Freiheit auf acht Rädchen

TRIER/KONZ. Rückenwind, Entenküken oder gute Gespräche – Was macht Spaß am Inline-Skaten? Die Antwort auf diese Frage hat der TV in der Abendsonne an den Ufern der Mosel gesucht.

Leise schwappt die Mosel an ihre Ufer. In den ebenmäßigen Rhythmus der kleinen Wellen mischt sich das Rauschen der eigenen acht Rollen: Links, rechts, links, rechts, klack ein Steinchen. Ihr überlanger Schatten fährt den Inline-Skatern voraus. Jede ihrer Bewegungen zeichnet sich in der Abendsonne schwarz auf grauem Asphalt ab. "Es ist die Freiheit", antwortet Anke Becker auf die Frage hin, was ihr am Inline-Skaten Spaß mache. "Und es ist gut für die Figur", wirft ihre Freundin Marion Ulrich ein. Zusammen fahren die beiden mindestens viermal wöchentlich von Konz-Karthaus nach Feyen, von dort bis Kanzem und dann wieder zurück. Das sind rund zwölf Kilometer auf einer Strecke mit deren Zustand die beiden sehr zufrieden sind.Vorbei an Entenküken und halbnackten Anglern

Das Rollen nimmt dem Körper seine Schwere. Entenküken, Wasserskifahrer und halbnackte Angler gleiten in der sommerlichen Hitze vor der glitzernden Moselkulisse vorbei. Selbst Badende sind zu beobachten, die den allsommerlichen bakteriellen Belastungen des Flusses zum Trotz eine Abkühlung suchen. "Bei schönem Wetter draußen sein, den Fahrtwind in einer wunderschönen Gegend genießen und von der Arbeit abschalten, ohne sich richtig anstrengen zu müssen" - das sind Dinge, die Angela Seebach am Skaten gefallen. Mit ihrem Freund Ralph Lamers fährt sie häufig noch eine abendliche Runde. "Außerdem, beim Inline-Skaten haben wir gute Ideen - viel besser als im Sitzen", sagt sie. Ihr Freund nickt. Die beiden unterhalten sich gerne rollend. "Klingelingeling", ruft ein Radrennfahrer, überholt und ist kurz darauf schon nicht mehr zu sehen. Die Radwege der Region gehören nicht den Skatern alleine: Spaziergänger, Radfahrer, Hunde und Angler buhlen um den gleichen Platz auf dem Asphalt. "Am schlimmsten sind die, die sich ein Rennrad für viele tausend Euro und schicke Trikots kaufen und kein Geld für eine Klingel haben", empört sich ein Skater. Regelmäßig erschrecke er sich zu Tode. "Am schlimmsten sind die ausladenden Bewegungen", sagt ein Radrennfahrer, dessen Rad in ebenso schnittigem Rot glänzt wie sein hautenges Trikot. Besonders schlimm, wenn auch noch der Stöpsel eines MP3-Players im Ohr des Skaters stecke. Das oft wenig beruhigende "Der macht nichts" flanierender Hundebesitzer mögen beide Parteien nicht. Die "Rollenritter" haben neben Rennfahrern auch einige natürliche Feinde: Rollsplit, Baumwurzeln, Pflastersteine, kurz, Unebenheiten aller Art - und natürlich Berge. Der Inline-Skater gleicht einem Albatros - elegant in der Luft und hilflos am Boden. Was dem Vogel die Fortbewegung auf zwei Beinen, ist dem Skater ein ungeeigneter Bodenbelag. So elegant er über ebenen Asphalt schweben mag, so hilflos rudert er mit seinen Armen, schwankt tollpatschig und droht zu stürzen, sobald der Weg holprig ist. Daher gilt es, die Route in die feierabendliche Freiheit mit Bedacht zu wählen (siehe Extra).

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