Stadt Trier plant bessere Hilfe bei Herzinfarkt

Gesundheit : Stadt Trier plant bessere Hilfe bei Herzinfarkt

108 Defibrillatoren in der Stadt sind nicht genug. Die Berufsfeuerwehr Trier hält 28 zusätzliche Geräte in Schulhallen und Versammlungsräumen für sinnvoll. Jetzt muss der Stadtrat über die Anschaffung entscheiden.

Herzinfarkt! Wenn das Herz flimmert, ist schnelles Handeln wichtig, um das Leben zu retten. Druckmassage und Beatmung sind die Maßnahmen, die seit Jahrzehnten in jedem Erste-Hilfe-Kurs auf der Tagesordnung stehen. Wer eine solche Schulung in den vergangenen Jahren absolviert hat, weiß auch mit „Defis“ umzugehen, wie die automatisierten externen Defibrillatoren genannt werden.  Mit gezielten Stromstößen bringen diese bei korrekter Anwendung häufig das Herz wieder in Gleichtakt. Doch wie viele der– inklusive Wandhalterung etwa 1500 Euro teuren Defis – sind sinnvoll?

Der Stadtrat hatte die Verwaltung im September beauftragt, den Bestand an solchen Geräten in öffentlichen Gebäuden zu ermitteln und ein Konzept dafür zu erarbeiten, wie eine sinnvolle Ausstattung weiterer Gebäude erfolgen kann. Im Dezernatsausschuss III hat die Berufsfeuerwehr Trier am Dienstagabend das Ergebnis ihrer Erhebungen vorgestellt.

Nach Angaben von Andreas Kirchartz, Abteilungsleiter im Bereich vorbeugender Gefahrenschutz bei der Berufsfeuerwehr, sind 684 Objekte im Stadtgebiet angefragt worden. „Wir haben ermittelt, dass es derzeit 104 Defibrillatoren im öffentlichen Raum gibt.“

Zum Beispiel in Kaufhäusern, Banken, Hotels, Schulen und Verwaltungsgebäuden werden diese handlichen Geräte bereitgehalten, die bei der Anwendung mit Sprachanweisungen selbst anleiten und technisch so weit entwickelt sind, dass sie automatisch erkennen, wenn ein Patient über einen Herzschrittmacher verfügt. Wo die Dafis genau zu finden sind, will die Stadtverwaltung aber aus Haftungsgründen nicht darstellen.

Ordnungsdezernent Thomas Schmitt (CDU): „Wir können nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Geräte in Firmengebäuden oder privaten Objekten auch tatsächlich gewartet sind und zur Verfügung stehen.“ Mögliche Haftungsfälle müsse man für die Stadt ausschließen. Zudem stehe die schnelle Erste Hilfe bei Herzanfällen immer im Vordergrund.

Das betonte auch Berufsfeuerwehrmann Thomas Kirchartz, der sich für eine deutliche Beschilderung aussprach. „Wer erst lange nach einem solchen Gerät suchen muss, der kommt oft gar nicht mehr in die Situation, noch helfen zu können.“

Doch wo sind zusätzliche Defis sinnvoll? Aus den Untersuchungen der Feuerwehr wird klar, dass die Mehrzahl der Trierer Turnhallen nicht über ein solches Gerät verfügen. Diese sollen nach dem Vorschlag der Rettungsexperten nun vorrangig ausgerüstet werden. Zudem seien Versammlungsstätten für mehr als 200 Kandidaten dafür prädestiniert.

Zur Begründung zitiert Kirchartz die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie. Die habe festgestellt, dass Defibrillatoren nur bei großem Personenaufkommen genutzt würden. So gebe es zum Beispiel am Flughafen Frankfurt zwar 80 Geräte. Zwischen 2003 und 2015 seien aber lediglich 25 Einsätze bekannt. 16 der dort so behandelten Notfallpatienten haben überlebt. Keine Erkenntnisse hat die Trierer Berufsfeuerwehr darüber, in wie vielen ihrer Einsätze ein Defi sinnvoll gewesen wäre.  Kirchartz: „Das wird in unseren Berichtbögen nicht erfasst.“

Insgesamt zusätzliche 28 Defibrillatoren für öffentliche Versammlungsstätten und Turnhallen sind nach Meinung der Berufsfeuerwehr sinnvoll. Die Kosten dafür betragen nach deren Schätzungen 40 000 Euro (Anschaffung) plus 5000 Euro jährlich für die Wartung. Nun muss der Stadtrat in einer seine nächsten Sitzungen entscheiden, ob dieses Geld entsprechend investiert wird.

Ein Defibrillator zur Wiederbelebung von Herzinfarktpatienten (grüner Kasten) hängt im Foyer des Rathauses Trier. Foto: Rainer Neubert

Der Anstoß zu der Untersuchung von Angebot und Bedarf war auf einen Antrag der AfD zurückgegangen. Die hatte in der Ratssitzung Anfang September gefordert, jede der rund 50 Trierer Schulen mit Defis auszustatten. CDU und Grüne änderten den ursprünglichen Antrag ab und bekamen dafür die Mehrheit: Die Stadtverwaltung solle zunächst eine Übersicht erstellen, wo in städtischen und weiteren öffentlich zugänglichen Einrichtungen – nicht nur in Schulen – Defibrillatoren vorhanden sind. Abhängig von diesem Bericht sollten dann dort Defibrillatoren installiert werden, wo es sinnvoll ist.

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