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"Wir werden in Daten versinken"

"Wir werden in Daten versinken"

Im vergangenen Jahr haben Bürger und Unternehmen so viele Steuern an das Finanzamt Trier gezahlt wie nie zuvor: Genau 1,583 Milliarden Euro sind ein neuer Rekord.

Trier. 2014 geht beim Finanzamt Trier sicher als das Jahr der Selbstanzeigen ein. 937 Steuerbetrüger haben sich beim Finanzamt Trier angezeigt. Seit 2010 ist damit deren Zahl auf 1404 Selbstanzeigen gestiegen. Aus den bisherigen Steueranzeigen sind rund 40 Millionen Euro an Nachzahlungen beim Finanzamt eingegangen. Doch während die Selbstanzeigen in der öffentlichen Wahrnehmung ganz oben rangieren, machen sie doch nur einen Bruchteil des täglichen Geschäfts aus.
Stabile regionale Wirtschaft


Gut 55 Prozent aller Steuern, die von den 433 Mitarbeitern und 20 Auszubildenden bearbeitet und eingezogen werden, sind Umsatzsteuern. Mit 878 Millionen Euro ist diese Einnahmequelle um acht Millionen zum Vorjahr gesunken. Doch die gestiegene Lohn- und Einkommenssteuer - plus 33 Millionen auf 509 Millionen Euro - hat den Ausfall kompensiert (siehe Extra).
"Die Steuern sind ein nachfolgender Indikator der Wirtschaft, da sie ja nachträglich eingehen", sagt der Vorsteher des Finanzamtes Trier, Jürgen Kentenich. Doch angesichts der regionalen Werte ist Kentenich auch nicht für das laufende Jahr bange. "Wir haben in der Region fast Vollbeschäftigung und die Wirtschaft mit stabilen, mittelständischen Unternehmen macht keine Sorgen." Auch die Nähe zu Luxemburg hätte für die Wirtschaft positive Aspekte. So geht der Finanzamtschef bei Umsatzsteuer, Lohn- und Einkommenssteuer von weiter stabilen Werten aus.
In diesem Jahr werden nach seiner Ansicht aber auch weiterhin die Selbstanzeigen ein Thema sein. "Wir haben schon in den ersten Wochen des Jahres wieder 59 Selbstanzeiger", sagt Kentenich. Das Finanzamt hat viereinhalb Stellen aus dem täglichen Geschäft ausgegliedert, um dem Ansturm Herr zu werden. "Die Kollegen bearbeiten nichts anderes als Selbstanzeigen", sagt Jürgen Kentenich.
Damit könnten sich die Mitarbeiter auch auf die "sehr komplexen Anforderungen" einstellen. Und mit dem Stichtag 1. Juli 2015 sieht der Finanzamtschef noch mehr Arbeit auf seine Mitarbeiter zukommen. Dann werden innerhalb der EU automatisch weitere Informationen über Einkommen, Löhne, Altersversorgung, Pensionen, Erträge aus Lebensversicherungen und Immobilien an die Heimatfinanzämter der Anleger gemeldet. "Wir werden in Daten versinken", glaubt Jürgen Kentenich. Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen bei Luxleaks und Swissleaks glaubt Kentenich, dass insgesamt ein Umdenken in Europa einsetzt. Doch für ihn ist auch klar: "In Sachen Steuervermeidung und Steuerhinterziehung wird es für die Ermittler immer ein Rennen zwischen Hase und Igel bleiben."
Für die Region Trier sieht Kentenich in diesem Jahr aber noch ein weiteres Schwerpunktthema: "Für uns wird in diesem Jahr die Schrottbranche wieder in den Fokus rücken." Weitere Einzelheiten könne er aber jetzt noch nicht nennen.Extra

Mit Steuereinnahmen von insgesamt 1,583 Milliarden Euro hat das Finanzamt Trier im abgelaufenen Jahr 2014 einen neuen Einnahmerekord erzielt. Die bisherige Bestmarke von 1,578 Milliarden Euro aus dem Jahr 2012 wurde in 2014 um fünf Millionen Euro übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr 2013 ist sogar eine Steigerung der Steuereinnahmen um 56 Millionen Euro eingetreten. Das Aufkommen an Umsatzsteuer ist die bedeutendste Einnahmequelle des Finanzamts Trier. Die Umsatzsteuer macht etwa 55 Prozent des Gesamtaufkommens aus. Dieses hohe Aufkommen resultiert nicht nur aus der Umsatzsteuer der in der Region Trier ansässigen Unternehmen, sondern auch zu rund 30 Prozent aus der Umsatzsteuer belgischer Unternehmen, die im gesamten Bundesgebiet Umsätze ausführen: Für diese belgischen Unternehmen ist das Amt in Trier zentral zuständig. An zweiter Stelle folgen Lohn- und Einkommenssteuer. hw