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Viezporz-Streit: TV-Leser haben recherchiert

Viezporz-Streit: TV-Leser haben recherchiert

Wo kommt die Trierer Viezporz her? Die Frage, gestellt in der TV-Berichterstattung vom vergangenen Wochenende über eine Unterlassungsklage vor dem Landgericht, hat auch vielen TV-Lesern keine Ruhe gelassen. Uns erreichten über 20 E-Mails und Anrufe dazu.

Trier. Sie haben auf dem Speicher gekramt, in alten Schränken gesucht, mit Großvätern und Vätern geredet und im Internet recherchiert: Viele TV-Leser sind am Wochenende auf Spurensuche in Sachen Viezporz gegangen. Anlass: die TV-Berichterstattung zum Rechtsstreit vor dem Trierer Landgericht. Dort wird am 18. April eine Unterlassungsklage des Trierer Marketingunternehmers Frank Reinardt verhandelt, die sich gegen die Kunstkeramischen Werkstätten Gebrüder Plein aus dem Eifelstädtchen Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm) richtet. Die produzieren seit gut 40 Jahren eine Viezporz und nennen diese im Internet "Original Trierer Viezporz". Das ist Reinardt ein Dorn im Auge, denn er sagt: Viezporzen gab es auch schon vorher, von Original könne keine Rede sein.
Dass es diverse Viezporzen in zumindest ähnlicher Form tatsächlich schon vorher gab, bestätigen nun viele Viezfreunde aus der Region Trier, die auf die Berichterstattung reagiert haben. Wir dokumentieren die Recherchen unserer Leser und ihre Anmerkungen zur Original-Viezporz-Debatte:
Eine auch vom Kläger Reinardt als Argument ins Feld geführte Viezporz aus dem oberpfälzischen Mitterteich (bei Selb) steht unter anderem auch bei Ulla und Hermann Dellwing sowie bei zahlreichen weiteren TV-Lesern in Trier im Regal. Sie stamme von Nachbarn, die ihnen diesen Becher als "echten Trierer Viezporz" zwischen 1980 und 1985 geschenkt hätten, berichten die Dellwings.
Neben dieser oberpfälzischen Porz hat offenbar auch eine Porz der Porzellanmanufaktur Rhenania mit Sitz in Duisdorf bei Bonn eine weite Verbreitung gehabt. Ein Bild dieser Porz hat uns beispielsweise Thomas Felz geschickt, die er im Nachlass seines verstorbenen Vaters Norbert gefunden hat. Seinen Internet-Recherchen zufolge hat es die Firma Rhenania von circa 1905 bis 1960 gegeben. Auch die TV-Leser Heinz Becker, Helmut Mertesdorf, Anja Ewald ("ein Dachbodenfund von meinem Ur-Großvater"), Gaby Müller und Thomas Lehnart aus Trier sowie Margret und Karl-Josef Schonert aus Konz-Niedermennig haben Rhenania-Porzen in ihrem Besitz. Lehnart schreibt uns: "Mein Großvater und auch mein Vater waren bereits passionierte Trierer Vieztrinker. Somit sind auch einige ältere Viezporzen in unserem Familienbesitz, welche den nachstehenden Generationen vermacht wurden (…) Alle Porzen haben trotz einiger Macken noch die volle Funktionsfähigkeit, aber das ist ja bei den Menschen, die daraus trinken, ähnlich." Zur Frage, welche Porz das Original ist, hat Lehnart eine dezidierte Meinung: "Losgelöst vom Urheberrecht sollte bei regionalen Getränken meines Erachtens das Porzellanhandwerk in der Region gefördert werden und keine Importware aus China, wo dahingestellt sei, unter welchen arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen die Porzen gefertigt werden."
Rhenania-Viezporzen hat auch Sonja Eichhorn aus Trier gefunden. "Sie stammen aus der Gaststätte meines Großvater, die er von 1934 bis 1961 in Olewig betrieb", berichtet sie.
Karl Schleidweiler, Plein: Vielleicht dient meine Porz statt zur Erhellung mehr zur Verwirrung. Sie gehörte Dr. Karl Dahm, der im und nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 1950er Jahre Schlachthofdirektor in Trier und begeisterter Vieztrinker war. Die Porz zeigt auf der Unterseite als Hersteller-Logo das grüne Wappen von Rhenania Duisdorf, außen, dem Henkel gegenüber, in erhabenen Buchstaben "4/10 Liter" und am Trinkwulst in ebenfalls grüner Schrift "0,4 Lt.". <EA>Das Gefäß ist geschätzt mindestens 70 Jahre alt. Vielleicht gibt es ja noch mehr von dieser Art. Ich habe nach Rhenania Duisdorf gegoogelt und in Wikipedia recherchiert, auf Anhieb aber nichts Erhellendes entdeckt.
Helmut Quare, Salmtal: Ich habe zwei "Viezpurtzen" Felda/Röhn, Logo auf dem Boden, Götz bis 1949 und Jac. Mandewirth Trier, aus einer Gaststätte in Föhren. Sie wurde in den 1980er Jahren geschlossen. Beide Porzen ähneln sich in Aussehen und Form. Ich glaube, was eine richtige Viezporz ausmacht, ist die alte Form, nicht die Nachbildungen. Es ist egal, wo sie herkommt. Da ich der moselfränkischen Sprache (Platt) mächtig bin, denke ich, dass Porz (Purtz) eine Ableitung von Porzellan ist. Mein Opa sagte in der Wirtschaft nicht: "Ich hätte gerne eine Porz Viez." Sondern er sagte: "Eich hätt gär en Purtz Viez, äwa net so kalt."

Thomas Petruszek
aus Troisdorf, nach eigenen Angaben "Wochenend-Eifeler", besitzt unter anderem eine Rhenania-Viezporz. Er schreibt: "In den 80er Jahren war ich Mitbesitzer einer Hofanlage in Niersbach-Greverath Nähe Binsfeld. Zu dieser Hofanlage gehörte auch eine alte Gaststätte. Mit der Übernahme der Anlage fielen mir auch etliche sogenannte Viezporze in die Hände, die ich damals an Freunde verschenkte, in Unkenntnis der Tatsache, dass es sich um Viezporze handelte. Ich behielt ebenfalls einige Exemplare, da ich die Viezporze sehr praktisch und vor allem haltbar fand. Ich verwende sie heute noch, um meinen Tee daraus zu trinken."
Gleich drei verschiedene Porzen im Bild haben uns Stephan und Gisela Kiefer geschickt. Sie stammen aus dem Gasthaus Fischer in Trier-Kürenz. "Aus ihnen wurde der Original Kierenzer Biereviez geschluubert", schreiben sie. "Allerdings kam dieser Viez, beziehungsweise die Äppel und Bieren, nicht nur aus Kierenz sondern teilweise von weit her, zum Beispiel aus Lorig oder Kenn. Wir hoffen nicht, dass es wie bei den Porzen zu einem Rechtstreit um den Begriff Original kommt und der Kierenzer Biereviez aus China importiert wird."
Sowohl die Kiefers wie auch Thomas Lehnart haben neben der Duisdorfer auch eine aus der Rhön im Regal. Gleiches gilt für Ernst Mettlach und Christoph Koltes aus Trier. "Nach dem Lesen des Artikels über die Viezporz habe ich den alten Porzellankrug meines Großvaters aus dem Schrank genommen und ihn mir genauer angeschaut", schreibt Koltes. "Außen findet sich eine erhabene Aufschrift 4/10 Liter, auf dem Bodenstempel ist zu lesen PST AG Felda Porzellan." Seiner Internetrecherche zufolge hat die Firma im thüringischen Stadtlengsfeld diese Krüge zwischen 1908 und 1920 produziert. Die Rhön-Porz mit der markanten, erhabenen 4/10-Liter Prägung findet sich auch bei mehreren weiteren TV-Lesern, wie etwa bei Roland Halfmann aus Newel oder Charly Fuhrmann aus Trier.
Richtiggehend Nachforschungen angestellt hat auch Udo Schmitt aus Kordel. Er ist im Besitz einer alten Porz, die am Boden folgenden Stempel trägt: "Villeroy und Boch Wallerfangen Made in Saar-Basin". Schmitt schreibt, die Porz sei vermutlich vor dem Ersten Weltkrieg entstanden: "Ich konnte in Erfahrung bringen, dass diese Firma ab dem Jahr 1909 solche Porzen in Wallerfangen hergestellt hat." Die V&B-Porz hat einen etwas spitz zulaufenden Henkel, und die Angabe 4/10 Liter ist in großen Lettern an der Vorderseite angebracht. Auch diese Porz scheint in Trier verbreitet gewesen zu sein, denn sie findet sich auch im Bestand von Margret und Karl-Josef Schonert aus Konz und bei Charly Fuhrmann aus Trier, der sie aus dem Gasthaus Schneiders Mühle ("Drohner Pitt") in Trier-Biewer bekommen hat. Auch Andrea Herrig aus Trier hat Viezporzen von Villeroy & Boch gefunden - auf dem Dachboden ihrer Vorfahren, wie sie schreibt: "Die Porzen stammen aus dem Gasthaus Geik in Trier-Biewer, welches bereits 1964 geschlossen wurde."
Bilder einer Porz mit ungeklärter Herkunft hat uns Hermann Junk aus Bescheid geschickt. Auf dem Boden sind lediglich zwei Zahlen eingeprägt. Die Porz sei wahrscheinlich um 1960 hergestellt worden, schreibt Junk. Wie bei vielen anderen Lesern zeigt sich auch bei ihm, dass es sich in jedem Falle um ein langlebiges Produkt handelt: "Ich habe sie etwa 1965 in einer Gaststätte in Osburg gebraucht gekauft und trinke noch heute täglich meinen Viez daraus." Junk hat die alte Porz gegen eine Speicherer Porz gemessen, die alte wiegt 424 Gramm, die neue 516. Schmunzelnd stellt er angesichts dessen die Frage "wie viel Zentner zu heben ich mit dem guten alten Stück bis heute eingespart habe?".

Hanspitt Weiler aus Trier hat nachgeforscht, wie lange es das Wort "Porz" überhaupt schon in Trier gibt. Gefunden hat er es bereits 1834 im bekannten "Lied vom Viez" des Heimatdichters Philipp Laven. Dort heißt es: "Mein Frah hott selwer ger den Trank/ se giht recht oft mett ihrem Maan/ se ‚poorzt\' dann mettmer off der Bank/ on macht dann Awelcher su klaan." Weiler hat daher auch eine klare Meinung zum anstehenden Prozess vor dem Landgericht: "Wer also jetzt wie der Familienbetrieb Gebrüder Plein in Speicher seit mehr als 40 Jahren diese Porzen-Tradition in Trier und Umgebung aufrecht erhalten und gepflegt hat, verdient sicherlich nicht wegen seiner vermutlich seit jeher so bezeichneten Original Trierer Viezporz verklagt zu werden."