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Kolumne Viezjupp: Sitten, Sekt und Seiteneingänge

Kolumne Viezjupp : Sitten, Sekt und Seiteneingänge

Neulich stand ja was über die Manieren der Trierer Theaterbesucher im Volksfreund. Von Besuchern, die sich auf den Sitzen lümmeln, war da die Rede, sektschlürfend, filmend und laut dazwischenrufend.

Sittenverfall mitten in Trier. Oh je, dachte ich. Und dann fiel mir der Dom ein.

Ich gehe mit Bärbel ab und an sonntags ins Hochamt und manchmal auch zu den Konzerten dort. Wir sitzen da in Ruhe, hören uns die Predigten an, lauschen der Musik und besinnen uns auf unsere christlichen Werte und Moralvorstellungen.

Doch immer öfter wird es mir zu bunt. Kaum hat der Chor sein Kyrie gesungen, kommen sie. Die Neugierigen mit ihren Kameras. Die sich nur mal schnell den Dom ansehen wollen. Sie kommen durch den Haupteingang, durchqueren das Mittelschiff und schlendern durch den Seiteneingang wieder raus. Die Ungeduldigen setzen sich hin. Erst einmal. Dann stehen sie irgendwann auf und setzen sich woanders hin. Dann stehen sie noch mal auf und nehmen in einer anderen Reihe Platz. Mir wird jedes Mal ganz wuschig im Kopf von diesem Hin und Her und dem vielen Weihrauch. (Aber das ist eine andere Geschichte).

Kolumne Viezjupp: Sitten, Sekt und Seiteneingänge
Foto: TV/Werhan, Michael

Gott sei Dank ist noch keiner auf die Idee gekommen, mit seinem Glas Sekt vom Weinstand auf dem Hauptmarkt in den Dom zu pilgern. Sonst hätten wir im Hochamt bald ähnliche Zustände wie im Theater Trier. Spätestens beim Agnus Dei könnte es dann einigen Besuchern einfallen, ihre Schuhe auszuziehen und laut dazwischenzurufen. Das wäre tatsächlich ein grandioser Sittenverfall. Oh mein Gott. Wenn ich mir das vorstelle... Darauf muss ich erst mal eine Porz Viez trinken. Prost!