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Essen und Trinken
Edelbrandprämierung in Trier: 197 ist die neue Schnapszahl

Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer, Weinprinzessin Marie Jakoby und Ministerialrätin Petra Häußling übergeben die Ehrenpreise der Landkreise.
Norbert Schindler, Präsident der Landwirtschaftskammer, Weinprinzessin Marie Jakoby und Ministerialrätin Petra Häußling übergeben die Ehrenpreise der Landkreise. FOTO: Clemens Sarholz
Trier. Denn so viele Brände werden von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz mit Gold ausgezeichnet. 631 Spirituosen werden insgesamt ausgezeichnet. Ein Hersteller gibt bei der Veranstaltung Einblicke in den Fertigungsprozess.

Trinken ist ein schönes Laster. Denn Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen. Während für den Leib die Hauptsache ist, dass er mit wertvollen Nahrungsmitteln versorgt wird, will die Seele anspruchsvoller bedient werden. Bei der Edelbrandprämierung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz ging es vor allem darum, Anspruchsvolles zu trinken, zu ehren und zu preisen.

Etwa 100 Gäste tummeln sich in der Orangerie des Nells Hotels. Edelbrände überzeugen als Digestif, als Begleiter des Büfett, als Solisten bei guten Gesprächen und nicht zuletzt: als Preisträger von Qualitätssiegeln, die von Norbert Schindler, dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Weinprinzessin Marie Jakoby und Ministerialrätin Petra Häußling übergeben werden. Gesprächsfetzen dringen durch: „Sagenhafte Geschmacksvielfalt“, „höchste Qualität“, „Lecker“.

Der 69-jährige Klaus Dieter Kröber aus Winningen verarbeitet seit seiner Jugend Obst zu Hochprozentigem. Seine „Alte Moselweinhefe aus Rieslingtrauben“ geht als „Siegerbrand“ nach Hause. „Die Kunst für die höchste Qualität ist, nur die besten Rohstoffe zu verwenden.“ Kröber nutzt die Überreste aus der Weinproduktion. „Nachdem Trauben geerntet werden, werden sie zu Most verarbeitet, da setzt sich eine Schicht Weinhefe ab.

Die Weinhefe kann der Winzer, im Gegensatz zum Most, nicht verwenden, aber ich brenne aus ihr Schnaps“, sagt er und freut sich. „Mein Großvater hat diese Masse schon mit Babykotze verglichen, weil sie so aussieht.“ Bei ihm lernte er das Handwerk. Für 100 Liter trinkfertige „Alte Moselweinhefe“ muss 500 Liter Rohmaterial verwendet werden. Im Jahr produziert er etwa 1500 Liter des edlen Tropfens. Der Siegerbrand habe zehn Jahre in einem alten Holzfass gelagert.

In der Orangerie stehen lange Tische mit weißen Hussen, alles wirkt sehr edel. Die Siegerbrände stehen auf ihnen: Nägelches-Birne, Eifeler Mirabelle, Waldhimbeer-Geist, Alte Moselweinhefe aus Rieslingtrauben und der Schweinschieder Topinamburbrand. Bevor er jedoch gekostet werden kann gibt es noch die Verleihung der Urkunden. Schindler betont in seiner Rede die hohe Qualität. Von den 696 eingereichten Erzeugnissen wurden 631 Destillate ausgezeichnet. 197 mit Gold, 287 mit Silber und 147 mit Bronze.

Die Quote von über 90 Prozent ist kein Zeichen für niedrige qualitative Standards. Insgesamt gebe es etwa 5000 bis 6000 verschiedene Destillate. „Die Brennereien schicken uns natürlich nur ihre Schmuckstücke und die wissen ja selbst was gut ist“, sagt er. Verschiedene Jurys aus Kennern, Sommeliers, Brennern, Winzern, Gastronomen, etc. fällen die Entscheidung über die Qualität und Prämierung der Edelbrände.

Staatsehrenpreis vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau (Region Koblenz – Trier): Brennerei Bohrshof, Alexander Bohr, Welschbillig und Brennerei Michael Berweiler, Klüsserath.

Das sind die Siegerbrände (Region Koblenz – Trier): Kernobst: Nägelches-Birne, Brennerei Bohrhof, Alexander Bohr, Welschbillig. Steinobst: Eifeler Mirabelle, Brennerei Junk-Schneider, Wolsfeld. Beerenobst: Waldhimbeer-Geist, Vierhasen – kleine südwestfälische Brennerei, H. P. Hasenstab, Hilchenbach. Trauben: Alte Moselweinhefe aus Rieslingtrauben, Brennerei Klaus-Dieter Kroeber, Winningen. Sonderkategorie: Schweinschieder Tobinamburbrand, Brennerei Werner Küstner, Schweinschied.