gemeinsamen Vereinbarung sprachen sich alle Kräfte dafür aus, stärker auf Mischwälder zu setzen, die sich dem Klimawandel besser anpassen können. Mit einer Bau-Offensive will das Land den Einsatz von Holz gezielt fördern. Das Land will auch mehr Nachwuchs für den Forst gewinnen, wo es an Fachkräften fehlt. Angedacht ist auch der Ausbau erneuerbarer Energien wie von Windrädern, von denen in Rheinland-Pfalz bislang rund 440 Anlagen in Wäldern stehen. Das Land wolle die Wälder als CO2-Speicher gegen umweltschädliche Ausstöße stärken, sagte Ministerin Ulrike Höfken (Grüne). 9,8 Millionen Tonnen an CO2 vermieden Wälder in Rheinland-Pfalz jährlich, was 26 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen des Landes entspreche, sagte die Eifelerin, die regelmäßige Waldforen ankündigte. Höfken hob auch die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes hervor. Die Forst-, Holz- und Papierwirtschaft beschäftige in Rheinland-Pfalz alleine 50 000 Menschen. „Wir machen uns große Sorgen um den Wald“, sagte Höfken.

Zugleich gab es kritische Töne am Paket. Christian Keimer, Vorsitzender des Waldbesitzerverbandes, nannte die Vereinbarung zwar „einen bedeutsamen ersten Schritt“, tadelte aber, dass die Mittel von Land und Bund nicht reichten, um der sozialen Funktion des Waldes gerecht zu werden. Auch Aloysius Söhngen, Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes von Rheinland-Pfalz, forderte mehr öffentliche Mittel. Der Prümer rechnete das Beispiel einer Eifel-Gemeinde vor, die über Holzverkauf vor den Klimaschäden 250 000 Euro pro Jahr eingenommen habe. „Inzwischen sind die Erträge um mehr als die Hälfte zurückgegangen. So sinkt der Anreiz, den Wald überhaupt noch zu bewirtschaften“, sagte Söhngen. Er regte an, im Falle einer CO2-Steuer-Einführung beträchtliche Einnahmen davon dem Wald zukommen zu lassen. Landkreistag-Chef Günther Schartz (Trier-Saarburg) sagte, Deutschland alleine könne den Klimawandel nicht aufhalten. Die Fichte, die besonders stark vom Borkenkäfer befallen ist, habe wohl keine Zukunft mehr, vermutete Schartz.

Der Bund unterstützt die Bewältigung von Waldschäden in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK), in die in den nächsten fünf Jahren 25 Millionen Euro fließen.

Ein Sprecher des Ministeriums von CDU-Landeschefin Julia Klöckner wies darauf hin, dass Länder innerhalb der regulären GAK-Mittel umschichten dürfen, um Folgen von Extremwetterereignissen im Wald zu beheben.

Mehr von Volksfreund