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Land will den Hunsrück voranbringen

Land will den Hunsrück voranbringen

Zwei Stoßrichtungen, ein Projekt: Die Landesregierung will dem Hunsrück wirtschaftlich helfen, weil diese strukturschwache Großregion stark unter Überalterung und sinkender Bevölkerung leidet. Und Rot-Grün möchte dazu beitragen, dass ein Raum von 250 000 Menschen etwas unabhängiger vom kriselnden Flughafen Hahn wird.

Lautzenhausen. Die künftige Wirtschaftskraft des Flughafens Hahn ist schwer kalkulierbar. Daher sollen zusätzliche Geschäftsfelder erschlossen, entwickelt und gefördert werden. Das Mittel zum Zweck: Die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke hat einen Ideenwettbewerb zur Regionalentwicklung von Hahn und Hunsrück eröffnet. Geeignete Projekte können mit insgesamt vier Millionen Euro unterstützt werden.
Lemke macht Dampf. Im Sommer (August/September) sollen die vier betroffenen Landkreise geeignete Vorhaben einreichen. Chancen auf Fördermittel haben Ideen und Initiativen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis und den Landkreisen Cochem-Zell, Birkenfeld und Bernkastel-Wittlich. Der weitere Fahrplan: Im Oktober wird ausgewählt, für welches Projekt welche Summe fließen kann. Bereits 2015 sollen aus Plänen Taten werden.
Infrage kommen Konzepte kommunaler Träger, die aber durchaus in Kooperation mit der Wirtschaft umgesetzt werden können.

"Mit dem Wettbewerb möchte ich gute Ideen aufgreifen und vielversprechende Entwicklungen im Hunsrück unterstützen", erklärte die Wirtschaftsministerin im Mainzer Regierungsviertel. Förderfähige Konzepte müssen über die Kreisgrenzen hinaus wirken, so Lemke weiter. Das Land will Initialzündungen auslösen, die dann zum Selbstläufer werden. Der Projektansatz könnte später als Modell für andere rheinland-pfälzische Regionen dienen.
Für die betroffenen Landkreise ist der Ideenwettbewerb natürlich eine gute Gelegenheit, um an die schrumpfenden Fleischtöpfe aus Landeszuschüssen heranzukommen. Ideen haben sie genug. Rhein-Hunsrück-Landrat Bertram Fleck (CDU) möchte eine regionale Onlineplattform für den Einzelhandel aufbauen. "Ein Klick bringt den Kunden zu allen regionalen Produkten", schwärmte der Christdemokrat. Weitere Ansätze: Er will Solarthermie, die Umwandlung von Sonneneinstrahlung in Wärmeenergie, an Nahwärmeverbünde andocken. Und: Fleck schwebt ein Feldversuch vor, um Sonnenenergie per Batterie zu speichern.
Mehr Elektroautos


Landrat Manfred Schnur (CDU, Kreis Cochem-Zell) will Elektromobilität weiterentwickeln. Dazu zählt die Nutzung von Elektroautos samt dem Aufbau von Ladekapazitäten. Schnurs Kollege Gregor Eibes (CDU), Landrat im Kreis Bernkastel-Wittlich, strebt ebenfalls weitere Nahwärmeverbünde an. Wirtschaftsministerin Lemke dürfte angesichts der ökologischen Bekenntnisse der - ins Ministerium geladenen - CDU-Kommunalpolitiker das Herz aufgegangen sein.
Chancen fürs Land


Der Gutachter, die Kaiserslauterner Firu mbh, hat Wirtschaftsfelder identifiziert, die gute Chancen in ländlichen Regionen haben. Dazu zählen unter anderem Logistik, Umwelttechnik, Gesundheitswirtschaft, innovative Land- und Forstwirtschaft sowie hochwertige Unternehmens- und Forschungsdienstleistungen. Die Zuschüsse sollen über einen Regionalfonds fließen. Die nötige Vernetzung wird über eine regionale Entwicklungsagentur vollzogen, die in Selbstorganisation der Beteiligten entstehen soll. Wie stark der Bevölkerungsrückgang in den vier Kreisen ist, zeigt der Raumordnungsbericht des Landes. Zwischen Ende 2007 und Ende 2012 hat der Kreis Birkenfeld sechs Prozent seiner Bevölkerung verloren. Das sind 5210 Bürger. Im Rhein-Hunsrück-Kreis betrug der demografische Aderlass im gleichen Zeitraum 3754 Bewohner (-3,6 Prozent).
Der Landkreis Bernkastel -Wittlich schnitt mit einem Minus von 2,2 Prozent (11 480) nur etwas besser ab.Extra

Das Wirtschaftsministerium will dem Hunsrück in Zusammenarbeit mit den vier betroffenen Landkreisen neuen Schwung verliehen. Projektpartner ist die Firu mbH mit Sitz in Kaiserslautern und Büros in Koblenz, Berlin, Saarbrücken und Dresden. Das Unternehmen mit derzeit 22 Mitarbeitern hat für 34 000 Euro eine Studie erarbeitet, die sich mit Perspektiven der Hunsrückregion rund um den Flughafen Hahn befasst. Die Kernexpertise stammt aus dem Zeitraum von Juni bis Oktober 2013, danach wurde sie im Wirtschaftsministerium weiter bearbeitet. Das Gutachten dient als Basis und Raster, um förderfähige Projekte auszuwählen. Firu-Ansprechpartner für den Entwicklungsprozess im Hunsrück ist der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Jacob. Er sieht den Hahn als wirtschaftlichen "Kristallisationspunkt" der Großregion. Der Ingenieur führt ein Team aus Raum- und Umweltplanern, Stadtplanern sowie Geografen. Seine Firma besteht seit über 25 Jahren und hat bereits häufiger mit der Landesregierung zusammengearbeitet. db