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Serie Heimatgenuss
So isst die Region: Wenn das Bier den Spießbraten küsst (Video)

Trier. Für die Serie Heimat-Genuss stellen sich die TV-Volontäre an den Herd und testen Traditionsgerichte aus der Region. Das zweite Gericht, an dem wir uns versuchen, ist der Hunsrücker Spießbraten. Das Fleischgericht hat eine interessante Geschichte und ist gar nicht so einfach zuzubereiten, wie zu Beginn gedacht. Von Marlene Bucher und Patricia Prechtel

Das Abenteuer Hunsrücker Spießbraten beginnt quasi schon beim Einkauf der Zutaten. Denn normalerweise kauft man Bier, um es zum Essen dazuzutrinken und nicht, um es ins Essen hineinzutun. Doch genau das ist laut dem Rezept der Plan: Bier als eigene Zutat. Und das ist nicht das Einzige: Spießbraten? Den Braten haben wir, den Spieß haben wir natürlich vergessen, da unsere WG-Küche damit nicht ausgestattet ist. Genauso wenig wie mit Metzger-Garn, das wir auch zum Kochen brauchen. Also noch mal los zum Händler unseres Vertrauens.

Nachdem alle Zutaten vorhanden sind, kann es losgehen. Das Rezept haben wir im Internet gefunden und richten uns größtenteils danach. Nur hier und da verändern wir leicht etwas und passen das Rezept an uns und unsere Möglichkeiten an: Wir nehmen Cocktailtomaten dazu und wollen Kartoffeln als Beilage haben.

Los geht der Versuch: Schon beim Zwiebelnschneiden fängt es an: Wer hat das Vergnügen, beim Schneiden zu weinen? Wer ist am widerstandsfähigsten? Im Rezept steht, die Zwiebeln sollen in Ringe geschnitten werden (das werden sie schließlich auch – unter Tränen). Drei Stück sollen verarbeitet werden – wir haben uns beim Einkaufen offenbar Monsterzwiebeln ausgesucht, also riesig große, und nehmen deshalb nur zwei. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt – aber dazu gleich mehr.

Nachdem die Zwiebeln geschnitten sind, werden sie mit Pfeffer, Salz und Majoran gewürzt und mit Öl gemischt. Das Ganze soll dann ein paar Minuten ziehen.

Die größte Herausforderung: Das Fleisch. Es soll in Scheiben geschnitten werden – nicht zu dick und nicht zu dünn. Nach mehreren Anläufen (und kurzer Verzweiflung) gelingt es uns, und wir haben zwei schöne Stücke Schweinefleisch. Der Rest sind kleinere Scheiben, die wir zu Minirollen verarbeiten, um nichts zu verschwenden. Aus dem anfänglich großen Stück Fleisch werden also letztendlich größere und kleinere Rollen.

Danach werden die Scheiben mit den (unheimlich vielen) eingelegten Zwiebeln belegt, gerollt, je nach Größe mit einem oder mehreren Spießen durchbohrt und mit Garn umwickelt. Zum Glück haben wir nur zwei der riesigen Zwiebeln genommen und nicht noch eine weitere. Das wären dann zu viele Zwiebeln gewesen. Die Rollen werden dann mit einer Mischung aus Öl und ein wenig Honig eingepinselt, mit Salz und Pfeffer verpasst man ihnen den letzten Schliff.

Nach 90 Minuten im Ofen ist der Braten fertig.
Nach 90 Minuten im Ofen ist der Braten fertig. FOTO: TV / Patricia Prechtel

Die kleinen und großen Spieße kommen mit den restlichen Zwiebeln in eine Auflauf- oder Bratenform (wir haben noch unsere Cocktailtomaten dazugelegt). Das steht zwar nicht in unserem Rezept, aber da die Zwiebeln so riesig waren, haben wir einfach unglaublich viele. Das alles schieben wir bei 200 Grad in den Backofen – zum Glück hatten wir daran gedacht, den Backofen vorzuheizen – wir sind stolz auf uns! Dann kommt das Bier zum Einsatz: Das Gericht soll während der 90 Minuten im Backofen immer wieder damit übergossen werden. Dem Geruch nach wird es gut schmecken!

Während der Braten im Backofen vor sich hinbrät, recherchieren wir ein wenig zur Geschichte des Gerichts. Woher kommt der Hunsrücker Spießbraten eigentlich? Geschichten über ihn gibt es viele. Eine davon ist diese: Zu Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Händler und Edelsteinschleifer aus der Umgebung Idar-Obersteins nach Brasilien aus. Denn um das Jahr 1800 waren die Achatvorkommen in Idar-Oberstein zurückgegangen. Viele Idar-Obersteiner verließen ihre Heimat und suchten ihr Glück jenseits des Atlantiks. Und Steine. Die begehrten Edelsteine, vornehmlich Achate wie in der Heimat, lagen dort leicht zu finden in Bächen und Flüssen – ein El Dorado für Steinhändler und -schleifer. Und: Dort lernten sie die einheimische Kochkunst des „Churrasco“ kennen. Etwa handgroße Fleischstücke, wie zum Beispiel Rindfleisch, wird mit grobem Salz gewürzt und an Spießen über dem offenen Feuer gebraten. Zusammen mit den Edelsteinfunden der Auswanderer gelangte diese Bratkunst in die Region.

Wieder zurück in unsere Trierer Küche. Das Bier gießen wir im Abstand von etwa 20 bis 25 Minuten immer wieder über den Braten. Achtet man ein wenig darauf, dass nicht allzu viel Flüssigkeit in der Form ist, wird der Braten auch oben schön knusprig. Nach rund 90 Minuten klingelt die Küchenuhr, und unser Essen ist endlich fertig. Der Braten riecht unglaublich gut, das Bier verleiht dem Ganzen eine interessante und würzige Note. Und voilà – er schmeckt!

Geschmacksbewertung

Patricia: Da ich generell nicht viel mit Fleisch koche, war dieses Rezept eine richtige Herausforderung. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, mir hat der Braten richtig gut geschmeckt. Wer nicht so viel Übung damit hat, Fleisch zu kochen und es einfach mal ausprobieren will, sollte etwas mehr Zeit einplanen. Für geübte Köche ist das Rezept sicherlich kein Problem. Spaß gemacht und geschmeckt hat es auf jeden Fall! Ich gebe dem Rezept eine 2+.
Marlene: Auch ich bin im Umgang mit Fleisch nicht sonderlich geübt, allerdings war ich dafür umso zufriedener, dass unser Rezept so gut gelungen ist. Der Aufwand ist zwar nicht klein, allerdings gibt es auf jeden Fall auch kompliziertere Gerichte. Besonders ist auf jeden Fall, dass das Bier hier auf der Liste der Zutaten steht und nicht einfach nur zum Essen getrunken wird. Für das Gericht gibt es von mir ebenfalls eine 2+.

Das Fazit: Für Fleischliebhaber ist der Hunsrücker Spießbraten auf jeden Fall ein Rezept, das man probiert haben muss. Auch für uns Laien war es gut zu meistern, und das Endergebnis, das spätestens durch das Bier außergewöhnlich ist, schmeckt wirklich überraschend gut.

Anmerkung: Normalerweise soll der Spießbraten an einem richtigen Spieß gegrillt werden, was aufgrund unserer Küchenausstattung nicht möglich war.

Spießbraten
Spießbraten FOTO: TV / Patricia Prechtel
Spießbraten
Spießbraten FOTO: TV / Patricia Prechtel
Das Fleisch mit den Zwiebeln belegen, einrollen und mit Garn und kleinen Spießen festmachen.
Das Fleisch mit den Zwiebeln belegen, einrollen und mit Garn und kleinen Spießen festmachen. FOTO: TV / Patricia Prechtel
Spießbraten
Spießbraten FOTO: TV / Patricia Prechtel
Spießbraten
Spießbraten FOTO: TV / Patricia Prechtel
Während der 90 Minuten, die der Braten im Ofen verbringt, soll er immer wieder mit Bier übergossen werden. So soll eine knusprige Kruste entstehen. Außerdem sorgt das Bier für einen würzigen Geschmack.
Während der 90 Minuten, die der Braten im Ofen verbringt, soll er immer wieder mit Bier übergossen werden. So soll eine knusprige Kruste entstehen. Außerdem sorgt das Bier für einen würzigen Geschmack. FOTO: TV / Patricia Prechtel
Das gerollte Fleisch mit der Mischung aus Öl und Honig marinieren. 
Das gerollte Fleisch mit der Mischung aus Öl und Honig marinieren.  FOTO: TV / Patricia Prechtel
Die geschnittenen Zwiebeln werden mit Salz, Pfeffer, Majoran und Öl gewürzt und durchmischt. Gut vermischen und eine Weile ziehen lassen. Das Rezept sowie die genaue Anleitung finden Sie in der Infobox.
Die geschnittenen Zwiebeln werden mit Salz, Pfeffer, Majoran und Öl gewürzt und durchmischt. Gut vermischen und eine Weile ziehen lassen. Das Rezept sowie die genaue Anleitung finden Sie in der Infobox. FOTO: TV / Patricia Prechtel
Die Zutaten für unsere Version des Spießbratens: Schweinefleisch, Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Salz, Pfeffer, Majoran, Öl und Honig. Außerdem braucht man Spieße und Garn.
Die Zutaten für unsere Version des Spießbratens: Schweinefleisch, Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Salz, Pfeffer, Majoran, Öl und Honig. Außerdem braucht man Spieße und Garn. FOTO: TV / Patricia Prechtel
Spießbraten
Spießbraten FOTO: TV / Patricia Prechtel