Bauerpräsident Michael Horper sieht die Landwirte unter großem Druck

Landwirtschaft : „Auch mal den Fuß vom Gas nehmen“

Rheinland-Nassaus Bauern-Chef bewertet den Bauerntag positiv und fordert Unterstützung für Landwirte.

Nach dem Deutschen Bauerntag sprach TV-Redakteur Heribert Waschbüsch mit dem Präsidenten des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Michael Horper (Üttfeld/Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Herr Horper, wie zufrieden sind Sie mit dem Bauerntag?

HORPER Es war eine gute Veranstaltung. Wir haben mit der Politik über unsere Zukunft diskutiert, aber der Bauerntag hat auch stark nach innen gewirkt. Es gab gute Diskussionen und Seminare.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat die Bauern aufgefordert , dass „die Landwirte vor die Welle“ kommen, statt abwehrend auf Neuerungen zu reagieren ...

HORPER Dafür gab es wenig Verständnis bei den Landwirten. Man muss auch einmal sehen, was wir in den vergangenen Jahren alles umgesetzt und geleistet haben. Vor fünf Jahren hieß das Motto des Bauerntages ,Veränderung gestalten’ und und nun ist unser Motto ,Veränderung braucht Beständigkeit’. Es vergehen derzeit kaum ein paar Wochen, wo wir nicht auf neue Regeln und Vorschriften reagieren müssen. Sei es von unseren Partnerbetrieben, den Molkereien, bei der Düngeverordnung oder im Pflanzenschutz.

Das hört sich nach reichlich Frust an.

HORPER Wenn wir nicht aufpassen, wird unsere Landwirtschaft überfordert. Der Pflanzenschutz in anderen EU-Ländern ist teilweise lascher als bei uns – gar nicht zu reden von den Voraussetzungen außerhalb der EU. Aber im Wettbewerb stehen wir mit unseren Preisen in der internationalen Konkurrenz.

Wie macht sich das in der Berufsgruppe bemerkbar?

HORPER Wir spüren das in einem verstärkten Strukturwandel. Fünf bis sechs Prozent der Vollerwerbslandwirte hören jährlich im Land  auf. In der Milchwirtschaft hatten wir vor einem Jahr noch 2000 Milchbauern, jetzt sind es noch 1850.

Was muss sich aus Ihrer Sicht ändern?

HORPER Wir brauchen bei den Anforderungen mehr Zeit. Man muss auch mal den Fuß vom Gas nehmen. Dann brauchen wir eine stärkere Förderung, denn nur über die Marktpreise lassen sich die Anforderungen für Umwelt und Tierwohl nicht bezahlen. Und wir brauchen zudem größeres Verständnis für die Landwirtschaft in der Politik und der Gesellschaft, sonst gibt es hier bald keine Bauern mehr.

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