Das Leben selbst in die Hand nehmen

Das Leben selbst in die Hand nehmen

TRIER/KASEL. Erfolgreiches Jugendprojekt: Eine 22-jährige Frau aus Kaiserslautern hat durch die Unterstützung einer Mädchenwohngruppe in Trier ihre Ausbildung geschafft und lebt nun allein in der eigenen Wohnung. Für den Träger der Maßnahme ein Erfolg.

Die Situation zu Hause hielt sie nicht mehr aus. Ihre Mutter vernachlässigte sie und ihre fünf Geschwister. Da ging die 13-Jährige zum Jugendamt. "Es war die Hölle. Ich wollte einfach nur noch weg von der Familie", sagt die heute 22-Jährige.Ins Mädchenhaus nach Kasel

Aus Kaiserslautern kam Sandra "ins Heim". Als sie einen Suizidversuch unternahm, schickte sie das Jugendamt in die Wohngruppe nach Trier. Nach einer Zeit in der intensiv-pädagogischen Gruppe der Gesellschaft für Sozialprojekte und Jugendhilfe (GeSo) kam sie ins Mädchenhaus nach Kasel. Die betreute Wohnform hat zum Ziel, die Mädchen beim Absolvieren einer Ausbildung zu unterstützen und ihre Selbstständigkeit zu fördern. Zusammen mit acht Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren wohnte Sandra mit zwei Pädagogen zusammen.Der Träger der Jugendhilfe-Maßnahme, die GeSo, hat neben der Mädchenwohngruppe in Kasel noch zwei Jungenwohngruppen, eine intensivpädagogische Kleingruppe für Jungen, eine Familienwohngruppe für Jungen oder Mädchen und bietet außerdem Betreuungsstellen, betreutes Wohnen und eine Kleingruppe in Spanien an. Jugendlichen aus ganz Rheinland-Pfalz werden von den Jugendämtern die Plätze in den Wohngruppen zugewiesen."Hier konnte ich endlich Vertrauen und Selbstbewusstsein aufbauen", erinnert sich Sandra. Ihr Dialekt verrät ihre Herkunft aus der Pfalz. "Hier hat man mich so akzeptiert, wie ich bin. Da hatte ich auch keine Suizidgedanken mehr." Wie in einem "Heim" sei es in der Mädchenwohngruppe nicht. Mit einem eigenen Zimmer, Taschengeld, Einkaufs-, Koch- und Putzdienst sowie Gruppenabenden ist es eher wie in einer Wohngemeinschaft. "Hier habe ich liebenswerte Menschen gefunden, die mir Mut gemacht haben und mir geholfen haben", sagt Sandra mit funkelnden Augen.Unterstützung fand sie auch, als sie auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz war. 200 Bewerbungen hat sie verschickt, bevor sie einen Platz als Stukkateurin fand. Was für einige vielleicht nach Kunsthandwerk für die Denkmalpflege klingt, war in Wirklichkeit harte Arbeit - vor allem das Verputzen von Wänden - mit einem rauen Betriebsklima unter den männlichen Kollegen. Doch Sandra biss die Zähne zusammen und machte ihren Gesellenbrief. "Diesmal wollte ich nicht alles hinschmeißen, sondern mir selbst beweisen, dass ich es kann." Nicht aufgeben und weglaufen, sondern zu dem stehen, was man ist - das hat Sandra auch durch die Unterstützung der Pädagoginnen der GeSo geschafft. Oft dachte sie an eine Textzeile aus einem Lied ihrer Lieblingsgruppe Rosenstolz: "Vor dir der Berg, du glaubst, du schaffst es nicht, doch dreh dich um und sieh, wie weit du bist."Ein bisschen Angst vor dem Sprung in die Selbstständigkeit hatte sie trotzdem. Zuerst lebte sie eineinhalb Jahre im betreuten Wohnen von GeSo. Sie machte den Führerschein und zog dann in die erste eigene Wohnung in Trier. "Jetzt leb ich mein Leben", sagt Sandra stolz.Kontakt: GeSo, Bismarckstraße 9, Trier, Tel. 0651/71029-0, Internet www.GeSo-sozialprojekte.com.

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