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Auf zwei Beinen steht sich's besser

Auf zwei Beinen steht sich's besser

LAUTZENHAUSEN. Die irische Billig-Fluglinie Ryanair hat dem ehemaligen Militärflughafen Hahn zum Aufschwung verholfen. So sehr, dass nun die zweitgrößte italienische Fluggesellschaft Volare vom Hunsrück Richtung Italien abheben möchte.

Ryanairhat es vorgemacht: Mit hoher Auslastung und von regionalenFlughäfen wie dem Hahn aus lässt sich profitabel fliegen. Nacheinem Jahr Drehkreuz im Hunsrück sind allein seit demValentinstag 2002 über 1,6 Millionen Passagiere mit den Irenabgehoben. Seit der Aufnahme des Flugbetriebes 1999 sind bislang2,5 Millionen Kunden mit Ryanair verreist. Und das mit Profit:Die Auslastung beziffert die für Deutschland zuständigeVerkaufs-Managerin Caroline Baldwin mit 80 Prozent: "Ryanair hatsich seit dem deutschen Markteintritt 1999 als Katalysator fürdie Veränderungen in der Luftfahrtindustrie erwiesen." Drittgrößtes Drehkreuz von Ryanair

Auch für den Hahn hat Ryanair den Grundstein für den Aufschwung gelegt. Vom 1. April an erweitert Ryanair sein Streckennetz um einen täglichen Flug nach Kerry im Südwesten Irlands. Das ist dann die 16. Route. Shannon wird dagegen nur noch an Samstagen angeflogen. Fünf Maschinen sind derzeit dort stationiert, ebenso wie 120 Mitarbeiter. "Wachstum ist immer eine Frage der Rentabilität", sagt Baldwin selbstbewusst. Ryanair habe mit 100 bestellten Maschinen vom Typ Boeing 737 nicht nur Maschinen, die künftig noch günstiger flögen, sondern die auch mehr Passagiere beförderten und somit für weiterhin niedrige Flugpreise sorgten. Wie viele von ihnen auf dem Hahn stationiert werden sollen, sei allerdings noch unklar, sagt die Managerin. "Derzeit ist der Hahn schon unser drittgrößtes Drehkreuz von insgesamt neun. Wenn wir schon so stark hier investieren, dann setzen wir auch auf Erfolg", sagt Baldwin.

Der "Ryanair-Effekt" hat dem Flughafen im Hunsrück nicht nur eine Verdreifachung des Passagieraufkommens und mehr Bekanntheit beschert, sondern auch Arbeitsplätze gebracht. 2000 Stellen seien auf dem ehemaligen Militär-Gelände entstanden, erklärt Jörg Schumacher, Geschäftsführer des Flughafens Hahn, die Ergebnisse einer Untersuchung: "Allein 660 Stellen sind mit dem Flughafen entstanden." Zu dem beschäftigungspolitischen Effekt strömten jedes Jahr 400 000 Touristen in die Region. "Wir erwarten ein weiteres Wachstum und glauben an den langfristigen Erfolg der Ryanair", sagt Schumacher und verweist auf den Vertrag mit der irischen Gesellschaft, der auf über zehn Jahre hin angelegt ist. Ob "Volare", die zweitgrößte italienische Fluggesellschaft nach Alitalia, so lange auf dem Hahn bleiben, will ist unklar. Sicher ist nur: Ab dem 30. März will die Airline zwei Mal täglich vom Hahn aus nach Brindisi und Venedig aufbrechen. "Volare ist für uns natürlich ein zweites Standbein. Das schöne daran ist: Die Italiener kamen auf uns zu, wir haben uns darum nicht bemühen müssen", freut sich Hahn-Co-Geschäftsführer Andreas Helfer. Hintergrund sei, dass Volare ein erfahrenes Unternehmen sei, sich aber verstärkt als "Aldi-Airline" in Europa etablieren möchte. Zwei Flug-Partner also, auf die der Hahn setzt.

Um im laufenden Jahr die wachsende Zahl der Passagiere auf bis zu fünf Millionen auch abwickeln zu können, sind Investitionen nötig. Schon immer war die Kapazität an der Grenze zur Überlastung. Nachdem deshalb 2002 das Terminal für sechs Millionen Euro auf die doppelte Fläche erweitert wurde, wird in zwei Monaten auch ein zweites Passagierterminal fertig sein. Derzeit wird eine Frachthalle für fünf Millionen Euro umgebaut. "Wir stellen dann im richtigen Moment die nötige Kapazität bereit, orientiert am Bedarf und zu niedrigeren Kosten als beispielsweise in Köln", sagt Schumacher. Auch die Infrastruktur werde in diesem Jahr weiter verbessert. 27,5 Millionen Euro stünden seit vergangenem Jahr für eine Verdoppelung der Parkplätze auf nun 6000, die Verlängerung der Start- und Landebahn und einen Busbahnhof bereit.

Zwei Standbeine sind für den Hahn aber nicht nur im Passagierverkehr wichtig. Auch als Frachtzentrum in der Mitte der Republik will sich der Hunsrück-Flughafen einen Namen machen. Und weil in Frankfurt schon bald keine Nachtflüge mehr erlaubt sind, sehen Schumacher und Helfer darin ihre Chance. "Der Transport von Nachtpost und Paketen schließen wir nicht aus", sagen die Geschäftsführer. Man werde der Deutschen Post jedenfalls den 24-Stunden-Service und die nötige Infrastruktur anbieten. Schon jetzt gehöre der Hahn zu den zehn größten deutschen Frachtzentren. "Wir haben nicht vor, uns darauf auszuruhen."