Kommunikation: Die Vulkaneifel hat losgefunkt

Kommunikation : Die Vulkaneifel hat losgefunkt

Die Chat-App „VulkaneifelFunk“ ist offiziell gestartet. Erste Praxiserfahrungen mit dem neuen digitalen Angebot gibt es bereits.

Das Versprechen klingt gut: ein „digitales Dorf in der Tasche!“. So jedenfalls wird die mit dem Fraunhofer Institut entwickelte Lösung beworben, die es den Nutzern per Smartphone möglich macht, immer auf dem Laufenden zu sein, was im eigenen oder im Nachbardorf los ist und wer was unternimmt, sucht oder anbietet. Drei Jahre lang gibt es staatliche Förderung für das Modellprojekt, das bei der Kreisverwaltung in den Händen der Strukturentwicklerin Anja Saupe liegt (der TV berichtete). Rund fünfzig Gemeinden und Stadtteile haben bereits getestet, wie es sich mit dem digitalen „Dorftratsch“ lebt, nun wurde aus dem Test der Ernst des Lebens und die Funktion offiziell scharfgeschaltet.

Ein bisschen litt der feierliche Akt unter den Tücken des Vorführeffektes… oder vielmehr unter dem geballten Ansturm der vielen im Haus Vulkania versammelten App-Fans, der zur Folge hatte, dass die strapazierte WLAN-Verbindung ein Schneckentempo vorlegte und der Ladebalken zunächst doch recht hartnäckig präsent blieb. Aber am Ende gelang der Startschuss doch: Die Vulkaneifel funkt, Moderator Tim Becker postete es stolz im VulkaneifelFunk. Und wer im Saal darauf am schnellsten reagierte, der konnte gewinnen, zum Beispiel einen Rundflug über den Landkreis. Friedhelm Marder, Bürgermeisterkandidat für die Stadt Daun, bewies das flotteste online-Reaktionsvermögen und darf bald in die Luft gehen.

Der noch amtierende Stadtbürgermeister Martin Robrecht ließ ebenfalls von sich hören. Seine Sorge: Wer überwacht die geposteten Inhalte, etwa wenn sie sich gegen demokratische Grundregeln wenden? Denn der digitale Dorffunk bewegt sich nicht im rechtsfreien Raum. Jedes teilnehmende Dorf braucht Redakteure beziehungsweise Administratoren, die zumindest kurz im Datenschutz und anderen medienrelevanten Dingen geschult sind. „Es gibt Nutzungsbestimmungen wie auf den bekannten großen Plattformen auch“, erklärte Annika Meier vom Fraunhofer Institut, die eigens mit einem kleinen jungen Team angereist war, um technische Fragen zu beantworten. „Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch, dass die digitale Dorf-Plattform ohne Werbung auskommt und die Daten nicht zu Werbezwecken weiterverkauft werden.“

Helmut Sicken und Simon Hennen, die im Vorreiter-Dorf Dreis-Brück bereits Erfahrungen mit der App gesammelt haben, sind überzeugt: „Man braucht keine großartigen Vorkenntnisse, es erklärt sich alles und schnell von selbst, wenn man einmal auf der App ist. Das ist etwas Gutes für alle Generationen. Von unseren 900 Einwohnern haben sich 250 angemeldet, sogar viele Ältere machen begeistert mit und steuern gern Inhalte bei.“ Auch der redaktionelle Aufwand sei in der Praxis sehr überschaubar. In Dreis-Brück wechseln sich acht Personen bei dieser Aufgabe ab, bislang komme jeder etwa mit einer halben Stunde pro Einsatztag aus. Und die Chatfunktion, bei der persönliche Nachrichten in einer offenen oder geschlossenen Gruppe übermittelt werden können, benötigt keine Kontrolle von außen.

Beide Dreis-Brücker betonen aber auch, dass es gerade anfangs nicht ohne Gespräche von Angesicht zu Angesicht geht: „Wir sind auf die Mitglieder im Sportverein oder in der Wandergruppe zugegangen und haben das Projekt erläutert. So konnten wir viele zum Mitmachen bewegen.“ Das wird auch in den anderen Gemeinden, die sich schon beteiligen oder es noch vorhaben, nicht anders sein.

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