Trier: Die Vision vom Theaterplatz ohne Autos

Stadtentwicklung : Die Vision vom Trierer Theaterplatz ohne Autos

Die Sanierung des Stadttheaters eröffnet Chancen für das ganze Quartier. Workshopergebnisse bergen viel Potenzial für Diskussionen.

Als am 27. September 1964 der Architekt Gerhardt Graubner den Schlüssel für das neue Stadttheater Am Augustinerhof an den damaligen Oberbürgermeister Josef Harnisch überreichte, war mit einer Premiere von Beethovens „Die Weihe des Hauses“ der passende musikalische Auftakt gewählt worden. Welches Konzert oder Schauspiel im August 2024 gegeben wird, steht noch nicht fest. Wenn alles gutgeht, soll dann der komplett sanierte Theaterbau fertig sein. Wie weit der auf Basis des Jahres 2018 kalkulierte Kostenrahmen von 49 Millionen Euro dann übertroffen sein wird, ist eine ebenso spannende Frage wie die nach dem zukünftigen Haupteingang.

Eine Verlegung vom Augustinerhof in Richtung Viehmarkt soll in dem Architektenwettbewerb für die Sanierung geprüft werden. Diese Idee, die im Stadtrat auf große Sympathie stößt, ist in dem Bürgerworkshop „Deine Stadt – mitgestalten“ entwickelt worden, zu dem die beiden Vereine Trier-Forum und Baukultur Trier gemeinsam mit dem Campus für Gestaltung der Hochschule Trier eingeladen hatten. „Die Ergebnisse des Workshops ersetzen den von vielen immer wieder geforderten städtebaulichen Wettbewerb  im Vorfeld des Architektenwettbewerbs“, sagt Alois Peitz selbstbewusst. Der ehemalige Hochschullehrer und Diözesanarchitekt hat im Bauausschuss die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Workshop gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Daniel Thull und Architekt Hans-Jörg Stein vorgestellt.

Die städtebaulichen Vorschläge, die unter www.alles-ums-theater.de dokumentiert sind, reichen weit über den Theaterbau hinaus und beinhalten Sprengstoff für die weitere Diskussion. Denn auch ein autofreier und begrünter Augustinerhof gehört dazu.

Quatier Augustinerhof_InterRed. Foto: TV/Schramm, Johannes

Die 50 Teilnehmer des intensiven Workshops, darunter viele Experten aus den Bereichen Kultur, Kunstgeschichte und Architektur, hatten das gesamte Quartier betrachtet. Die städtebaulichen Ideen lassen sich in vier Themenbereiche zusammenfassen:

  • Augustinerhof mit Aufenthaltsqualität.
  • Verbindung Römerbrücke-Augustinerhof-Viehmarkt.
  • Schnittpunkt Antoniuskirche.
  • Theatergebäude rückt in den Vordergrund.

Augustinerhof   Konkrete Vorschläge gibt es zum Augustinerhof. Demnach könnte mittelfristig aus dem ungeordneten Parkraum ein hochwertiger und baulich stärker gefasster Platz werden. Die parkenden Autos sollen verschwinden, in der Viehmarkt-Tiefgarage beziehungsweise in neuen Quartiersgaragen. Der begrünte Platz könnte mit einer schirmartigen Überdachung versehen werden, die zum Beispiel für den Wochenmarkt, für Konzerte oder andere öffentliche Veranstaltungen genutzt wird. Eine ergänzende Randbebauung in der Augustinerstraße, gegenüber dem Humboldtgymnasium, könnte die gewölbte Fassade der Schule spiegeln und den für die Trierer Plätze  typischen engen Zugang schaffen. „So entstünde ein attraktiver neuer Platzzugang für Fußgänger und Radfahrer.“ Auch ein behutsamer Aufbau auf dem flachen Bereich der Bunkeranlage könnte das Platzprofil verbessern. Pragmatischer Vorschlag: „Der Augustinerhof könnte dann zukünftig Theaterplatz heißen.“

Neue Wegverbindungen Eine gesamtstädtische Betrachtung des Theaterquartiers fordert Alois Peitz im Namen der Workshopteilnehmer beim Thema Verkehr und Wegeverbindungen. Mit Blick auf den zukünftigen Haltepunkt der Regionalbahn an der Römerbrücke in Trier-West – auch hinsichtlich der Verbindung der Plätze – schlägt er eine bessere Wegeverbindung vom Moselufer durch die Karl-Marx-Straße, Brückenstraße, Augustinerhof, Antoniusstraße und Viehmarkt bis zur Innenstadt vor. Verkehrsberuhigte Zonen seien dafür mittel- und langfristig wünschenswert.

Alle Teilnehmer des Workshops haben sich auch für eine deutliche Begrünung des Quartiers ausgesprochen. Vorschlag: eine stadtkünstlerische Anlage, die das gesamt Viertel umfasst und Kirche, Gymnasium, Synagoge, den Augustinerhof sowie die Bunkeranlage miteinander verbindet und über den Viehmarkt auch die Verbindungen zur Stadtmitte schafft. „Ein Kulturgarten am Rande der heutigen Altstadt und mitten in der alten Weltstadt.“

Antoniuskirche Die Antoniuskirche bietet Potenzial, auch für eine nicht-kirchliche Nutzung. Als Gottesdienstraum könnte mittelfristig der niedrigere Teil des Kirchenraums genügen. Der Hauptraum mit Orgel und Erschließung über den Turm könnte dann partnerschaftlich zum Beispiel vom Theater genutzt werden.  Das wird auch als Option für die noch offene Frage eines Orchesterproberaums gesehen.

Theater Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht das Theater. „Es  muss in die Stadt strahlen“, ist eine wesentliche Forderung aus dem Workshop. Das Kirchengrundstück mit dem alten Pfarrhaus von St. Antonius soll genutzt werden, um das Theater in Richtung Innenstadt zu öffnen. Als Möglichkeit einer Verklammerung der Spielstätte mit dem öffentlichen Raum wird eine Gastronomie gesehen, die sowohl vom Theater wie aus Richtung Viehmarkt erreichbar ist. „Eine weitere Verbindung mit dem öffentlichen Raum könnte die Öffnung des neuen Theaterfoyers als halböffentliche Verbindung zwischen Viehmarktplatz und Augustinerhof sein.

Voraussetzung dafür ist die Planungshoheit der Stadt über das Kirchengrundstück, für das sich neben der Stadt auch die Volksbank Trier interessiert (TV vom 28. Januar), die dort ihre neue Zentrale bauen will. „Die Stadt hat ihr Angebot an die Pfarrei Liebfrauen inzwischen abgegeben“, bestätigt Presseamtsleiter Michael Schmitz. Eine Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, steht noch aus.

Wie in den 60er Jahren spielt auch heute in der Diskussion um das Stadttheater die römische Geschichte Triers eine große Rolle. Damals sollte der moderne Konzert- und Schauspieltempel zunächst neben den Kaiserthermen gebaut werden, wovon angesichts des berechtigten Aufschreis der Landesdenkmalpflege abgesehen wurde. Heute befürchten Kulturdezernent Thomas Schmitt und seine Kollegen im Stadtvorstand eine mehrjährige offene Ausgrabungsstätte, sollte die Volksbank den Zuschlag erhalten und dort eine Erweiterung der Tiefgarage bauen.

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