Neues Konzept für Trierer Weihnachtsmarkt gesucht

Neues Konzept für Trierer Weihnachtsmarkt gesucht

Dezernent Thomas Egger, SPD, die Grünen und die FDP wollen den Vertrag mit der Firma Bruch kündigen, die seit 1980 den Trierer Weihnachtsmarkt veranstaltet. CDU und FWG sind dagegen.

Während auf dem Trierer Weihnachtsmarkt auch am Donnerstagabend wieder Tausende Glühweine über die Theken gehen, sollte sich eigentlich der Stadtrat im Rathaus nicht-öffentlich über die Zukunft der Großveranstaltung unterhalten. Hintergrund: Kulturdezernent Thomas Egger wollte ursprünglich vorschlagen, den Vertrag mit der Firma Oskar Bruch fristgerecht zum 15. Januar 2014 zu kündigen. Die heutige, letzte Stadtratssitzung in diesem Jahr, wäre die einzige Gelegenheit dazu. Bruchs organisieren den Markt seit 1980. An dem Vorhaben, den Vertrag auf den Prüfstand zu stellen, hält Egger auch fest, aufgrund von Kritik aus den Stadtratsfraktionen blies er aber am Mittwoch kurzfristig die Entscheidung für Donnerstagabend ab. Die Kündigungsfrist für den Vertrag sei im Einvernehmen mit dem Weihnachtsmarkt-Veranstalter auf den 31. August verschoben worden, teilte das Rathaus am Mittwochnachmittag mit. Statt kurzfristig am Donnerstagabend im Stadtrat soll das Thema nun erstmal wieder im Dezernatsausschuss beraten werden. Halten Dezernent Egger, SPD, Grüne und FDP an ihrem Kündigungsplan fest, würde der Markt womöglich 2016 zum vorerst letzten Mal von der Firma Bruch veranstaltet. Die Fraktion wollen, dass das Konzept des Weihnachtsmarktes überdacht und dann per Ausschreibung nach einem passenden Veranstalter gesucht wird. An dieser Ausschreibung könnte sich dann auch die Firma Bruch wieder beteiligen.

Bruch: Anfrage aus Luxemburg

"Die Idee, nach 32 Jahren das Weihnachtsmarkt-Konzept zu überarbeiten, ist durchaus sinnvoll", sagt auch CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle. Seine Fraktion war aber dagegen, schon bei der heutigen Sitzung den Vertrag zu kündigen, weil sie fürchtete die nötige Neuausschreibung werde nicht rechtzeitig fertig und damit sei womöglich die Ausrichtung des Weihnachtsmarktes nach Vertragsablauf 2017 in Gefahr.
Die SPD will dagegen den Vertrag mit Bruch kündigen, der sich ansonsten automatisch um zwei Jahre - also bis einschließlich 2018 - verlängern würde. Würden Bruchs in dieser Zeit 50.000 Euro oder mehr in den Markt investieren - etwa für neue Beleuchtung - liefe der Vertrag sogar weitere fünf Jahre. SPD-Fraktionschef Sven Teuber hält es für angebracht, über eine Neukonzeption des Marktes nachzudenken. Die Familie Bruch würde den Weihnachtsmarkt zwar fraglos sehr kompetent organisieren. "Allerdings ist bei der Pacht, die sie der Stadt dafür zahlt, noch viel Luft nach oben", sagt Teuber (siehe Extra). Bei einer Neukonzeption könnte nicht nur die Pacht den hohen Umsätzen auf dem Markt angepasst, sondern auch über Inhalte nachgedacht werden. "Zum Beispiel darüber, ob eine Ausdehnung Richtung Porta Nigra sinnvoll wäre. Etliche Anbieter haben sich bei uns beschwert, weil sie bei den Bruchs keinen Fuß in die Tür bekommen und immer die gleichen Händler den Zuschlag erhalten", sagt Teuber. Denkbar wäre auch, dass verstärkt Sozialorganisationen oder Anbieter fair gehandelter Produkte Stände betreiben könnten. Weihnachtsmarkt-Geschäftsführerin Angela Bruch will sich zu der Angelegenheit nicht äußern. "Ob wir uns nach einer Kündigung noch mal um den Trierer Weihnachtsmarkt bewerben würden, weiß ich nicht", sagte die Geschäftsfrau dem TV. Immerhin habe sie auch Angebote anderer Städte, die ihren Weihnachtsmarkt gerne in die Hände der erfahrenen Traditionsfirma legen würden. Unter anderem aus Luxemburg.Extra

Der Trierer Weihnachtsmarkt. Foto: Archiv/Roland Morgen

Die Firma Oskar Bruch aus Andernach am Rhein organisiert im Auftrag der Stadtverwaltung den Trierer Weihnachtsmarkt. Für die 95 Verkaufshäuschen, die Bruch vier Wochen lang aufstellt, zahlt die Firma ans Rathaus eine Gebühr von rund 31.500 Euro. Die Imbiss- und Glühweinstände betreiben die Bruchs selbst. Die Pacht, zu der Bruch die anderen Verkaufshäuschen an die Händler weitervermietet, ist unbekannt. Auch auf die Händlerzusammensetzung hat die Stadt bislang keinen Einfluss. Im Frühjahr hatte deswegen ein Händler, der sich mehrfach erfolglos um einen Stand beworben hatte, geklagt - erfolglos. Richter Georg Schmidt erklärte allerdings deutlich, dass das Rathaus prüfen müsse, ob es rechtlich zulässig ist, den Weihnachtsmarkt ohne Ausschreibung an die Firma Bruch zu übertragen. Die Stadt hatte daraufhin erklärt, dass aus ihrer Sicht eine Ausschreibung rechtlich nicht notwendig sei (der TV berichtete). Sofern der Markt allerdings komplett neu konzipiert und dafür ein passender Veranstalter gesucht wird, wäre eine Ausschreibung wohl unumgänglich. woc

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