| 20:35 Uhr

Erinnern an Opfer der Militärjustiz

Trier. Der Kulturverein Kürenz und die Arbeitsgemeinschaft Frieden haben 14 Stolpersteine verlegt. Neun davon sind für Soldaten, die aufgrund eines Urteils des Kriegsgerichts Trier auf dem Grüneberg erschossen wurden. Die fünf übrigen erinnern an Trierer Opfer, die während der NS-Zeit in Psychiatrien ermordet wurden. Alexander Schumitz

Trier. Jakob Lessel, Siegfried-Walter Schmidt, Franz-Xavier Matschilles, Werner-Gerhard Sopart, Georg Schlegelmilch, Hans Studer, Michael Diessbacher, Anton Gras, Alfred Krämer: neun Namen, die alle ein gemeinsames Schicksal eint. Sie wurden vom Militärgericht Trier zwischen Juni 1940 und März 1943 zum Tode verurteilt. Jetzt hat der Künstler Gunter Demnig für sie auf Initiative des Kulturvereins Kürenz und der Arbeitsgemeinschaft Frieden je einen Stolperstein in Trier-Kürenz gesetzt.
"Wir wissen nicht, weshalb die Schützen, Kanoniere, Funker und Gefreiten von den Militärrichtern zum Tode verurteilt wurden", sagt Adolf Welter, Trie rer Heimatforscher. Der Grund hierfür ist, dass sich das Militärarchiv in Freiburg weigert, die Urteile aus dieser Zeit zugänglich zu machen. In jahrelanger Arbeit hat er Sterbe- und Geburtsregister ausgewertet, um herauszufinden, wer während der NS-Zeit vom Militärgericht Trier (siehe Extra) zum Tod verurteilt wurde.
Vollstreckt wurden die Todesurteile des Militärgerichts in Trier auf dem Grüneberg in der Nähe des Pistolenstands 2, auf dem Gebiet der heutigen Wehrtechnischen Dienststelle 41 (WTD) in Trier-Kürenz. Verlegt wurden die neun Stolpersteine im Kolonnenweg, am Anfang des Fußwegs, der ins Aveler Tal führt. "Von dieser Stelle aus kann man sehen, wo die Soldaten erschossen wurden", erklärt Johannes Verbeek, Vorsitzender des Kulturvereins Kürenz.
Bei der Verlegung der Stolpersteine ist auch der 85-jährige Johann Krell aus Waldrach vor Ort. Er hat, durch seine Militärzeit unterbrochen, zwischen 1942 und 1946 beim Malermeister Wilhelm Müller in der Avelsbacher Straße eine Ausbildung als Anstreicher gemacht. "Als ich nach dem Zweiten Weltkrieg meine Ausbildung hier fortsetzte, hat mir mein Meister erzählt, dass noch wenige Tage vor dem Eintreffen der Amerikaner ein Soldat auf dem Grüneberg hingerichtet wurde."
Außer den neun Steinen für die Opfer der Wehrmachtsjustiz hat Gunter Demnig in der Peter-Friedhofen-Straße vor dem Hinterausgang des Brüderkrankenhauses fünf weitere Stolpersteine verlegt. Alle erinnern an Opfer, die aufgrund körperlicher Gebrechen oder wegen einer Behinderung im Brüderkrankenhaus behandelt wurden, bevor sie in einer psychiatrischen Klinik umgebracht wurden. Einer der Ermordeten war Anton Martini. Er war im April 1938 wegen einer "geistigen Störung" erst ins Brüderkrankenhaus, später in die Heilanstalt Andernach eingewiesen worden. 1942 wurde er ermordet.
Extra

Die nationalsozialistische Führung des Deutschen Reichs hat die 1920 abgeschaffte Militärgerichtsbarkeit zum 1. Januar 1934 wiedereingeführt. Ihr waren Soldaten und Beamte der Wehrmacht unterworfen, nach Beginn des Zweiten Weltkriegs auch Kriegsgefangene und alle Personen im Operationsgebiet der deutschen Truppen. Die Anzahl der Verfahren in diesem Zeitraum wird auf 700 000 bis 1,5 Millionen geschätzt. Mindestens 30 000 Wehrmachtsangehörige, inklusive Zivilisten sogar 50 000 Menschen, wurden zum Tod verurteilt. Davon wurde die Hälfte der Urteile vollstreckt. Durch das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege wurden alle Urteile der NS-Kriegsgerichte gegen Deserteure, Wehrdienstverweigerer, "Wehrkraftzersetzer" und "Kriegsverräter" für unrechtmäßig erklärt und pauschal aufgehoben. Quelle: wikipedia/itz