Kultiges zum kleinen Preis

TRIER. "40UferFilme" sind wieder da: Diese Botschaft verbreitet sich momentan wie ein Lauffeuer durch Trier und lässt die Herzen aller Kultfans höher schlagen. Eingeweihte wissen: Die beiden Medienfreaks Ralf Kotschka und Stephan Schwingeler haben wieder zugeschlagen und präsentieren ihr Internationales Kurzfilm-Open-Air.

Der Innenhof des Kurfürstlichen Palais wird am Mittwoch, 12. Juli, zum fünften Mal Schauplatz des größten Kurzfilm-Open-Air-Festivals im Südwesten, diesmal mit Höhepunkten vom Interfilm-Festival Berlin. Die Veranstaltung genießt in Trier bereits Kultstatus. Das liege am grandiosen Ambiente der "Location", meint Ralf Kotschka, einer der beiden Initiatoren des Festivals: "Zwischen Schloss und Basilika herrscht südliche Atmosphäre, und wenn dann noch tausend Leute friedlich auf dem Rasen sitzen..." Alles sei sehr freundschaftlich und diszipliniert, das Publikum räume selbst wieder auf, gerät auch Kollege Stephan Schwingeler ins Schwärmen. Kurzfilme sind ein Experimentierfeld

Doch natürlich liegt der Reiz des Festivals noch woanders: "In den niedrigen Eintritts- und Getränkepreisen", schmunzelt Kotschka. Oder vielleicht in den Filmen? "Ja, obwohl es uns ja nicht darum geht, in den zeitgenössischen Dokumentarfilm Kambodschas einzuführen", scherzt Stephan Schwingeler mit Anspielung auf sein Studienfach Medienwissenschaft. Stattdessen werde gezeigt, was "kurz, knackig, entertaining ist und eine Pointe hat." Kurzfilm sei nicht definiert, sondern ein Experimentierfeld für junge Filmemacher wie Profis und daher innovativ. "Wir haben immer eine ausgewogene Vielfalt im Programm, klassischen Trick, Animations-, Kurzspielfilme, Doku-Fiction und Musik-Clips, jenseits von Genregrenzen", sagt Kotschka. Gute Kontakte zu Filmakademien sorgten für ein großes Angebot, aus dem ausgewählt werden könne. Auch aus der Region kämen immer wieder eigens produzierte Beiträge, wie der "Skaterfilm" von Alex Schmitz oder den der Gruppe Kommando 1. April über die nicht existente Trendsportart "Agressive Streetwalking". Alles, vom Trash bis zum Oscar-Gewinner habe seine Berechtigung, gezeigt zu werden, "wenn es nur gut ist", sagen beide Macher unisono. Aber was ist gut? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Kotschka, der die Mediensammlung des Fachs Kunstgeschichte an der Uni aufgebaut hat, hält es mit Experimentalfilm, Video- und Medienkunst, Hauptsache: "Abkehr vom Mainstream". Kotschka hat zudem schon als VHS-Filmdozent gearbeitet, die Film- und Video AG der Tufa ins Leben gerufen, Filmclubs und schließlich die Firma Visual Concepts, Dienstleister für Bewegtbilder, gegründet.Spielen mit dem Mainstream

Stephan Schwingeler, der sich wissenschaftlich mit Filmen beschäftigt, findet es gut, "wenn sie mit Mainstream-Mitteln spielen und die überkitschen". Gerade die konträren Auffassungen hätten ihre Zusammenarbeit immer wieder befruchtet, erzählen die beiden Spezialisten, die sich auf der Documenta XI kennen gelernt und in ihrem gemeinsamen Anliegen, dem Kurzfilm eine Lobby zu geben, getroffen haben - aus Einigkeit in der Ablehnung jeglichen Kommerzes. Was auch für die wirtschaftliche Seite ihres Festivals gilt: "Wir versuchen mit No- bis Low-Budget auszukommen, um die Preise so gering wie möglich zu halten und uns Werbebanner zu ersparen", sagt Kotschka und Schwingeler ergänzt: "Wir tun es einfach aus Spaß und um Schmackes in die Kulturszene zu bringen, nicht um Gewinn zu machen". Einlass zum Kurzfilmfestival am Mittwoch, 12. Juli, ist um 21 Uhr, Karten für 3 Euro nur an der Abendkasse, Glas zu Hause lassen, dafür Kissen und Decken mitbringen. Ausweichtermin bei schlechtem Wetter: Freitag 14. Juli.

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