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In zwei Jahren ist der Kalk-Ofen aus

Pelm : In zwei Jahren ist der Kalk-Ofen aus

Der Lhoist-Konzern kündigt an, das Pelmer Werk Mitte 2020 zu schließen. Die ersten der 22 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, sehen sich bereits jetzt nach Alternativen in der Region um.

Wer am Kalkwerk in Pelm vorbeifährt, das seit einigen Jahren zum Lhoist-Konzern (siehe Info) gehört, dem fällt unweigerlich die rot leuchtende Digitalanzeige auf. Auf der wird stolz mitgeteilt, wie viele unfallfreie Tage es jüngst im Unternehmen gab. Der Rekord liegt bei 1203, am Donnerstag waren es 981. Dabei hätte die Anzeige auf null gestellt werden müssen, da sich an diesem Tag der für die Mitarbeiter wohl größte anzunehmende Unfall, kurz GAU, ereignet hat: In einer kurzfristig anberaumten Betriebsversammlung hat die Geschäftsführung mitgeteilt, dass das Werk Mitte 2020, also in gerade einmal zwei Jahren, geschlossen wird. 22 Mitarbeiter (19 Vollzeitstellen, 3 Minijobs) verlieren laut Geschäftsführung ihren Job. Ausgenommen von den Kündigungen sind die neun Mitarbeiter des angeschlossenen Instituts für „Angewandte Wasser-Chemie“ (AWA) sowie die drei Beschäftigten (zwei Vollzeit- und eine Teilzeitstelle) des Vertriebsaußendienstes.

Laut Geschäftsführung wird „die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen in das Werk Istein verlagert“. Angaben darüber, ob das Pelmer Werk Miese macht, machte die Firmenleitung nicht.

Istein ist rund 400 Kilometer von Pelm entfernt und liegt in Süddeutschland nahe der Schweizer Grenze bei Basel. Gleichzeitig zur Werksschließung in der Vulkaneifel soll dort eine neue Produktionslinie aufgebaut und dort sechs Millionen Euro investiert werden.

Gleichzeitig teilte die Unternehmensführung mit, dass sie in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat einen Sozialplan erarbeiten wolle. Wie der in etwa aussehen könnte, ob an Fortbildungen der Mitarbeiter gedacht werde, wurde nicht mitgeteilt. Zudem sollen den Pelmer Mitarbeitern Arbeitsplätze in anderen Werken angeboten werden. Da die nächsten Lhoist-Werke aber deutlich über 100 Kilometer entfernt sind, kommt das nach Einschätzung eines Insiders für kaum jemanden infrage. Der Mitarbeiter sagte: „Die meisten haben Familie sowie ein Haus in der Vulkaneifel, das abbezahlt werden muss.“

Die Nachricht der Betriebsschließung kam für die Mitarbeiter wie aus heiterem Himmel. „Wir waren alle baff und wie vor den Kopf gestoßen, da uns noch vor Kurzem gesagt wurde, dass wir auf einem aufsteigenden Ast sind“, sagte ein betroffener Mitarbeiter dem TV. Zudem seien kürzlich noch umfangreiche Reparaturarbeiten im Werk unternommen worden, weshalb es eigens eine Woche geschlossen wurde.

Die Tatsache, dass viele Firmen in der Region händeringend nach Facharbeitern suchen, ist es auch, die Matthias Pauly, den Beauftragten des Gerolsteiner Landes, für die Betroffenen zuversichtlich stimmt. Nachdem er am Freitagmorgen mit der Betriebsleitung des Pelmer Werks gesprochen hatte, sagte er dem TV: „Ich bedaure selbstverständlich, wenn bei uns Jobs verloren gehen. Ich denke aber, dass es kein übertriebener Optimismus ist, wenn ich sage, dass die Leute auch in der Region derzeit gute Chancen haben, unterzukommen.“ Für das Unternehmen Lhoist, das ja noch zwei Jahre in Pelm produzieren will, kann sich die Nachfrage nach Fachkräften nach Paulys Ansicht zum „Problem“ gestalten. Nach TV-Informationen sehen sich die ersten Mitarbeiter bereits nach einem anderen Job in der Region um.

Pauly sagte, dass ihm mitgeteilt worden sei, dass in der Vergangenheit im Pelmer Werk „gut Geld verdient“ worden sei. Vielleicht sei die Kostenstruktur inzwischen etwas zu hoch und die Nachfrage nach dem Produkt etwas zu niedrig.

Definitiv klar ist allerdings: Im Pelmer Steinbruch sind noch große Vorkommen an Dolomitgestein vorhanden. Das bestätigt auch die Betriebsleitung, die vor zehn Jahren einmal gesagt hatte, dass die „Vorkommen für die nächsten 200 Jahre reichen“. Pauly denkt daher auch nicht an eine dauerhafte Stilllegung des Steinbruchs nach dem Jahr 2020. „Vielleicht findet sich ja ein neuer Pächter, der den Abbau fortsetzt“, sagt er.

Vor zehn Jahren, als eine Neuausrichtung des Werks initiiert und bereits zuvor weitere Abbauflächen gekauft worden waren, wurde dies von der Geschäftsführung als deutliches Zeichen der „Standortsicherung“ verkündet. Damals produzierten und verkauften die Pelmer 50000 bis 60 000 Tonnen Gesteinsmaterial – vor allem zur Entsäuerung von Trinkwasser sowie als Filtermaterial für die Trinkwasseraufbereitung. 

 Grünes Wahrzeichen: Die Öfen des Pelmer Kalkwerk sind weithin sichtbar. Mitte 2020 wird das Werk nach 60-jähriger Firmengeschichte geschlossen, 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Grünes Wahrzeichen: Die Öfen des Pelmer Kalkwerk sind weithin sichtbar. Mitte 2020 wird das Werk nach 60-jähriger Firmengeschichte geschlossen, 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Foto: Mario Hübner
 Noch weisen diese Schilder den Weg beziehungsweise auf Gefahren hin. Damit soll 2020 Schluss sein.
Noch weisen diese Schilder den Weg beziehungsweise auf Gefahren hin. Damit soll 2020 Schluss sein. Foto: Mario Hübner
 Das Kalkwerk in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen, 22 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Beschäftigten des AWA-Instituts dürfen bleiben.
Das Kalkwerk in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen, 22 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Die Beschäftigten des AWA-Instituts dürfen bleiben. Foto: Mario Hübner
 Das Kalkwerk der Lhoist-Gruppe in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen. 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Das Kalkwerk der Lhoist-Gruppe in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen. 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Foto: Mario Hübner
 Das Kalkwerk der Lhoist-Gruppe in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen. 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Das Kalkwerk der Lhoist-Gruppe in Pelm wird Mitte 2020 geschlossen. 20 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Foto: Mario Hübner

Der Betriebsrat, der noch nicht lange im Amt ist, wollte sich nicht gegenüber dem TV äußern.