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Sommerfest des Drachenfliegerclubs: Die auf dem Wind reiten

 Sein Ziel im Blick hat Harald Zimmer (68), der als Erster von der Rampe sprang. Mit seinem Bruder Horst hat er den Drachenfliegerclub im Jahr 1976 gegründet.TV-Foto: Herbert Thormeyer
Sein Ziel im Blick hat Harald Zimmer (68), der als Erster von der Rampe sprang. Mit seinem Bruder Horst hat er den Drachenfliegerclub im Jahr 1976 gegründet.TV-Foto: Herbert Thormeyer
Serrig/Hamm. Fliegen wie die Vögel. Diesem Traum kommen Drachenflieger am nächsten. Einer der eindrucksvollsten Startpunkte ist die Saarschleife Hamm bei Serrig, rund 200 Meter über der Saar. Ihr Sommerfest mit Spaßwettbewerbhaben die Mitglieder des Drachenfliegerclubs Trier in der Luft gefeiert. Dabei mussten sie im Flug ein Bändchen möglichst dicht an einem Ziel abwerfen.

Drachenflieger brauchen nur wenige Schritte auf einer Rampe, bis ihr Traum vom Fliegen wie ein Vogel Wirklichkeit wird. Rund 50 Windreiter des Drachenfliegerclubs Trier (DFC), davon zehn Frauen, haben ihr Sommerfest an der Saarschleife bei Hamm gefeiert, einer von sieben Startpunkten dieses Sportvereins in der Region.
Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Horst gründete Harald Zimmer den Club 1976. Die Zahl der 30 Gründungsmitglieder ist mittlerweile auf 220 gewachsen. Sie leben im gesamten südwestdeutschen Raum und dem angrenzenden Ausland.
Immer hellwach sein


"Flüge können bis zu 3000 Meter über den Startpunkt führen", schwärmt der regionale Pionier dieser Sportart, der inzwischen vom professionellen Drachenbau lebt und dessen Vize-Weltmeistertitel mit der Deutschen Nationalmannschaft 1979 sein ganzer Stolz ist.
"Es ist ein lautloses Schweben", erklärt der 68-Jährige. Der Drachensportler müsse jedoch immer hellwach sein, um auf Thermik zu reagieren. Stets werden die Wolken beobachtet, und auch Greifvögel wie Bussarde, die sich mit Luftströmungen bestens auskennen. Wenn es einmal brenzlig werden sollte, beispielsweise in einer Gewitterfront, wird der Rettungsschirm gezogen. Unfälle gibt es kaum. Einer der wenigen traf jedoch Zimmers Zwillingsbruder Horst, der vor fünf Jahren tödlich verunglückte (der TV berichtete).
Trotz steigender Mitgliederzahlen macht dem Verein seit Anfang der 90er Jahre vermehrt der Gleitschirmsport zu schaffen. "Das ist ähnlich wie Fallschirmspringen, aber schneller zu lernen", bedauert Zimmer. Der Trend zum Schirm ließ die Zahl der Drachenflieger in Deutschland von ehemals 20 000 auf 4000 schrumpfen. "Drachenfliegen macht am meisten Spaß", weiß Markus Ott (48) aus Nunkirchen, der beide Sportarten betreibt. Gleitschirme seien einfach zu langsam.
Zielen und Werfen


Ab 14 Jahren kann jeder das Drachenfliegen lernen. Ein Jahr dauert die Ausbildung in einer Flugschule, die mit einer Lizenz abgeschlossen wird. Ab 16 darf dann selbstständig abgehoben werden.
Hochleistungsdrachen, wie sie Harald Zimmer herstellt, können schon mal 8000 Euro kosten. "Für Anfänger reichen aber auch gebrauchte Drachen, die es schon ab 500 Euro gibt", weiß der Sportwart des Clubs, Michael Dworak. Er organisierte einen Spaßwettbewerb, bei dem ein Bändchen möglichst dicht an einem markierten Ziel abgeworfen werden musste. Je näher das Bändchen den Mittelpunkt dieses Zieles erreicht, desto höher ist die Wertung. Dabei hat man beliebig viele Flüge zu Verfügung. ,"Wir stürzen uns nicht in die Tiefe, sondern vertrauen uns dem Medium Luft an, so wie ein Schwimmer ins Wasser springt", fügt er hinzu.
Fasziniert schaut Reinhold Hein neben der Startrampe dem Treiben in den Lüften zu. "Wenn ich noch jünger wäre, würde ich sofort mitfliegen", sagt der 81- Jährige aus Saarburg mit Sehnsucht in der Stimme.Extra

Das sind die treffsichersten Drachenflieger beim Sommerfest des DFC Trier: Nur 9,50 Meter verfehlte Sascha Nilius aus St. Wendel das Ziel. Das Bändchen von Ines Ziessau aus Bergisch Gladbach lag zwölf Meter neben der Markierung. Harald Zimmer aus Trier kam mit 13 Metern auf Platz 3. Zu gewinnen gab es einen Gutschein für die Kaiserthermen in Trier.doth Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.dfc-trier.de