Lichterzauber im Schatten der Trierer Porta

Weihnachtsmarkt : Lichterzauber im Schatten der Trierer Porta

Romantiker lieben ihn ebenso wie Fans eines guten Glühweins und echter Handwerkskunst: den Sterntaler Weihnachtsmarkt im Brunnenhof. Erstmals ist er donnerstags gestartet.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel und waren lauter harte, blinkende Taler. So steht es im Märchen Sterntaler der Gebrüder Grimm geschrieben. Im Trierer Brunnenhof fallen zurzeit zwar keine Sterne vom Himmel, sie werden auch nicht zu Talern, aber sie tanzen auf den historischen Mauern, auch auf der Porta Nigra. 

Pünktlich zum Start am Donnerstagnachmittag hat Lucien Sturm Portemonnaies, Taschen, Beutel, Gürtel ansprechend drapiert. Der ältere Herr, eingemmumelt in Winterjacke, ist einer der insgesamt dreißig Aussteller. Jeder Artikel, den er feilbietet, ist anders, gemeinsam ist den Unikaten nur, dass sie aus Leder sind. Seine Frau ist Sattlerin im luxemburgischen Herborn, neun Kilometer von der Grenze entfernt. Während leise der Regen rieselt sagt Sturm: „Alles selbst gemacht.“ Ob Regen oder nicht, die Leute kämen bei jedem Wetter. Da ist er sich sicher. Er lobt die Qualität des Sterntaler Weihnachtsmarktes, „hauptsächlich Handwerker“, und die „sehr gute Kundschaft“ in Trier.

Ein paar Meter weiter bietet Patricia Kauß handgemachte Schmuckstücke an, mal nostalgisch, mal modern, sowie Holzuhren. Ihren Beruf als Bankkaufrau hatte sie aufgegeben, um der Kreativität mehr Raum in ihrem Leben zu geben. Auf rund 25 Märkten ist sie mit „die Zeitwiese“, wie Unternehmen und Online-Shop heißen, das Jahr über unterwegs. „Der hier, das ist der schönste“, schwärmt sie. „Total idyllisch, romantisch, märchenhaft.“

Seit 2014 organisiert die Kulturkarawane, ein gemeinnütziges Unternehmen, den Sterntaler Weihnachtsmarkt fernab vom Massenkonsum. Die Kulisse ist buchstäblich bezaubernd. Wenn der illuminierte Vollmond über das Dach des Simeonstifts huscht, riesige Schneeflocken und Sterne aus Licht über die uralte Fassade tänzeln, untermalt von spannungsgeladener Wintermusik, wähnt sich mancher Besucher tatsächlich im Märchen. Toby Urban hat das hinreißende Spiel am Lichtpult programmiert. Harte Arbeit. „Für zweieinhalb Minuten Show, programmiert man stundenlang“, sagt er.

Heiß begehrt in der kalten Jahreszeit sind der Glühwein- und Glühviezstand. Auf der Internetseite der Kulturkarawane heißt es: „Ein harter Kampf für die Bewerber hatte schon im Hochsommer begonnen.“ Denn bekannt sei das Sterntaler-Fest auch für seinen guten Glühwein. Das Rennen hatte der mehrfach ausgezeichnete Winzerglühwein des Weinguts Andres aus Riol gemacht. Ein paar Stände und Schritte weiter machen junge Leute Wiltinger Viez samt Zimt, Sternanis, Vanille, Orange und Kardamom warm. In „Original-Porzen aus der Eifel“ wird der Glühviez serviert. „Der Umwelt zuliebe“, sagt Tobias Schmitz. Die Theke sei aus recycelten Paletten. Die Hälfte des Erlöses des alkoholfreien Winterpunschs geht an den Trierer Kinderschutzbund und Papillon, die Beratungsstelle für Kinder krebskranker Eltern.

Christiane Weires, 41, aus Schweich hat nach einem Termin in der Stadt einen Schlenker in den Brunnenhof gemacht. Sie genießt Kulisse und von Stand zu Stand zu schlendern. „Hier werden Kindheitserinnerungen wach“, sagt sie - und plant bis Sonntagabend, noch einmal hinzugehen.

Märchen wie Sterntaler erzählen oft vom Wünschen: Was wünschen sich zwei der Macher der Kulturkarawane (Lucia Hahn, Adelina Arnold, Linda Leuf, Jochen Leuf, Victor Beusch, Tobi Braun)? Veranstaltungstechniker Toby Urban wünscht sich primär, dass es aufhört, zu regnen. Könnte in Erfüllung gehen, denn der Wetterdienst sagt Sonne für das Wochenende voraus. Jochen Leuf wünscht sich, dass es von der Stimmung so bleibt wie es in den Vorjahren war - familiär, gemütlich, friedlich.“ So war es beim Auftakt, erstmals an einem Donnerstag. Vier statt drei Tage Sterntaler Weihnachtsmarkt hatten sich Besucher der Vorjahre gewünscht.

Der Sterntaler Weihnachtsmarkt ist noch Samstag von 11 bis 22 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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