In Luxemburg in zwei Stunden zur eigenen Briefkastenfirma

In Luxemburg in zwei Stunden zur eigenen Briefkastenfirma

Anonymität ist bei allen Steuerhinterziehungsmethoden das Schlüsselwort. Ob es um Briefkastenfirmen in Panama, Stiftungen in Liechtenstein oder heimliche Konten in Luxemburg geht - die geheime Sparschatulle lohnt sich in den meisten Fällen nur, wenn der Fiskus davon nichts mitbekommt.

Trier. Im Finanzamt Trier wird die Situation um die Panama-Papiere mit großem Interesse verfolgt. "Ich muss zugeben, dass mich die Entwicklung freut", sagt der Chef des Finanzamtes Trier, Jürgen Kentenich, dem TV. Steuerbetrüger, die ihr Geld im Ausland anlegen, beschäftigen seit jeher die Mitarbeiter im Finanzamt Trier und seit Anfang der 1990er Jahre sehr intensiv. Damals gab es eine erste Geldflucht von Anlegern nach Luxemburg, um seine deutsche Steuerschuld "zu optimieren".
Die jüngste Welle der Selbstanzeigen setzte 2010 ein. Erste CDs mit Bankdaten wurden von Behörden aufgekauft, und es kam zu Verhaftungen von prominenten Steuersündern.
Seit dieser Zeit haben sich in der Region knapp 1800 Steuerbetrüger selbst angezeigt, das Finanzamt konnte zusätzlich 54 Millionen Euro einnehmen. "Im Vergleich zu den Panama-Papieren sind das aber kleine Fische", sagt ein Ermittler aus Trier. Das System der Briefkastenfirmen ist für Fahnder nichts Neues. Bereits Mitte 2000 sei eine CD aufgetaucht, in der eine Bank ihren Klienten den Weg nach Panama empfohlen hat. "Wir sind also keineswegs von der Methode überrascht. Was uns aber überrascht hat, ist die Dimension", sagt der Trierer Finanzamtschef. Dabei sei es kein Problem, sich eine Briefkastenfirma zuzulegen. "In Luxemburg werden Sie innerhalb von gut zwei Stunden Besitzer einer Briefkastenfirma", erklärt ein Ermittler. Nicht von ungefähr seien vier der zehn häufigst genannten Banken in den Panama-Papieren aus Luxemburg.
Fahnder brauchen Hilfe


Ohne die sogenannten Wistleblower, CD-Käufe oder die investigativen Journalisten wären die Erfolge in Sachen Steuerbetrug in den vergangenen Jahren nicht möglich gewesen, finden Jürgen Kentenich. Man müsse nur bedenken, dass in der jetzigen Situation gerade einmal ein Land und eine Kanzlei (wenn auch eine bedeutende) bekannt geworden seien. "Das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange", findet der Finanzamtschef. Möglichkeiten, Geldvermögen im Ausland anonym anzulegen, gebe es genug: Stiftungen, Gesellschaften, Fonds, AGs, Holdings oder Scheingesellschaften. Das Argument "nur eine Briefkastengesellschaft zu gründen, ist nicht illegal", ist für den Experten eine Scheindiskussion. "Welchen Sinn hat eine Briefkastengesellschaft außer Schwarzgeld anzulegen oder Steuern zu hinterziehen, warum dann die Anonymität?", fragt Kentenich.
Deshalb sei es auch wichtig, die Helfer bei den Transaktionen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung heranzuziehen. "Ohne Banken, Steuerberater und Vermögensverwalter funktioniert das System nicht", sagt Kentenich.
Noch große Lücken


Die Swissleaks hätten gezeigt, wie Banken bei Steuerhinterziehung geholfen hätten, und Lux leaks, wie selbst die EU-Staaten Luxemburg, Niederlande und Irland sogenannte Tax-Ruling anbieten, damit sich große Unternehmen ansiedeln und von günstigen Steuern profitieren. Doch die jüngsten Veröffentlichungen durch das Recherchenetzwerk, zu dem die Süddeutsche und der britische Guardian gehören, zeige auch, dass sich kein Steuerbetrüger sicher fühlen kann.